Viele blöde Worte

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abgewiesen
alleingelassen
ausgegrenzt
ausgelacht
ausgeschlossen
belächelt
blamiert
unbeliebt
verlacht
vertrieben
weggedrängt

Hässliche Wörter.

Was hat mich schon wieder gepackt?

Hat es etwas mit der unsäglichen Blamage vor dem Pater zu tun, dass ich mich in meinem Komplex aale und suhle?
Die Mail, die ich ihm am letzten Mittwoch in meiner lächerlichen Verzweiflung schrieb, war so dämlich, dass es dafür keinen Ausdruck gibt. Ich weiß nicht was mich dazu getrieben hat, ihm solche haarsträubenden Idiotien zu schreiben. Kaum war die Mail weg, hatte ich Angst vor seiner Antwort, Angst davor, er könne mir deutlich zu verstehen geben, was er von lebensuntüchtigen Menschen wie mir hält. Gehofft habe ich, dass er mir Absolution erteilt, indem er mir irgendwie vermittelt, dass er die Mail nicht idiotisch fand, dass er meinen Ausrutscher nicht lächerlich findet, dass er mich nicht verachtet.
Dass er gar nicht geantwortet hat kommt der Antwort "Lassen Sie mich mit Ihren Albernheiten in Ruhe!" gleich.
Ich nehme es ihm nicht übel, dass er auf mein Verzweiflungsgeplärr nicht geantwortet hat. Was hätte er sagen sollen? Aber ich hatte ihm ganz unabhängig von diesem Quatsch eine sachliche ernste Frage gestellt, unter meinen Ausbruch hatte ich geschrieben er möge mir doch bitte mitteilen, ob ein bestimmter Gesprächskreis in der Kirche in diesem Jahr noch einmal stattfände. Dass er diese Frage ignoriert, empfinde ich einerseits als unhöflich und noch dazu als Zeichen, dass er mit mir nichts, aber auch gar nichts zu tun haben will.
Meine Blamage vor ihm ist also wirklich perfekt.

Damit hat sich alles, was mit der L.-Kirche zu tun hat, für mich erledigt. Nie wieder. Nie wieder zur Messe, nie wieder zum Sonntagabendumtrunk, nie wieder zum Adventskonzert. Am liebsten würde ich nie wieder an dieser Kirche vorbeigehen, aber um das zu vermeiden, müsste man sie ab- und an einer anderen Stelle in Frankfurt wieder aufbauen, sie ist nun mal mittendrin.
Ich schäme mich. Ich schäme mich so entsetzlich, wie ich mich nur früher als Jugendliche geschämt habe, wenn ich mich vor meinen damaligen "Idolen" blamiert hatte, indem ich mich dabei erwischen ließ, ihnen auf dem Parkplatz vor dem Haus oder hinter unserem Esszimmerfenster aufzulauern oder wenn ich etwas furchtbar Dummes gesagt hatte und dumme Blicke und böse Kommentare von ihnen erntete, die für mich so hart waren wie eine Vertreibung aus der Heimat durch feindliche Truppen.
Diese Scham ist, glaube ich, das schlimmste Gefühl das ich kenne, schlimmer als Angst, schlimmer als Einsamkeit, schlimmer als Hoffnungslosigkeit.

Nicht nur die L.-Kirche ist für mich nun ein Tabu-Thema, sondern alles, was mit Religion zu tun hat. Daran sieht man, dass es mir nie um die Religion, um den Glauben ging, sondern nur um diesen einen Mönch. Den hatte ich mir aus unnachvollziehbaren Gründen aus der Menschheitsmenge herausgegriffen und ihn mir in einem goldenen Bilderrahmen mitten an die Wand über mein Leben gehängt und fleißig sämtliche Hoffnungen auf ihn geworfen. Einen Freund wollte ich in ihm haben, eine Anlaufstelle, eine Stütze, einen Lichtpunkt, eine Anlaufstelle für Notfälle, einen Kraftspender, einen Tröster, einen Berater. Ich wollte wissen dass er "da" ist, erreichtbar, dass ich im schlimmsten Notfall (Tod meiner Eltern oder Selbstmordabsichten) zu ihm gehen könnte, dass er mich, wenn es zum Äußersten käme, nicht allein lassen würde, dass da jemand wäre, dass ich einen Strohhalm zum Festhalten hätte.
Vorbei. Pech gehabt. Mal wieder.
Die Blamage kocht mir in jeder Zelle.
So schlimm war die Mail gar nicht. Es ging nicht um Selbstmord oder irgendwelche Drohungen, es ging irgendwie um gar nichts.

Egal.

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