Einreden

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Bei SM war es nett. Wir waren eine sechsköpfige Damenrunde die zuerst Prosecco trank, dann aß, dann zwei alberne, aber nicht unlustige Gesellschaftsspiele spielte, um Mitternacht HPs Geburtstag begoss, gegen 2 Uhr auf die Sofas fiel, heute Morgen um 9 Uhr aufwachte, nett frühstückte und gegen 11.30 Uhr die Rückfahrt nach Frankfurt antrat. E. war gestern Nacht schon gefahren und das fand ich gar nicht so schade.
Es war also wirklich nett, wenn auch nicht herausragend, meinetwegen hätten die Gespräche intensiver und weniger flachbrüstig sein können und von mir aus hätten wir zumindest noch etwas länger spielen können - als ich die nötige Menge Prosecco intus hatte, fand ich es gar nicht mehr so albern und peinlich, dass eine Gruppe von Frauen zwischen Dreißig und Anfang Vierzig Gesellschaftsspiele spielt.

Ich habe die Angewohnheit mir einzureden, ausgeschlossen zu sein. Das steigert sich manchmal bis zu einer Art Verfolgungswahn, ich denke dann dass die anderen flüstern und tuscheln, sobald ich mal auf der Toilette bin und dass hinter meinem Rücken Pläne für ein nächstes Treffen ohne mich geschmiedet werden, dass die anderen sich gegenseitig zuzischeln "Aber sagt ihr bloß nichts davon..." und dass sie sich zuzwinkern und in Anspielungen ergehen, damit ich nur nichts von den weiteren geplanten Aktivitäten erfahre.
So war es während meiner Schulzeit, praktisch von der ersten bis zur letzten Klasse, aber die Zeiten sind lange vorbei. Warum sehe ich das nicht endlich ein? Wie lästig, dass ich heute noch immer diesen Komplex habe. Es ist nichts dran.
Oder doch?
Meine Güte, natürlich werden sich mal meine Bekannten ohne mich verabreden. Das heißt aber nicht sofort, dass sie mich nicht dabeihaben wollen.

Sicher schlage ich ein kleines bisschen aus der Reihe und es mag durchaus wahr sein, dass der Draht zwischen D., SM, HP und HG ein wenig dicker ist als der, der sie mit mir verbindet. Sie alle kochen unheimlich gern und unterhalten sich ab und zu über Soßen, Kräuter und Desserts und planen Koch-Abende. Dass ich zu so einem Koch-Abend nicht eingeladen werde ist klar und auch, dass sie mich etwas komisch finden, weil ich von Pizzabaguettes, Käsebroten und Schokolade lebe und zugebe, dass ich lieber in eine Tomate beiße als mir die Mühe zu machen sie zu schneiden, da mir das schon zu umständlich wäre und es dementsprechend als Strafe empfände, richtig kochen zu müssen.
Komisch finden sie es vielleicht auch, dass ich so gar keinen Sinn für farbig gestrichene Wände, Stoffe, Bezüge, Kissen usw. habe - sie sind allesamt Warmblüter, ich bin ein Kaltblüter, ich will meine Wand kalkweiß und meine Möbel aus Stahl oder Glas und möglichst wenig Kuschelkram drumherum, über zitronengelbe Wände, Zimmerpflanzen (die kann ich nicht ausstehen!) oder erdfarbene Vorhänge kann ich nicht mitdiskutieren und das irritiert sie offenbar etwas an mir.
Aber deswegen schließen sie mich nicht aus. Das rede ich mir ein. Ich denke, sie "wollen" mich nicht, weil ich so "anders" bin - aber in Wahrheit ist davon gar keine Rede.
Vielleicht liegt es an meiner momentan ziemlich zerquetschten Stimmung, das ich mir gestern und heute so sicher war, ausgeschlossen zu sein.

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