Zwei Eifersüchtelnde und geschürte Wut

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Das ist nun sicher nicht der Sinn eines Kirchenbesuchs.
Die Predigt war langweilig, ich habe kaum zugehört, obwohl Pater C. gesprochen hat. Vielleicht wollte ich sie auch langweilig finden und nicht zuhören.
Ich hatte es mal wieder mit einer "Bestellung" versucht, gerade was die Sonntagabende betrifft, hatte das ja bisher ganz gut funktioniert. Ich hatte "bestellt", anschließend mit ihm ins Gespräch zu kommen, aber er grüßte mich nur wie immer, ging zu anderen Leuten an einen anderen Tisch, rauchte eine Zigarette und verschwand danach.

Das Interesse des Lehrers an mir ist doch tiefgreifender, fürchte ich. So ein Pech habe ich immer. Das Erste was er sagte war: "Lange nichts voneinander gehört!" Das bezog er darauf, dass er sich für letzten Donnerstag mit mir hatte verabreden wollen und ich sagte, ich sei bereits verabredet, aber ich riefe ihn an, falls ich doch Zeit hätte.
Ich hatte keine Zeit (ich saß mit M. und A. im Café) und rief also nicht an, er scheint meinen Anruf aber erwartet zu haben. Wer weiß wie sehnsüchtig? Der Arme. Das täte mir leid. Wirklich, diesmal soll das kein Spott sein.
Er war fürchterlich nervös und goss sich das erste Bier in nicht mal fünf Minuten runter, so habe ich ihn noch nicht erlebt.

Es war ein ätzender Abend, der mit Wuttränen in meinen Wimpern endete.
An unseren Tisch kam der kleine, magere, alte Pole, der auch bei meinem allerersten Besuch bei uns gestanden hatte und der erzählt hatte, er lebe und arbeite illegal in Deutschland.
Er radebrechte (oder heißt es radebrach?) über eine halbe Stunde auf mich ein, er erzählte etwas von einem Buch über Heidelberg, mehr war nicht zu verstehen.
Ich könnte mich ohrfeigen! Ich hörte aus Freundlichkeit zu, aus reiner Freundlichkeit, weil ich ihm nicht das Gefühl geben wollte, ich wolle mit ihm nicht sprechen, da mir sein schlechtes Deutsch zu anstrengend ist. Bin ich sonst auch das Paradebeispiel eines Egoisten ohne viel Gefühl für andere, manchmal meine sogar ich etwas gut. Aber immer bei den Falschen! !*!

Der arme Lehrer war eifersüchtig auf den Polen, weil der mich so vereinnahmte und knurrte ihn an.
Dann war Zapfenstreich und der Lehrer, der Pole und ich gingen zusammen zur S-Bahn. Wir sprachen über Drogen, Bettler, Obdachlosigkeit und Illegalität und der kleine polnische Wurm spielte sich als "Väterchen-ich-weiß-alles" auf.
"Mein Frrreind! Hast Du keine Ahnung!" Damit leitete er fast jeden Satz ein und belehrte den durchaus naiven Lehrer, dass so gut wie alle Bettler Drogen nehmen und dass sie (angeblich...) pro Tag gut und gern 100 Euro verdienen. Das kann ja sein, ich weiß es nicht. Aber mich ärgerte seine Überheblichkeit, sein "Ich habe von allem Ahnung und Ihr wisst gar nichts"-Gehabe. Und immer wieder dieses "Mein Freind! Hast Du keine Ahnung!" !*!

So weit, so schlecht. Der Lehrer fragte ihn nach seinem Leben und da ging es los. Er arbeite schwarz, er sei illegal hier, aber das kümmere ja keinen und das müsse man ausnützen. "Ich bin ja nicht Idiot!" rief er immer wieder. Alles sei so einfach, die deutschen Behörden seien so blöd, man könne praktisch machen was man wolle usw. Mir schwoll langsam der Hals zu.
Der Gipfel kam aber erst noch. Da begann diese jämmerliche kleine Kreatur, über Deutschland zu schimpfen. Deutschland sei Scheiße, der Staat sei Scheiße, ein Scheißland. Er sei ihr um Geld zu verdienen, aber mit Deutschland hätte er nichts zu tun. "Deutschland hasse ich! Ich will Geld!" Wörtlich. Und immer wieder sagte er das, sagte uns das frech ins Gesicht, dass er unser Land hasst, aber hier gut Geld machen kann, ohne davon nur einen Euro abgeben zu müssen. "Ich bin ja nicht Idiot!"

Am liebsten hätte ich die Polizei gerufen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so sprachlos war.
Ich hätte mich längst nicht so aufgeregt, wenn er nur gesagt hätte, dass er wegen Schwarzarbeit hier sei, aber nicht so über Deutschland hergezogen hätte. Dann hätte ich mich etwas geärgert, aber wäre nicht so böse geworden. Aber dass es dieses verkommene Stück Fleisch wagt, uns ins Gesicht zu lachen, unseren Staat zu beschimpfen und uns zu sagen, dass er nur wegen des Schwarzgeldes hier sei, hat mir echt den Atem genommen, ich hatte Wuttränen in den Augen.
Gesagt habe ich nichts. Warum eigentlich nicht? Ich Feigling. Ich hätte ihm sagen müssen, wie empörend ich das finde, auch wenn er darüber gelacht hätte. Statt dessen habe ich dann den Lehrer fast angeschrieen, als wir auf die Bahn warteten. Der war auch völlig von den Socken.
Es darf doch einfach nicht wahr sein.
Da damals das Finanzamt auch nicht immer alles wusste was ich so trieb, will ich über Schwarzarbeit nichts sagen. Aber ich sage etwas über Ausländer, die sich illegal hier aufhalten, Schwarzgeld scheffeln und über Deutschland lachen und lästern, das ist das Schlimmste, über das andere würde ich noch zähneknirschend hinwegsehen, wenn auch nur ungern.
Diese Ratte. Kein Wort mehr werde ich mit dem sprechen. Da geht man in die Kirche und muss sich mit so etwas konfrontiert sehen.

Schön, dass Europa sich immer wilder verschwestert und verbrüdert. Schön, dass seit dem 1. Mai alles noch leichter ist.
Da wünscht man sich doch... ZENSIERT. Als Deutscher darf man im eigenen Land ja weniger sagen als so ein Wurm.

Es war also ein wundervoller Abend.

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