Jetzt ist es aber auch gut

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Schön, schön, Pfingsten war nett.
Am Freitag habe ich wie bereits erzählt eine Reise nach Torre del Lago zum Puccini-Festival im August für meine Mutter und mich erbrüllt und seitdem schwebt Frau Mama auf lyrischen Wölkchen, trällert All'alba vinceró! und fällt mir immer mal wieder um den Hals und jauchzt "Ach, ich freue mich so, ich freue mich ja so...!" Es ist ja nett, dass eine erwachsene Frau noch in so kindliche Freudentaumel geraten kann - und das kann meine Mutter wirklich. So unzufrieden sie ist und so ungern sie irgendwo ein gutes Haar dran lässt, so sehr kann sie sich mit Herz und Seele freuen und darum beneide ich sie, ich hatte diese überschwängliche Freu-Fähigkeit nicht mal als Kind, im Gegenteil.

Der Samstag stand unter dem Motto Balkon-Hopping, Rosenpark und Wehrdaer Jogging-Parcours.
Auf unserem Balkon ist ab kurz nach 11 Uhr keine Sonne mehr, aber unsere zum Glück z.Zt. verreisten Nachbarn haben Sonne von mittags bis zum Sonnenuntergang - dafür hasst meine Mutter dieses Ehepaar noch mehr. Sie hatten ausdrücklich gesagt, wir sollen während ihrer Reise ihren Balkon nutzen und das tat ich, bis ich dann um 14 Uhr mit meinem Vater ins Rosenpark-Café fuhr, wo wir nur etwas über 2 1/2 Stunden saßen. Meine Mutter kam zwischen zwei Stadtführungen für 45 Minuten auch dazu.
Abends dann joggte ich kreuz und quer durch den Wehrdaer Wald und war selbst erstaunt, etwa 40 Minuten durchzuhalten. Das schaffe ich sogar in Frankfurt nur mit Mühe (obwohl ich seit weit über einem Jahr trainiere - ich mache wohl mal wieder alles richtig beim Training) und dort ist die Laufstrecke eben, hier haben wir eine Berg- und Talbahn. Komisch, dass es so viel Spaß macht, bergab zu rennen, dass einem eben dieser aber beim Bergauf-"Rennen" so schnell vergeht. :?:
Ausklingen ließen wir den Tag dann spielend in Sofies Welt.

Gestern: Damm-Mühle. So richtig schön gutbürgerlich. Mein Vater aß etwa eine Stunde lang Suppe (nur eine, sonst hätte es zwei Stunden gedauert), meine Mutter und ich lästerten uns von Gast zu Gast. Gibt es nur in Marburger Ausflugslokalen so viele fatal gekleidete Menschen?
Vorher hatte ich wieder auf dem Nachbar-Balkon gesessen, danach passierte nicht mehr viel außer einer Ebay-Tour mit meiner Mutter. Irgendwann ist es dann auch gut. Noch mehr Familienprogramm brauche ich nicht, es reicht und fängt an zu nerven. Aber was will ich tun an so einem Marburger Abend? Man ist in dieser Wohnung so gefangen. In Frankfurt gehe ich abends an den Main oder rufe zur Not D. oder M. an und frage, ob sie mit in den Biergarten kommen. Hier sitze ich zwangsläufig auf meinen Eltern, weil kein Mainufer und kein Biergarten in der Nähe ist. Ich habe allen Ernstes schon mal überlegt, auch hier Kontaktanzeigen "Leute gesucht" aufzugeben oder zu lesen - warum soll man das nur in der Stadt tun, in der man wohnt? Das würde das Zusammensein mit meinen Eltern vielleicht etwas entschärfen.
Soll ich mir das noch einen weiteren Abend lang antun oder fahre ich heute zurück?
Einerseits bin ich inzwischen elternübersättigt, andererseits bleibe ich ja immer möglichst lange hier, um hinterher umso besseren Gewissens wegfahren zu können - jeden Tag, den ich hier verbracht habe, tue ich auf ein Punktekonto und rechne damit die Tage auf, an denen ich meine Eltern nicht mal anrufe.

Ich bin so wenig dafür geschaffen, mit anderen Menschen länger als ein paar Stunden in einer Wohnung zu sein. Ständig angesprochen zu werden, ständig jemanden zu hören, zu sehen, zu spüren... das macht mich madig nach 13 Jahren des Alleinlebens. :@

Das Frühstücks"gespräch" war mal wieder so bezeichnend idiotisch, dass ich dem später einen eigenen Eintrag widmen werde.

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