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Wie erwartet kam beim Arzt eh alles anders. Ich saß eine geschlagene halbe Stunde im Wartezimmer und habe mich verrückt gemacht wegen der Blutabnahme, ich hatte echt Sorge, dass ich die noch schlechter vertragen würde als die Impfung, und als ich dann endlich reingerufen wurde, konnte ich mir nur mit Mühe ein Lächeln auf die Lippen ringen. Ich setzte mich und sagte einfach ganz klar, dass mir meine Psychotherapeutin zur Untersuchung der Schilddrüse geraten hatte, woraufhin sie noch mal nachfragte ob es wegen depressiven Sachen sei. Da musste ich kräftig schlucken und bejahte und merkte bereits da die Tränen. Wie sehr ich mich dafür hasse, dass ich sowas nicht im Griff habe...
"Ist eine schwierige Situation Zuhause, oder?" Sie fragte das, als wenn sie von allem wüsste. Von meiner Mutter, der Trennung, der Familienhilfe, von einfach allem, und so abwägig war das gar nicht, immerhin ist Papa auch bei ihr.
"Es ist eigentlich besser geworden", erwiderte ich mit brüchiger Stimme und guckte kurz auf meine Hände, an denen ich nervös und beschämt herumpückerte. Eine blöde Angewohnheit, gegen die ich nicht ankomme. Erst recht nicht in solchen Situationen. Sie fragte mich dann noch, bei was für einer Therapeutin ich sei und ob ich Suizidgedanken hätte, ob ich auch bei einem Psychiater in Behandlung wäre. Ich habe ihr gestanden, dass ich ab und an ganz unkonkrete Suizidgedanken habe und den Termin im September erwähnte ich ebenfalls. Ihre Stirn zuckte einmal besorgt zusammen als sie das Datum hörte und sie begann etwas in ihren Computer zu tippen, wollte noch kurz wissen was ich vom Beruf her mache.
"Also... so wie Sie gerade vor mir sitzen, bräuchten Sie dringend noch eine medikamentöse Behandlung, um Sie psychisch wieder ein wenig auf die Bahn zu bringen", sprach sie und ich presste die Lippen aufeinander. Ein bisschen klang das ja schon so als wäre ich komplett verrückt, aber ich weiß sie es meint. "Und September ist doch noch eine Weile hin. Ich schreibe Ihnen ein leichtes Antidepressiva auf, ja?" Sie erklärte mir noch eine ganze Menge dazu, wie das ist mit dem Einsetzen der Wirkung und den Nebenwirkungen, die gleiche Schallplatte durfte ich mir zwei Minuten später in der Apotheke noch mal anhören. Der Termin für die Blutabnahme ist erst mal auf September verschoben worden, da die Ergebnisse bis morgen nicht vorliegen können und ich ab Morgen nicht mehr da bin. Also wird das alles im September gemacht, damit die Blutwerte aktuell sind und nicht sechs Wochen alt.
Ich soll gleich heute anfangen die Tabletten zu nehmen und vielleicht gehen dadurch die Kopfschmerzen und der Schwindel wieder weg, wenn ich mehr Schlaf bekomme und es mir besser geht. Wir werden sehen...

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