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Zur Zeit gehe ich ganz gerne zur Arbeit. Morgens will ich eigentlich gar nicht erst aufstehen und wenn ich dann meine Tasche im Büro abstelle, die Jacke weghänge und den Rechner anschmeiße kommt auch noch keine Motivation auf. Aber dann krieg ich Arbeit, habe noch Arbeit vom Vortag über, und den kleinen Termindruck im Nacken, der eigentlich völlig unverbindlich ist. Soweit wie ich halt komme, besprechen wir es dann. Aber die Sachen sind in der Zeit zu machen und ich will doch einen guten Eindruck hinterlassen. Und wenn es dann auf den Feierabend zugeht, bin ich so hin und hergerissen. Zwischen der Freude bald nach Hause gehen zu können und dem Gedanken, dass ich gar nicht gehen will. Mit meiner Arbeit bin ich gut ausgelastet, kann meine privaten Gedanken so ein wenig beiseite schieben, aber Zuhause geht das nicht so leicht. Ich habe Papa heute angeboten, dass ich am ersten Aprilwochenende zu ihm komme. Sonntag hatte er genau das noch vorgeschlagen und ich dachte, er freut sich darüber. Stattdessen lehnt er ab. Er habe dort ein langes Wochenende bei mir geplant, weil er hier Termine habe. Kann er sich bitte einfach entscheiden? Das macht mich fertig. Einfach nur fertig. Ich bin hundemüde und habe Kopfschmerzen und komme mir vor wie ein Hamster im Rad. Ich versuch's und versuch's und geb mir Mühe und es ist nie erledigt, es ist nie genug, es ist nie erreicht. Es nervt. Es ist kräftezehrend, es ist frustrierend. Mit meinem Freund will ich da gar nicht drüber reden. Ich hab ihm auch nichts von Papas Bitte geschont zu werden erzählt, denn...- Keine Ahnung. Er ist keine große Hilfe, ich sag's mal so. Und Sätze wie "Ist doch halb so wild" oder "Das wird schon" kann er sich in die Haare schmieren und was anderes wird er nicht sagen. Oh, außer vielleicht "Du kennst doch deinen Papa" und das mit so einem spottenden Unterton. Ich fühle mich schlicht und ergreifend unverstanden von ihm und das bei ungefähr allem, was mir zu schaffen macht. Alles spielt er runter, als würde es dadurch besser werden, aber das wird es nicht. Deswegen mache ich mir da gar keine Mühe ihm irgendwas davon zu erzählen. Ich will mit jemandem darüber reden, mit jemand anderem als meiner Therapeutin, aber ich wüsste nicht wer. Überall habe ich Angst, nicht verstanden zu werden. Es ist nicht meine Sache. Es ist nicht meine Aufgabe auf die Psyche von meinem Vater aufzupassen. Er hat sich sein Leben selber ausgewählt, er hat auch eine Therapeutin, dann soll er wieder anfangen mit der zu reden. Ich weiß. Aber... er ist doch mein Papa. Und ich will nicht, dass es ihm schlecht geht und ich will auch nicht daran Mitschuld haben, wenn er wieder auf Kur muss...

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