Mopp

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Gestern war wieder so eine Therapiestunde, die mir schwer fiel. So schwer, dass für einige Minuten die Luft erstarrte und die tickende Wanduhr dröhnend laut in meinem Kopf erklang. Das ist ein Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde. Ein Moment der Erschütterung und der absoluten Fassungslosigkeit und... der Erinnerungen. An das Damals. Ich kann meine Mutter bis heute wörtlich zitieren aus Augenblicken die inzwischen über fünf Jahre zurückliegen. Ich höre ihre Stimme immer noch und ich habe immer noch das Gefühl in mir, was mich damals überkommen hat in solchen Momenten. Die Schockstarre, die eine kleine 11-Jährige festhielt, als ihr an den Kopf geschrien wird, sie sei daran schuld, dass "Ich vor meinen Freunden so darstehe wie eine Schlampe". Dabei wollte ich sie lediglich nach etwas zu essen fragen... Damals habe ich mich umgedreht und einfach weitergespielt. Mir wurde die Schuld an allem zugeschoben - und ich habe wegen allem ein schlechtes Gewissen. Bei dieser Feststellung hat meine Therapeutin angefangen zu grinsen und wollte wissen ob mir etwas auffällt. "Was soll ein kleines Mädchen mit solchen Schuldzuweisungen denn auch groß anfangen können?" Darauf wusste ich keine Antwort, genauso wenig wie ich damals wusste damit umzugehen. Und heute will ich einen Schritt vorrausgehen. Ich will meinem Gewissen zuvorkommen, um nicht mehr schuldig zu sein. Ich will alle glücklich und zufrieden machen, damit ich mich nicht schlecht fühle. Damit man mich nicht wieder anschreit und mir sagt, ich wäre an allem schuld sein... Ich will nicht schuld sein. An gar nichts. Was mich bei meinem Freund dann dazu gebracht hat hemmungslos anzufangen zu weinen ist jedoch die Fassungslosigkeit darüber, wie viel Worte doch tatsächlich zerstören können. Wie viel meine eigene Mutter mich tatsächlich zerstört hat und sie es bis heute nicht einsieht. Das ist es, was mich zum Weinen gebracht hat. Der Schock.
Ich muss zugeben... heute geht es mir nicht gut. Nicht nur wegen meiner dicken Erkältung, sondern auch wegen gestern. Wir hatten wieder zwei Freistunden und irgendwie war die Klasse (so halbkomplett wie sie heute war) in kleine Grüppchen zersplittert. Die einen haben Videos geguckt, die anderen gequatscht, andere haben tatsächlich den Arbeitsauftrag gemacht und ich saß irgendwo und habe gelesen. Mein Kopf fühlt sich heute unfassbar schwer und voll an, trotzdem wollte ich lesen. Um mich halbwegs konzentrieren zu können, habe ich mir Musik angemacht und mich von den anderen noch weiter abgekapselt. Ich wollte mich ins Buch flüchten, kurzzeitig meine Gedanken vergessen und in einer anderen, etwas besseren, Welt sein. Weg von meinen schrägen Gedanken und unschönen Erinnerungen, hinein in das Leben eines egozentrischen Anwalts der zum Drogenjunkie wird. Ob das wirklich eine bessere Welt ist....? Für mich Ja. Alleine schon, weil ich mich nicht in diesem Buch wiedererkenne. Eine aus meiner Klasse wollte dann was von meinen Unterlagen und als ich aufgeschaut habe, hat sie plötzlich gestockt und mich ganz schockiert angesehen. "Ist alles okay? Du siehst heute richtig fertig aus". Trifft es ziemlich auf den Punkt. Aber Hey, ich kann es zur Abwechslung wirklich mal auf eine physische Erkrankung schieben ohne zu lügen. Wobei... Mein Freund meinte schon ganz besorgt, dass ich ständig etwas hätte. So im übertragenden Sinn... Aber er hat doch recht. Es gibt wenige Tage an denen ich mich wirklich fit fühle. Entweder ich hab mit meiner Depression zu kämpfen oder ich bin erkältet. Irgendwas ist immer. Später habe ich wieder einen Arzttermin, Blutwerte besprechen und noch eine Urinprobe abgeben. Mal schauen ob der Scheiß endlich raus ist. Ich bezweifel es irgendwie... Und ich hoffe, dass sie mich morgen krank schreibt. Ich pack keine sechs Stunden morgen....

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