DAY 26 (BLOCKFREI)

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Sie schob die große,schwere Tür zur Seite. "Ist hier denn noch frei? Draußen steht zwar es sei besetzt, aber sie scheinen alleine zusein?!". Die zwei Männer musterten sie.Eine hübsche,junge Frau. Die Beiden schienen zusammen zureisen.Sie saßen gegenüber voneinander, an einem Tisch, am Fenster. Ein komisches Duo. Er war dickbäuchig, ein einfacher Mann, hatte seine Bierflasche neben sich gestellt und mit einem Öffner verdeckt. So blieb das Bier länger frisch. Durch das Verdecken der Flasche schien es nur noch bedingt Proletenhaft. Der Zweite hatte eine Brille auf. Er hatte graue Haare und ein gepflegtes Äußeres. "Er hat besetzt, ich nicht! Versuchs einfach!", sagte der Dicke. Sie stutzte, fahren also doch nicht gemeinsam? Sie setzte sich. Stellte ihre Handtasche neben sich und nahm ein Buch heraus. Ein kleines gelbes Buch. "Klassische deutsche Kuzgeschichten" stand drauf. Bevor sie anfing zu lesen, lächelte sie den Beiden noch einmal wohlwollend zu. Noch zwei Stunden bis Nürnberg. Die Beiden schienen sich prächtig zuverstehen. Sie quatschten über Städte und Länder die sie bereißt hatten. Der Dicke erzählte davon wie er nur mit seinem Rucksack und zwanzig Mark nach Frankreich gefahren sei, aber das ist schon gute zwanzig Jahre her, meinte er. Der Zweite flog. Er erzählte von Dubai und dem tollen Sushi in Japan. Dann sprachen sie von der Bahn. Wie teuer es doch geworden sei. Der mit der Brille drehte sich zur ihr. "Wie ist das denn für junge Menschen? Fahren sie lieber mit dem Zug oder mit dem Bus?" Sie lächelte und antwortete in klarem und überzeugten Ton "Ich fahre gerne kostengünstig, als Studentin hat man nun nich die finanziellen Mittel sich das aussuchen zukönnen" . Es wurde so langsam dunkel. Sie fuhren in die Nacht hinein. "Besuchen sie Verwandte in Nürnberg?" fragte sie. Der Dicke antwortete " Ich besuche einen Freund in Stuttgart, ich war jetzt lange daheim, ich muss aus der Bude raus. Ich beziehe Frührente!" "Man muss fit bleiben sonst rostet man, immerhin hat man ja nur ein Leben!"entgegnete sie . "So viel rumkommen wie nur möglich! Das habe ich mir als Aufgabe gemacht.". Der Dicke machte sich nun sein zweites Bier auf "Tut gut son Blondes am Abend! nicht wahr?!". Der Zug ruckelte, aber es war bequem. Das Kämmerchen bot Platz für sechs Personen. Sie waren ja nur zu dritt, hatten also genügend Platz. Die Türe war zu. So enstand eine angenehme Stille, wenn die Drei nicht gerade redeten.Und sie redeten viel. Wenn man sich fremd ist hat man viel zuerzählen. "Ich hab auf der Straße gelebt, war keine gute Zeit! Hab viel getrunken, viel geraucht!." Sie schaute ihn mitleidig an, in ihrem Blick konnte man lesen, dass sie ihm wohl gerne geholfen hätte. Er hatte etwas liebevolles in seinem Lächeln, ein Mann der viel erlebt hat.Der Zweite, schien auch verständnissvoll. "Was studieren sie denn?" fragte der Zweite. "Ich studiere Lehramt , bin nun im vierten Semester. Ich würde mir aber gerne noch eine weitere Möglichkeit für meine Zukunft offen halte und mein Staatsexamen in einer weiteren Fachrichtung erweitern."  " Die Studienzeit war meine schönste Zeit. Ich habe Medizin studiert, nebenbei noch Betriebswirtschaft." "Wie beeindruckend, ich finde schon ein Studium unglaublich anstrengend und dann auch noch Medizin!" "ja,ja. Es war aber eine wundervolle Zeit. Meine Freundin studierte mit mir. Ich habe sie aber irgendwann aus den Augen verloren, sie hat eine Stelle in New York angenommen. Neben den Twintowers. Ich hab nie weider was von ihr gehört.Sie ist dort wohl umgekommen!" Der Dicke nahm ein Schluck aus seiner Flasche. "Die Guten sterben immer viel zu früh!" . Sie stand auf. Sie kramte in ihrer Tasche. Nahm ein kleines Puderdösschen heraus. Schob die große Glastüre zur Seite. Es kam ein frischer Luftzug in die Kammer und der Lärm von Draußen. Dann schloss sie die Türe hinter sich wieder. Ruhe. Als sie zurück kam hatten die Beiden wohl das Thema gewechselt. "Die Leber macht das nicht immer mit! Ich weiß es ja. Habe schon so oft eine OP absagen müssen weil die Leber zu schwach war. Die hätte das nicht mitgemacht. Glauben sie mir!".Der Dicke schwieg und nickte bereitwillig. "Sie müssen sich Hilfe holen, alleine schaffen sie das nicht!". Noch zwanzig Minuten bis der Arzt und die Studentin aussteigen mussten. Der Dicke musste noch ein Weilchen weiter. Sie knipste das Licht über sich aus. Steckte das Biuch in ihre Tasche. Sie hatte es schon länger geschlossen auf dem Schos liegen. "Bald sind wir da!" sagte sie. "ohja, ich freue mich auf zuhause!". Der Arzt schaute aus dem Fenster. "Sie waren noch nie in Nürnberg?" "Ne, kein Geld gehabt, nur mal durchgefahren." Der Arzt deutete mit dem Finger nach draußen. "Schauen sie, da ist das Stadtion. Dort wird ein neues Center gebaut und dort ist der Fernsehturm, der ist aber leider gesperrt!"Alle drei schauten heraus. Sie schauten in die Nacht.Schauten auf die leuchtenden Gebäude. Erkannten die Schönheit. Der Zug fuhr in den Bahnhof ein. Ein letztes ruckeln und der Zug kam zum stehen. "Aufwiedersehen.Denken sie daran was ich ihnen gesagt habe! Alles Gute." Der Arzt schüttelte dem Dicken die Hand. Auch die Studentin lächelte ihn ein letztes mal an und gab ihm die schmale Hand. "Schöne Fahrt noch!". Sie stiegen aus. Aufeinmal war es wieder laut. Sie wurde empfangen. Er lief alleine weiter. 

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