Mop

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Keine Ahnung wie er das gemacht hat, ob er den Internetverlauf am Laptop gestalkt und meinen Blog gelesen hat oder ob er mich wirklich schon so verdammt gut kennt und ich einfach so verdammt schlecht darin bin etwas zu verheimlichen, aber er hat es mitbekommen. Nicht etwa indem er es gesehen und dadurch bemerkt hat, sondern indem er es bemerkt und dann erst gesehen hat. Gestern Abend waren wir alleine als er von seiner Spätschicht kam und wir im Wohnzimmer noch etwas Fernsehen geschaut haben. Irgendwann meinte er dann ganz nachdenklich, dass etwas mit mir nicht stimmte, auch wenn ich das abstreite. Ich habe darauf geachtet die Pulloverärmel immer schön unten zu lassen ohne dabei zu auffällig zu werden. Er beobachtete mich einen Moment und fuhr anschließend fort: "Sag mir ob ich falsch liege oder nicht, aber... du hast dir wieder wehgetan. Stimmt es oder liege ich falsch?" Da erstarrte ich regelrecht und wusste gleichzeitig, dass ich mit Lügen nicht weiterkäme. Er weiß es verdammt noch mal... Ich gestand und er wollte wissen warum. Ich hasse es diesen Drang jemandem beschreiben zu müssen. Aufschreiben ist kein Thema, aber es auszusprechen fällt mir schwer. Es tut eben gut. Es ist dieser innere Druck der bei jedem Schnitt nachlässt und wenn ich Blut sehe ist es eine riesen Erleichterung für mich. Als würde dadurch all der Frust und all die Angst und all die Wut aus mir rauslaufen. Je mehr Schnitte, desto besser. Je mehr Blut, desto besser. Der Schmerz dawährend stört mich nicht, er beruhigt mich eher und ist für mich ein Zeichen dafür, dass ich es richtig gemacht habe. Als würde mir die Klinge zuflüstern "Jetzt wird es besser". Aber das wird es nicht. Das Gefühl kommt wieder und der Drang mich selbst zu verletzen kommt wieder. Er hat gestern Abend geweint... Er hat es versucht zu verbergen, was ihm genauso misslungen ist wie mir selbst. Er meinte, er habe Angst um mich und es wäre nicht fair, dass ich diese Krankheit habe. Dass ich das alles nicht verdient hätte und er Angst hat, irgendwann würde mir etwas zustoßen. Mein schlechtes Gewissen wächst also von Minute zu Minute. Wenn ich es heute wieder tue, bin ich bei drei Tagen am Stück. Ein kritisches Maß, wie er sagte, und sicherlich ein Indiz dafür, dass ich zurück in alte Gewohnheiten falle. Ich will es wieder tun. An irgendeiner Stelle, an der es nicht auffällt, damit er es nicht sieht.

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