Di. 28. Nov. 2017

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Der Dienstag war soweit ganz gut. Auf der Arbeit bin ich heute gut voran gekommen.

Zwischendurch habe ich auch mit meiner Kollegin ein interessantes Gespräch über Autismus bzw. das Asperger-Syndrom geführt. Ich glaube, die meisten wissen es inzwischen schon. Dass ich in so einigen Sachen anders bin, anders denke bzw. mich anders verhalte bzw. auch anders reagiere, wie die meisten anderen, das ist natürlich im Laufe der Zeit allen schon aufgefallen.

Am schlimmsten finde ich es immer, wenn manche einen nicht akzeptieren können und immer wieder auf den Eigenarten "herum picken". Eine Kollegin ist diesbezüglich immer am schlimmsten.

Ich konnte noch nie in Gruppen was Essen und Trinken. Mein Hals, mein Mund wird dann total trocken, ich bekomme dann keinen Bissen mehr runter. Ich fange dann auch an zu würgen (das ist mir im Restaurant auch schon passiert). Jeder kleine Tropfen fühlt sich an "wie ein Liter", den ich nicht auf einmal runterschlucken kann (deswegen hatte ich in der Reha unter anderem ja auch ganz große Probleme, habe mich dort 3 Wochen lang auf meinem Zimmer nur von Kuchen usw. ernährt). 

In kleinen Gruppen (Familie, oder mit meinem Freund) ist es kein Problem, da fühle ich mich sicher, bin total locker. In Restaurants setze ich mich normalerweise immer so hin, dass ich die Wand oder eine bekannte Person (also z. B. meinen Freund) angucke, dann klappt es auch gut. 

Aber sobald ich mit mehreren Personen zusammen bin, dann geht halt nichts mehr.

Schon in der Schulzeit, auch schon in der Grundschule, ging ich deswegen zu Beginn von jeder Pause mit meiner Tasche aufs Klo, habe dort eben schnell was gegessen (habe mich dazu auf die geschlossene Klobrille gesetzt). Für manche mag das "ekelig" sein, aber für mich war das damals die einzige Möglichkeit, um kurz alleine zu sein, um mal eben etwas Essen zu können. Das ging so auch in der Ausbildung weiter. 

Inzwischen mache ich ja immer alleine in meinem Büro Pause (die Anderen sitzen meistens in Grüppchen in der Küche zusammen). 

An Geburtstagsrunden nehme ich ja immer mal wieder teil (meistens), esse und trinke dabei dann aber nichts. Ja, und dann ist es halt echt immer wieder gemein, wenn eine Kollegin dieses Verhalten vor allen hervorheben muss. Gerade dadurch lenkt sie dann die ganze Aufmerksamkeit erst recht so ganz auf mich. 

Ja, manche können es einfach nicht akzeptieren, dass jeder Mensch anders ist, dass jeder Mensch so ist, wie er halt ist. Von manchen bekommt man deswegen nur blöde Sticheleien. 

Die Rückfahrt war heute heftig bzw. unruhig.

Zuerst die Sache mit der Asiatin. Da ich ihr Verhalten ja auch auf mich bezogen habe, habe ich mich an der Haltestelle etwas am Rand hingestellt (dort steigen immer einige ein). Sie kann natürlich sagen, dass sie mich nicht gesehen hat, aber das glaube ich nicht. Als der Bus kam, lief sie dann grußlos an mir vorbei, direkt nach hinten in den Bus, mit dem Rücken nach vorne. 

Zuerst hatte ich noch überlegt, ob ich hinterher laufen solle, kurz Hallo sagen soll. Aber nein, ich werde ihr ganz bestimmt nicht hinterher laufen. Das ist mir jetzt wirklich zu blöd. Ich habe mich dann vorne hingesetzt.

Der Bus fuhr nur 3 Haltestellen, dann kam eine Durchsage. Wegener einer technischen Störung fährt er nur noch 2 Haltestellen weiter, dann ist Endstation, bitte alle aussteigen.

In meinem Kopf ratterte es sofort los. Wie komme ich jetzt am besten nach Hause? Zum Glück kenne ich die Strecke inzwischen ziemlich gut.

Eine Haltestelle weiter ist eine S-Bahn-Station. Dort bin ich dann ausgestiegen. 

Ich fand es so witzig, alle anderen holten sofort ihr Smartphone raus, ich dagegen ging zur "Tafel", zum Fahrplan und habe ihn mir in Ruhe angeguckt. Alles klar, die nächste S-Bahn kam in knapp 10 Minuten (sie war dann sogar super pünktlich).

Ich rief dann direkt meinen Freund an, habe ihm Bescheid gesagt. Er hat mich ja abgeholt. Also dass er nicht zur Bus-Haltestelle kommen sollte, sondern zum Bahnhof.

Solche "Unregelmäßigkeiten", Änderungen des geplanten Ablaufes, machen mich trotzdem immer sofort total nervös. Ich bin stolz, dass ich vor Aufregung nicht geweint habe, was ich im Laufe der Jahre schon gemacht habe. Auch wenn manche dann sagen würden, das ist kein Grund zum weinen, ich kann es trotzdem nicht steuern. Wenn ich nervös, aufgeregt bin, dann habe ich es halt nicht immer so unter Kontrolle.

Ja, aber heute habe ich nicht geweint. O.k., dafür habe ich leider etwas geknibbelt (ich brauchte halt ein kleines Ventil, um diese Aufregung los zu werden), aber das heilt ja auch wieder ab. 

Ich war dann zwar etwas später zu Hause als geplant, aber trotzdem noch früh genug fürs Training (um mich in Ruhe umzuziehen usw.).

Bezüglich Aufregung bei der Arbeitsstrecke muss ich gerade an meine frühere "Chefin" bzw. Filialleiterin denken. Sie hatte heute ihren letzten Arbeitstag, ist ab morgen in Rente (bzw. im Ruhestand). Das habe ich heute zufällig bei einem Telefonat mit ihrer Sekretärin mitbekommen. 

Ich war damals ja 6 Jahre lang in der Schreibabteilung. Jeweils ein Zeitvertrag über rund ein Jahr (immer "abgeschlossene" Zeitverträge Von - Bis), auch mal über 6 Monate, oder 1,5 Jahre.

Dann lief mein letzter Zeitvertrag aus. Ich schrieb viele Bewerbungen, fand aber nichts Neues (einige Monate lang).

In meiner jetzigen Abteilung war damals eine Sachbearbeiterin, die die Arbeit alleine nicht mehr schaffen konnte. Sie brauchte dringend eine Schreibkraft zur Unterstützung.

Damals hatten diese Filialleiterin und der Chef von meiner jetzigen Abteilung dann zufällig eine Besprechung. Dabei haben sie auch über die verschiedenen Mitarbeiter gesprochen. Ja, dort wurde dringend eine Schreibkraft gesucht und mein Vertrag lief in ein paar Wochen aus. Die Filialleiterin rief mich (über ihre Sekretärin) daraufhin sofort an, dass sie dringend meine Bewerbungsunterlagen bräuchte, ich solle sie am nächsten Tag mit zur Arbeit bringen, dann hätte sie sehr wahrscheinlich eine neue Arbeitsstelle für mich.

Nun gut, dann lief alles absolut glatt, innerhalb von nur einer Woche bin ich dann zu meiner jetzigen Abteilung gewechselt. 

Aber zuvor stand für mich die Aufregung, wie ich da überhaupt hinkommen sollte. Meinen bisherigen Arbeitsweg kannte ich "im Schlaf", hatte zunächst Angst vor diesem neuen Weg. Ich hatte noch Urlaub, habe direkt ein paar Tage eingereicht. Erst mal alles seelisch verarbeiten.

Meine Mutter hat mich dann "geschnappt" und ist mit mir die Strecke zusammen abgefahren (mit Bus und Bahn bzw. Zug sozusagen). Damals war ich 30 Jahre. Ja, auch sie hat gemerkt, dass ich charakterlich anders bin als die Anderen, konnte es sich nie erklären. Aber Autisten wären ja "total bekloppt", das könnte auf mich also nicht zutreffen.

Das war im September 1989. Ja, diese ganzen Erinnerungen wurden heute Vormittag bei mir dann wieder wach, als ich mit der Sekretärin gesprochen habe, dass diese nette Filialleiterin, die mich damals so gut und problemlos "vermittelt" hat, jetzt in den Ruhestand geht. Ohne sie wäre meine berufliche Zukunft mit Sicherheit völlig anders verlaufen. Ihr habe ich sehr viel zu verdanken. 

Heute Abend hatte ich dann noch Training, das wieder sehr gut war. Zum Teil schon sehr intensiv, aber dennoch wieder sehr gut. "Hart aber herzlich" wie ich es immer nenne.

Immer wieder enorm, wie viel Abwechslung er immer noch bzw. immer wieder ins Training bringt. Am Wochenende hatten wir trainingsmäßig unser 6-jähriges. Ja, und trotz dieser ganzen Jahre lässt er sich immer wieder andere Abläufe einfallen. Eintönigkeit kommt bei ihm bis heute nicht auf.

Schon das Aufwärmtraining war sehr intensiv, dabei hätte ich fast schon schlapp gemacht, schon vorzeitig abgebrochen.

So einige Durchgänge Kettlebell-Swing mit der 8 kg Kugelhantel. Ebenfalls so einige Kniebeugen, zum Teil auch mit den 3 kg Hanteln (die Arme beim Hochkommen mal nach vorne strecken, mal nach oben strecken). Und zu guter Letzt auch noch Liegestütze auf dem Boden (runter auf den Boden, eine Liegestütze und wieder hinstellen).

Nach diesen 2 Durchgängen war mein Puls schon ordentlich am pochen (Grins).

Dann ging es im Stehen mit den Armen weiter. Mal mit den 5 kg Hanteln, mal mit den 4 kg Hanteln.

Mal Kniebeugen und beim Hochkommen Biceps-Curls. Mal ruhig stehen und mit den Armen ganze Bewegungen, also von unten, über den Biceps-Curls bis nach oben zur Streckung. Mal Biceps-Curls im Wechsel (also mit den Armen im gleichmäßigen Wechsel arbeiten).

Anfangs fand ich alles noch relativ leicht, aber mit der Zeit, mit jeder weiteren Wiederholung, wurde es immer intensiver, ging es total in die Arme und Schultern (die ich jetzt noch muskelkatermäßig intensiv merke).

Aber ich bin stolz, dass ich dieses Pensum inzwischen überhaupt so gut schaffe, so gut durchziehen kann. Von diesen bisherigen Erfolgen hätte ich vor 6 Jahren, beim ersten Training, noch nicht mals zu träumen gewagt.

Dann ging es runter auf die Matte.

Zuerst auf alle Viere. Gegengleichen Arm und Bein strecken, kurz unter dem Bauch zusammen und wieder strecken. Das mag ich nicht so besonders, weil ich dabei immer mit dem Gleichgewicht kämpfen muss. Nur mit dem Bein arbeiten, das mache ich ja auch alleine immer mal wieder, aber gleichzeitig mit dem Arm arbeiten, das mache ich nicht so gerne.

Danach wurde es noch intensiver. Es ging dann auf dem Bauch liegend weiter. Das wird ganz bestimmt nie so ganz zu meinen Lieblingsübungen werden.

Zuerst die Arme in U-Haltung und Oberkörper anheben. Das ging ja noch. Seitdem ich dabei den Oberkörper etwas oben halten kann (was ich früher nicht konnte), bekomme ich zumindest diese Variante ganz gut hin.

Dann die Arme nach vorne strecken und (wie zuvor auf allen Vieren) gegengleichen Arm und Bein gestreckt anheben. Dabei ruhig liegen bleiben, nur mit Arm und Bein arbeiten (also aus der Schulter bzw. aus der Hüfte heraus arbeiten). Das finde ich schon ziemlich schwer. Das klappt bei mir noch nicht so richtig. Ohne eine leichte Drehung des Oberkörpers würde ich die Arme dabei gar nicht nach oben bekommen. Mit rechts geht es etwas, aber links kann ich es nur andeuten.

Diese "einfache" Übung war für ich heute auch die schwerste Übung.

So dann auch die "Kraul"-Bewegung. Also einen Arm gestreckt nach vorne, einen (am Körper entlang) nach unten. Oberkörper hoch und die Arme wechseln. Auch das finde ich immer wieder sehr schwer.

Ich kann den vorderen, gestreckten Arm auch nur anheben, wenn ich den Oberkörper mit Schwung (bzw. Kraft) etwas anhebe. Ihn dann etwas (länger) oben zu halten, das schaffe ich noch gar nicht.

Nach Unterarmstütze auf dem großen Gymnastikball (also mit den Ellenbogen auf dem großen Ball, weit nach vorne rollen, mit den Knien auf dem Boden) ging es auf dem Rücken weiter.

Zum Abschluss folgten noch dann noch ein paar Crunches in verschiedenen Varianten. Mal gerade, mal zur Seite hin. Die Beine mal aufgestellt, mal im 90 Grad Winkel angezogen.

Dabei haben wir wieder sehr interessante Gespräche geführt.

Ich hatte noch überlegt, ob ich danach noch Fahrrad fahre. Mein Trainer meinte, dass es ja gar nicht so viele Übungen für die Beine waren.

Also dafür merke ich die Beine jetzt aber sehr intensiv. Wenn ich alles zusammen rechne, einschließlich aller Kniebeugen (auch mit den Hanteln), alle Wiederholungen der Kettlebell-Swing sowie der Übungen auf dem Bauch liegend (ohne Spannung in den Beinen könnte man es nicht ausführen), waren im ganzen schon so einige Übungen für die Beine dabei.

Und die Beine bzw. eine Grundspannung in den Beinen gehört beim Training ja auch bei fast allen Übungen mit dazu.

Ja, alles in allem war es wieder ein sehr gutes Training, wie gesagt, Hart aber herzlich sozusagen.

TitelAutorDatumBesucher
Sa. 16. Dez. 2017PetraM17/12/2017 - 12:235
Fr. 15. Dez. 2017PetraM16/12/2017 - 14:219
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