Psychologie Stunde

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Eigentlich war heute eher ein guter Tag. Ich hab mich versucht in der Schule zusammen zu reißen und mich möglichst abzulenken durch irgendwelche Gespräche, denn auf den Unterricht konzentrieren konnte ich mich nicht. Das war schon mal das erste Problem an meinem Vorhaben, mich durch Gespräche abzulenken, denn ich wollte die anderen natürlich nicht davon abhalten was Produktives zu leisten. In den zwanzig Minuten Pause konnte ich mich nicht genug motivieren um richtig mitzumischen, dafür wenigstens in den beiden Freistunden. Bis dahin war alles soweit gut und dann kam Pädagogik/Psychologie. Wir haben diese Stunde mit Freud angefangen, dem Begründer der Psychoanalsy, wodurch eine ordentliche Diskussion über die Therapien begann. Zu Beginn haben wir natürlich erst mal einen Blick auf ein paar seiner Modelle geworfen, mit dem Unbewussten, dem triebgesteuerten Menschen, etc. War für mich noch keine großartig schlimme Sache, auch wenn es mich irgendwie runterzog. Ich fühlte mich so dermaßen angesprochen, die ganze Stunde über, und als alle plötzlich gegen Psychotherapien feuerten wäre ich am liebsten rausgegangen. Zu Verhaltenstherapien "gehst du fünfmal hin und hast dann keine Angst mehr vor öffentlichen Verkehrsmitteln oder so", die Psychoanalyse "zerstört die Menschen mehr als dass sie hilft" und "bringen tun Therapien nur etwas, wenn man an sie glaubt". Natürlich, wenn man sich gegen eine Therapie wehrt, dann bringt sie nichts. Aber, dass sie so ins Lächerliche gezogen werden, sogar von meiner Lehrerin, das...- Es zieht mich runter. Es beschämt mich noch mehr als eh schon. Und es unterstützt mich darin, die Sache für mich zu behalten.
Der Tag ist für mich jedenfalls gelaufen. Ich will auch gar nicht für morgen lernen, bringt doch eh nichts mehr, ich will nicht mal duschen oder Zähneputzen oder sonst irgendwas. Die Klassenarbeit setze ich morgen wohl in den Sand, denn konzentrieren kann ich mich überhaupt nicht.

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Boah, what??! Mit deiner

Boah, what??! Mit deiner Lehrerin würd ich aber gern mal ein paar Takte reden! Also ehrlich jetzt. Es fällt mir ziemlich schwer das so stehen zu lassen... Kannst du mir noch mal sagen, was sie gesagt hat und darf ich deren E-Mail-Adresse haben? Ich würde dich natürlich mit keinem Wort erwähnen.
- Ich weiß nicht, ob ichs dir schon mal gesagt hab, aber ich studiere halt Psychologie. Und einer dieser Punkte, die mir extrem am Herzen liegen ist die Entstigmatisierung psychischer Störungen. Ich möchte in meinem Leben einen Beitrag dazu leisten, dass diese abnimmt. Weil die Scham über das eigene Problem es immer nur vergrößert - und dann immer größere Probleme entstehen. Wenn wir uns alle mehr von unseren Problemen erzählen würden, könnten wir einander und auch uns selbst viel besser verstehen und helfen. Allein das könnte definitiv zu einer geringeren Krankheitsrate führen.
Einer der wichtigsten Vermittlungspunkte dessen ist natürlich die Schule. Und wenn deine Lehrerin da so eine Scheiße labert und es zulässt, dass die Schüler Psychotherapie schlecht reden... dann macht mich das wirklich fast ohnmächtig wütend. Das darf einfach nicht sein und da möchte ich am liebsten sofort einschreiten und der 1.) die Meinung geigen und 2.) euch mal in einer Unterrichtsstunde erzählen, wie es wirlich aussieht.
Also falls du dich traust, mir ihre Mail-Adresse zu geben... ich würde dann wohl sowas schreiben wie "von deiner Schwester einer Bekannten habe ich gehört, dass Sie in ihrem Unterricht XY gesagt haben" oder ähnliches. Ich würde mich freuen, wenn du mir hilfst für die Psychos (<3) in diesem Land einzustehen. Denn NIEMAND (NIEMAND!) darfsollmuss sich schämen, eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Im fucking Gegenteil! Es erfordert viel Mut sich selber Schwäche einzugestehen, zuzugeben, dass man es alleine nicht weiter schafft (das ist Größe!) und soweit für sich selber zu sorgen, dass man Hilfe aufsucht. Aus so einem Prozess kann man nur gereift und besser hervorgehen, als es zuvor der Fall war. Kein Mensch ist verantwortlich für seine psychische Störung, sowie niemand dafür verantwortlich ist, das er Krebs bekommt oder ähnliches. und es macht mich wirklich wütend, dass dir die Pisser in der Schule das Gefühl geben, es wäre etwas für das man sich schämen müsse. Maaaan.

P.S. Aus einer VT kann man wirklich nach 20 (nicht unbedingt nach 5) Stunden rausgehen und eine Angststörung, z.B. eine Agoraphobie überwunden haben. Gar nicht mal so selten! Das funktioniert relativ gut, verbessert Menschenleben um ein vielfaches und ist einfach mal super geil!

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