Dienstag, 08.01.2013

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Der heutige Tag war im großen und ganzen ganz schön. Auf der Arbeit habe ich einen ganzen Schwung geschafft, neben dem Zentraltelefon und dem Postdienst habe ich zusätzlich Briefe (nach Kassetten-Diktat) geschrieben und auch noch einen Teil der Ablage geschafft. Ein Tag ganz nach meinem Geschmack. Das hat auf jeden Fall "tausend Mal" mehr Spaß gemacht, als den ganzen Tag hier zu Hause rumzuhängen, ich meine so wie während des Krankenscheines. 

Heute Abend habe ich die Prioritäten mal völlig anders gelegt. Wenn ich nach Hause komme, brauche ich immer zuerst eine kleine Pause, etwas Essen (und Trinken), und wenn es nur ein Salat ist und ein bisschen die Füße hochlegen, etwas entspannt auf den Sessel setzen. Danach lege ich dann immer so richtig los.

Im Normalfall kümmere ich mich immer erst um den Haushalt, also in erster Linie Wäsche, die Küche (Spülen bzw. Spülmaschine) und/oder Aufräumen. Danach sortiere ich meine Sachen für den nächsten Tag, also die Arbeitstasche, meistens (inzwischen ja fast täglich) die Sporttasche und ich lege zusammen, was ich am nächsten Tag anziehen werde, eventuell dann noch schnell bügeln. Wenn ich danach dann noch Zeit habe, wenn es dann nicht schon viel zu spät ist, dann gehe ich noch eine halbe Stunde Fahrrad fahren.

Heute war es jedoch mal anders. Während meiner kleinen Pause habe ich zunächst den "Rest" von der Sendung "Daheim und Unterwegs" auf WDR geguckt. Wenn ich dazu komme, sehe ich mir das regelmäßig sehr gerne an. Als Gast war heute Gaby Köster da, deren Buch ich mir letzte Woche ja gekauft habe. Es ging um das Thema, wie man mit schlechter Laune fertig wird, wie man das in den Griff bekommt, obwohl dabei auch betont worden ist, dass jeder Mensch mal einen "schlechten Tag" haben kann, das ist völlig normal und auch nichts schlimmes. Gaby Köster hat dabei erzählt, dass sie seit vielen Jahren, schon bevor sie den Schlaganfall hatte, ebenfalls Tagebuch schreibt. Auch ihr hat das geholfen. Alle negativen Ereignisse, auch rund um die Therapie, konnte sie so besser verarbeiten, konnte sich so alles von der Seele schreiben (was ich hier ja ebenfalls mache) und gerade auch die schönen und positiven Tage und Erlebnisse helfen ihr über die schlechten Tage hinweg. Wenn sie schlecht drauf ist, dann nimmt sie ihr Tagebuch und liest sich ihre Einträge von den guten Tagen durch, das hebt ihre Stimmung dann jedes Mal. So ähnlich ist das bei mir ja auch. Seitdem ich alles aufschreibe, nehme ich viele Sachen noch sehr viel intensiver wahr als früher. Und wenn ich dann, so wie gestern bei meinem Chef, vor Aufregung den Tränen nahe bin, dann fallen mir viel eher wieder die schönen Sachen ein. Außerdem lese ich selber auch hin und wieder meine früheren Einträge, wie ich die verschiedenen Sachen erlebt habe. Natürlich schreibe ich hier auch hin und wieder negative Einträge über verschiedene Personen, so wie letztens über meinen Chef, aber auch diesen Frust muss man halt mal los werden und ihm persönlich werde ich diese Dinge ganz bestimmt niemals sagen. Naja, hin und wieder ist er ja auch ganz nett, dann kann er total menschlich sein, aber was mich persönlich betrifft, ist diese Art seit einiger Zeit nunmal völlig auf der Strecke geblieben. Ich hatte nur noch Ärger mit ihm, konnte gar nicht mehr mit ihm Reden und wenn ich ihn mal auf Probleme angesprochen habe, dann bekam ich anstelle von Hilfe höchstens noch einen "oben drauf". Aber nun gut, deswegen will bzw. muss ich jetzt halt daraus die Konsequenzen ziehen.

Da Gaby Köster vorhin ebenfalls vom Auf und Ab ihrer Therapie gesprochen hat, worum es ja auch in ihrem Buch geht, habe ich, als ich dann wieder aufgestanden bin, ebenfalls an meine Therapie gedacht. Ich bin dann erstmal Fahrrad gefahren, heute wieder 9 Kilometer in 35 Minuten. Wenn ich dieses Pensum auf Dauer bzw. ziemlich regelmäßig durchhalte, dann bin ich wirklich schon stolz. Anschließend dann natürlich unter die Dusche, das gehört für mich immer "zusammen". 

Wie heißt es doch immer so schön, man muss "Prioritäten" setzen, obwohl ich heute nicht mehr alles geschafft habe, was ich eigentlich vor hatte. Ok, wenn ich erst den ganzen Haushalt gemacht hätte, dann wäre ich mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr zum Fahrrad fahren gekommen. Ich habe mich dann zuerst um die Wäsche gekümmert (Wäsche sortieren, Waschmaschine und Trockner), danach habe ich meine Sachen für morgen gepackt (Sportsachen) und sortiert (Kleidung) und habe mich erst danach um die Küche gekümmert, womit ich heute dann allerdings nicht mehr fertig geworden bin. Damit muss ich morgen Abend dann unbedingt weiter machen, auch wenn ich nach dem Sport kaputt sein sollte, die Spülmaschine muss ich morgen unbedingt einräumen und anschmeißen.

An morgen denke ich eh mit total gemischten Gefühlen. Auf abends freue ich mich so wie jeden Mittwoch, zuerst KG und Massage und anschließend dann eine halbe Stunde Training. Aber wenn ich an morgen Vormittag denke, dann werde ich total nervös. Dann kommt extra für mich, also wegen der Arbeitssituation, eine Dame von der Personalabteilung zu mir (in unser Büro) und will mit mir über die ganze Sache mal in Ruhe reden, wie es jetzt weitergehen könnte bzw. weitergehen wird. Vor diesem Gespräch bin ich in etwa ganz genauso nervös, wie ich gestern vor dem ersten Arbeitstag (nach dem Krankenschein) bzw. auch vor dem Gespräch mit meinem Chef gewesen bin. Ich weiß auch gar nicht, wie ich das Gespräch beginnen soll, obwohl ich davon ausgehe, dass diese Dame mit Sicherheit Erfahrung in Gesprächsführung hat, zumindest gehe ich halt mal davon aus. Wenn ich dann erstmal am Reden bin, was bei uns alles "passiert" ist, was mich alles stört, womit ich Probleme habe, also kurz gesagt, warum ich aus dieser Abteilung raus möchte, dann fallen mir immer und immer mehr Situationen ein. Dann rede ich fast schon wie ein "Wasserfall" und muss mich langsam selber bremsen. Ja, mir fallen wirklich immer mehr Situationen ein, in denen ich bei uns die "Doofe" war. Alle machen im Prinzip das Gleiche, aber ich bin immer die Doofe, bei mir ist es immer falsch und ich bekomme deswegen Ärger und blöde Kommentare zu hören. Das reicht mir jetzt wirklich. 

In diesem Zusammenhang muss ich an ein Gespräch denken, das ich heute Mittag mit meinem Kollegen geführt habe. Bei uns gibt es eine Art "Aktion", an der jeder Mitarbeiter teilnehmen muss. Man bekommt Aufgaben, die am Jahresanfang abgesprochen werden und wenn man diese dann im Laufe des Jahres erfüllt, dann bekommt man im nächsten Jahr einen finanziellen "Bonus", so ähnlich wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Im Prinzip keine schlechte Idee, aber ich finde es dennoch völlig unmöglich, dass das keine freiwillige Sache ist, dass jeder Mitarbeiter dazu "gezwungen" wird, sich daran zu beteiligen. 

Zum einen gehört für jeden zu dieser Aktion dazu, dass man an einem Seminar teilnehmen muss, völlig egal an welchem. Deswegen habe ich an dem Seminar in Raunheim teilgenommen. Nichts gegen dieses Seminar, inhaltlich war es wirklich völlig in Ordnung. Ich habe dort auf jeden Fall viele interessante Sachen gehört, also bezüglich des Verhaltens anderer Menschen gegenüber, über die man sich sonst nicht ganz so viele Gedanken macht. Natürlich konnten die dort einen charakterlich nicht völlig "umkrempeln", aber dennoch war es interessant. Ich fühle mich ja z. B. in Gruppen immer völlig unsicher, kriege den Mund kaum auf. Wenn ich während der Schulzeit mal was gesagt habe, was total selten war, dann bin ich jedes Mal total rot geworden (mein Kopf war dann so warm, als wenn er bald platzen würde) und vor lauter Aufregung hat sich meine Stimme dann "verhaspelt", ich habe mich total versprochen, fing zum Teil auch an zu stottern, bis meine Stimme völlig versagt hat, ich gar nichts mehr sagen konnte. Dieses "Spielchen" hat sich früher im Laufe der Jahre viele Male wiederholt. 

Ich habe jedes Mal das Gefühl, wenn ich mal den Mund auf mache, dass ich dann "perfekt" sein muss, dass dann bloß kein Fehler passieren darf. Das blöde Rot werden sehe ich dann schon als Fehler an (obwohl das in dem Moment nur aus der Aufregung heraus passiert) und werde sofort innerlich total nervös, bis sich meine Stimme dann halt total verhaspelt, bis schließlich nichts mehr geht. Aber das ist uns im Seminar mehrmals deutlich gesagt worden. Selbst im extremen Fall, wenn man irgendwo eine Rede halten muss, selbst dann wird nie erwartet, dass man immer perfekt ist. Egal ob man rot wird (was mehreren während dieses Seminares passiert ist), man z. B. mal einen Stift fallen lässt oder sich auch mal verspricht, das ist alles absolut menschlich und völlig normal, das wirkt natürlicher, als wenn man voll und ganz perfekt ist, was eh die wenigsten Menschen schaffen würden. Ja, also auch wenn dieses Seminar für mich eine extreme seelische Belastung bzw. Aufregung war, schlecht war es inhaltlich ganz bestimmt nicht.

Ja, aber ich sage mal so, meiner Meinung nach sollten die Mitarbeiter bei dieser Bonus-Aktion trotzdem mitbestimmen dürfen, um welche Aufgaben es sich bei dem zweiten Bereich handelt. Meine Kolleginnen hatten weitestgehend Glück, sie bekamen dazu Aufgaben, mit denen sie sich im Rahmen ihrer Tätigkeit eh mehr oder weniger beschäftigen, also für sie nichts "außergewöhnliches". Ja, aber auch darin war ich mal wieder die "Doofe", worüber ich mich heute nochmals mächtig aufgeregt habe. Im Rahmen dieser Aktion war ich dann plötzlich für Akten zuständig, mit denen ich, seitdem ich dort Arbeite, noch nie was zu tun hatte. Es handelte sich um rund 800 bis 1000 Akten (wie viele es genau waren, weiß ich jetzt nicht mehr). Die Akten waren verschieden alt, also auch verschieden beschriftet. Ich nahm jede Akte in mein Büro, habe alle einheitlich beschriftet (Name usw.) und musste jede Akte nach einem bestimmten Datum durchsuchen. Manche Akten waren sehr dünn, damit war ich in wenigen Minuten komplett fertig, manche Akten hatten mehrere hundert Seiten und ich musste suchen, bis ich die richtige Seite fand. Ja, und das alles neben meiner normalen Arbeit, neben meinen normalen Aufgaben. Ich habe diese Aufgabe komplett alleine durchgezogen und alle Akten sind längst fertig.

Ja, und jetzt, weil ich den Rückstand habe, sieht es für die anderen halt so aus, als wenn ich im letzten Jahr so gut wie nichts gemacht hätte. Ich bin darüber sauer ohne Ende. Wenn ich gewusst hätte, wie es jetzt läuft, also die Sache mit der Personalabteilung, dann hätte ich im letzten Jahr gegen diese Aktion, gegen diese zusätzliche Arbeit (und den Zeitaufwand) erheblich "protestiert", wobei das eh nichts gebracht hätte. Mein Chef ist immer am längeren Hebel und über solche Sachen, über solche Aufgabenverteilungen lässt er nicht mit sich reden. Da redet man bei ihm gegen eine Wand. Alle bekommen diese zusätzliche Aufgabe, ohne Ausnahme, da muss jeder durch. Ja, wie gesagt, nur dass die anderen Aufgaben bekamen, die eh mit ihrer täglichen Arbeit zu tun hatten, für sie nichts außergewöhnliches, in dieser Beziehung war nur ich mal wieder die "Doofe", die jetzt halt wegen dem Rückstand bei den anderen Aufgaben einen "reingewürgt", also Ärger bekommen hat. 

Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich das alles gewusst hätte, dann hätte ich persönlich liebend gerne auf den Bonus verzichtet und hätte mich anstelle mit den ganzen Akten lieber mit meinen Aufgaben, mit meinem Rückstand beschäftigt. Aber wie gesagt, danach wird bei uns nicht gefragt. 

 

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