Dienstag, 12.11.2013

DruckversionPDF-Version

Nach der Arbeit habe ich mich zunächst mit meinem Freund in der Stadt getroffen. Wir haben zusammen die Karten für die "Ehrlich-Brothers" gekauft. Auch wenn es bis dahin noch etwas dauert, trotzdem freue ich mich jetzt schon so richtig auf diesen Abend. Jeder Magier versucht besser als seine "Vorgänger" zu sein, durch eigene Tricks besonders aufzufallen. Nachdem mir der Abend bei Hans Klock schon so super gut gefallen hat, bin ich jetzt schon gespannt, welche Tricks wir bei den Beiden dann sehen werden. Da in dem gleichen Raum auch Hans Klock und Horst Lichter aufgetreten sind, hatten wir von den Sitzplätzen eine "ungefähre" Vorstellung und konnten ziemlich genau sagen, in welchem Bereich wir sitzen möchten. Der Verkäufer war total nett und locker und wir sind mit ihm dann noch ins Gespräch gekommen, haben uns über verschiedene Hallen unterhalten, die Vor- und Nachteile, wo solche und ähnliche Veranstaltungen halt durchgeführt werden. 

Als wir dann nach Hause kamen, da hatte ich eigentlich mächtig Hunger. Die Blase an der Lippe ist allerdings mal wieder aufgeplatzt (im Laufe des heutigen Tages mehrmals). Das tat gerade so richtig weh und war am brennen, so dass ich in dem Moment nichts essen wollte. Ich hatte Angst, da mit was heißem dran zu kommen. Ich habe die Stelle dann stattdessen eingecremt (weiterhin mit dem Tyrosur-Gel) und habe es mir auf dem Sessel bequem gemacht. Auch wenn die Heizungen alle an waren, mir war es total kalt und unter der Wolldecke war es so schön mollig warm. Ich bin dann natürlich eingeschlafen. 

Als ich wieder wach geworden bin, habe ich erstmal was gegessen. Ich kam dann aber gar nicht mehr in die Gänge. Sobald ich die Wolldecke zur Seite legte, wurde es mir sofort wieder kalt. Eigentlich wollte ich zumindest etwas im Haushalt machen, stattdessen saß ich den ganzen Abend über so richtig schön gemütlich auf dem Sessel. Nicht die ganze Zeit zum Schlafen, ich habe auch sehr viel Fernsehen geguckt.

Ich weiß genau, was mein Trainer dazu jetzt sagen würde. Einmal überwinden (also aufstehen) und ab aufs Fahrrad, dann wirst du schon warm....!! Natürlich weiß ich, dass er damit recht hat und ich hatte es ja auch eigentlich eingeplant, aber ich konnte mich absolut nicht aufraffen. Zum einen war es dazu unter der Wolldecke viel zu gemütlich. Außerdem liefen im Fernsehen mehrere Berichte, die ich sehr interessant fand.

Am interessantesten fand ich auf NDR 3 "Abenteuer Diagnose". Es handelte von einem kleinen Jungen, der im Kindergarten war und immer wieder Schluckbeschwerden hatte, leichte Erstickungsanfälle und sich immer wieder beim Essen "verschluckte". Die Eltern rannten mit ihm von einem Arzt zum anderen, jeder stellte andere Untersuchungen mit ihm an. Sein Hals war relativ "eng", es folgten viele Untersuchungen per Röntgen (immer von vorne), Schlauch schlucken usw. Die Ärzte standen zunächst vor einem Rätsel, konnten sich die Schluckbeschwerden und den engen Hals nicht erklären. 

Ein Arzt kam dann auf die richtige Idee (zur Untersuchung). Für eine MRT-Untersuchung musste er Kontrastmittel trinken. Beim MRT (in der Röhre) sah man dann zunächst, wie das Mittel die Speiseröhre runter lief. Dann kam der Arzt auf die Idee und legte mehrere große Kissen unter die Füße. Das Kontrastmittel lief dann zurück, aber nicht Richtung Mund, sondern nach "hinten", in eine zweite Speiseröhre. Wunder der Natur. Zwischen der Luftröhre und der Speiseröhre befand sich tatsächlich ein "toter Arm", eine weitere Speiseröhre. Diese nahm soviel Platz in Anspruch, dass die eigentliche Speiseröhre so eng wurde, dass er beim Essen immer große Schluckbeschwerden hatte. In einer OP wurden dann beide zusammen gelegt und seitdem geht es dem Jungen total gut, er ist gesund und geht inzwischen in die Schule. Ich fand diesen ganzen Bericht, über die Probleme, die vielen Untersuchungen, das Ergebnis und auch die Behandlung total interessant. Das war nun wirklich mal eine nicht alltägliche Diagnose. 

In diesem Zusammenhang habe ich dann gedacht, wer weiß woher meine Erkrankung mit der Muskulatur kommt. Es wird ja immer nur von einer chronischen, schmerzhaften Muskelschwäche gesprochen, die man mittels Stärkung der Muskulatur lindern kann. 

Der erste Fall, den ich kenne (ob es früher schon Fälle gab, das weiß ich nicht), das war die Schwester meines Opas (vom Vater meines Vaters). Sie ist vor ein paar Jahren mit etwa 80 Jahren gestorben. Sie hatte ebenfalls ein totales Hohlkreuz, völlig unnatürlich nach vorne gebogen. Die Wirbel waren so aufeinander gepresst, dass sie immer kleiner wurde, immer mehr schrumpfte. Mit etwa 30 Jahren bekam sie eine Tochter. Danach war ihr Bindegewebe so locker und geschwächt, dass sie vor Schmerzen kaum noch Laufen konnte. Ich sah sie meistens einmal im Jahr, am Geburtstag meines Opas. In früheren Jahren meistens noch mit Krückstock, sie konnte wegen dem krummen Rücken nicht mehr gerade Laufen, in späteren Jahren nur noch im Rollstuhl (mit starken Schmerzen am ganzen Körper). 

Als mein Opa dann seine Tochter, also meine Tante (die Schwester meines Vaters) bekam, da konnte man bei ihr auch schon in der Schulzeit die Verbiegung im Rücken sehen, dass sie diese Muskelschwäche geerbt hat. Ihr wurde deswegen von Anfang an von einer Schwangerschaft abgeraten, da sie ansonsten, so wie ihre Tante, ebenfalls im Rollstuhl landen würde. Die Medizin geht ja immer weiter und sie sollte eigentlich regelmäßig KG machen. Meine Tante war früher jedoch nie für Sport, nahm lieber regelmäßig Schmerztabletten. Normalerweise bekommt man für die gleiche Diagnose nur alle paar Jahre eine Kur gestattet, meine Tante fuhr jedoch die ganzen Jahre über jedes Jahr für etwa 4 bis 8 Wochen in die Kur, um dort intensiven Sport, also Muskelaufbau zu machen (dort hat sie damals dann ja ihren jetzigen Mann kennengelernt). Erst nachdem sie mit rund 50 Jahren in Rente gegangen ist (sie war Sekretärin in einem großen Büro) und mehr Zeit hatte, fing sie mit Bewegung an. Sie hat sich, zusammen mit ihrem Mann, für das "Square-Dance" entschieden, was sie inzwischen mehrmals wöchentlich macht. Die Schmerzen haben seitdem zwar nachgelassen, aber Tabletten nimmt sie trotzdem weiterhin. 

Eigentlich sollte ich mit 6 Jahren eingeschult werden (wurde jedoch ein Jahr zurückgestellt, kam erst mit 7 in die Schule). Im Sommer, bevor ich im September 6 geworden bin, kam ich dann zur Vorschul-Untersuchung. Meine Eltern mussten dort einen langen Fragebogen auch bezüglich Vorerkrankungen in der Familie ausfüllen. Zu diesem Zeitpunkt nahm meine Tante bereits regelmäßig Tabletten gegen die Schmerzen und fuhr auch schon regelmäßig zur Kur. Das gaben meine Eltern dann auch in dem Fragebogen an. Daraufhin guckte sich der Arzt meinen Rücken dann ganz genau an. Gerade hinstellen, dann vorbeugen. Dabei fiel ihm dann das leichte Hohlkreuz auf. Zu diesem Zeitpunkt noch ganz minimal, aber er sagte direkt, dass auch ich diese Verbiegung, diese Muskelschwäche geerbt habe und sofort mit der Behandlung (KG usw.) beginnen müsse, da auch ich ansonsten mit etwa 30 Jahren im Rollstuhl sitzen würde. 

Er konnte auch nicht genau sagen, um welche Erkrankung es sich handelte, er ging nur von den Symptomen (Verbiegung im LWS-Bereich) und der Vorerkrankungen in meiner Familie aus, dass alles zusammen passte. Ab sofort bekam ich 2 x wöchentlich KG. Mit dem Ballett, das ich bereits seit etwa 3 Jahren machte, musste ich sofort kürzer treten (Spitzentanz wurde sofort gestrichen) und ich sollte mich zur Muskelentspannung viel im Wasser bewegen. In der Schwimmgruppe (zum Schwimmenlernen) war ich eh seit ungefähr einem oder zwei Jahren. Mit etwa 4 oder 5 Jahren kam ich dort rein, damit ich, bis ich mit 6 Jahren in die Schule komme, richtig Schwimmen kann. 

Ich musste dann jedes Jahr zur weiteren Untersuchung. Man konnte schon damals auf den Röntgenbildern verfolgen, wie sich mein Rücken immer mehr verbog. Mein Vater hat sich damals ja schon hobbymäßig für das Auswerten von Röntgenbildern interessiert (das wurde später dann ja zu seinem Beruf) und er hat meine Bilder über Jahre gesammelt, immer wieder verglichen. In der 5. Klasse war dann schon ein deutlicher Rundrücken zu erkennen. Die Ärzte wollten mich dann an eine gerade Körperhaltung gewöhnen, deswegen bekam ich dann das Gipskorsett. Vom Schulsport war ich von Anfang an mit Attest "befreit", die KG stand immer im Vordergrund. In der Grundschule hat es mir jedoch noch viel Spaß gemacht, da nahm ich trotz Attest regelmäßig daran teil, aber umso älter ich geworden bin, umso öfter habe ich dabei dann gefehlt. 

Inzwischen sagt mir jeder Orthopäde und jeder Physiotherapeut, dass diese Verbiegung total ungewöhnlich ist. Man würde sowas zwar theoretisch in der Ausbildung lernen, aber es sei halt selten, dass man so eine Verbiegung dann auch sieht. Als mein Rücken in den letzten Jahren gemessen worden ist, auch da wurde festgestellt, dass noch kein "Endzustand" erreicht ist, dass die Verbiegung immer noch ein Stückchen weiter geht. Ob und wann ein Endzustand erreicht sein wird, das kann mir keiner sagen.

Ja, aber trotzdem habe ich dafür noch nie Schmerzmittel genommen. Die Ärzte sagten von Anfang an, dass ich es mittels Sport, mit viel Bewegung schaffen kann, die Muskulatur zu stärken, also die Schmerzen zu lindern (in den Griff zu bekommen). Es könnte zwar immer mal wieder einen Rückschlag geben, aber wenn ich am Ball bleibe, dann wäre es möglich, es auf Dauer zu stärken, die Schmerzen dauerhaft unter Kontrolle zu bekommen.

Nach einigen Hoch und Tiefs und auch heftigen Depressionen (ich musste das erstmal alles so richtig verarbeiten, hatte jahrelang auch große Angst davor, dass ich eines Tages dann doch im Rollstuhl sitzen würde), da wurde mein "Kampfgeist" dann so richtig geweckt. Ich wollte keinesfalls Medikamente nehmen, bloß keine Nebenwirkungen riskieren. Ich wollte es schaffen, wieder so gesund wie möglich zu werden,  also so wenig Schmerzen wie möglich zu haben, egal ob es bis zu dieser Schmerzfreiheit eine Woche, einen Monat oder auch ein Jahr dauern würde. Jeder Mensch hat andere Ziele und Träume, wofür er kämpft. Nach einem Gespräch mit einer Psychologin habe ich dieses Ziel dann für mich persönlich gesetzt, dass ich es schaffen will, schmerzfrei zu werden (ohne Medikamente) und diese Schmerzfreiheit dann auch solange wie möglich zu halten. Am liebsten natürlich "lebenslänglich", also auch lebenslänglichen Sport. 

Am schwersten war es dann, dafür auch die richtigen "Therapeuten", den richtigen Sport für mich zu finden, der mir hilft, der mir Spaß macht, den ich freiwillig und gerne "lebenslänglich" durchführen werde. Ich hatte auch schon Therapeuten, mit denen ich anfangs klargekommen bin, aber schon nach wenigen Wochen hatten wir Probleme. Wenn die Chemie nicht stimmt, kann man alles vergessen. Wenn man sie nicht mehr sehen will, schon mit Bauchschmerzen zu den Terminen geht, dann kann man diese ganze Therapie vergessen. Die meisten hatten Angst mich zu behandeln. Sobald Therapeuten hören, dass man Schmerzen hat, dann schrecken sie zurück. Beim Patienten bloß keine weiteren Schmerzen mehr zu riskieren. So haben rund 90 % der Therapeuten reagiert. Mit denen kam ich dann natürlich so gar nicht weiter.

Ja, aber dann hatte ich das große Glück, meine jetzigen Therapeuten, meine Physiotherapeutin und meinen Trainer, kennengelernt zu haben. Beide haben sich getraut, mich trotz der Schmerzen zu behandeln, mit mir trotzdem Woche für Woche ein "Sportprogramm" durchzuziehen. Bis zu der aktuellen Schmerzfreiheit (nicht völligen Schmerzfreiheit, aber absolut kein Vergleich mehr zu früher), hat es dann zwar rund ein halbes Jahr gedauert, aber dann ging es bei mir endlich steil bergauf. 

Ja, aber bezüglich der Sendung vorhin im Fernsehen. Mich würde es schon interessieren, woher diese Muskelschwäche, diese Schmerzen überhaupt kommen und wieso man sie in erster Linie durch die Verbiegung des Rückens im LWS-Bereich feststellen und nachweisen kann. 

 

TitelAutorDatumBesucher
Di. 07.04.2020PetraM08/04/2020 - 09:1215
Mo. 06.04.2020PetraM07/04/2020 - 03:5589
So. 05.04.2020PetraM06/04/2020 - 09:0793
Sa. 04.04.2020PetraM05/04/2020 - 16:3091
Fr. 03.04.2020PetraM04/04/2020 - 14:0293
Do. 02.04.2020PetraM03/04/2020 - 05:28171
Mi. 01.04.2020PetraM02/04/2020 - 04:11195
Di. 31.03.2020PetraM01/04/2020 - 09:06178
Mo. 30.03.2020PetraM31/03/2020 - 04:49200
So. 29.03.2020PetraM30/03/2020 - 18:55200
Sa. 28.03.2020PetraM29/03/2020 - 18:47200
Fr. 27.03.2020PetraM28/03/2020 - 14:36213
Do. 26.03.2020PetraM27/03/2020 - 09:46220
Mi. 25.03.2020PetraM26/03/2020 - 09:47230
Di. 24.03.2020PetraM25/03/2020 - 09:47224
Mo. 23.03.2020PetraM24/03/2020 - 09:46192
So. 22.03.2020PetraM23/03/2020 - 05:17195
Thema Hobby, Sport & TherapiePetraM22/03/2020 - 23:27218
Sa. 21.03.2020PetraM22/03/2020 - 20:27220
Fr. 20.03.2020PetraM21/03/2020 - 19:51231
Do. 19.03.2020PetraM20/03/2020 - 09:58257
Mi. 18.03.2020PetraM19/03/2020 - 09:51247
Di. 17.03.2020PetraM18/03/2020 - 10:01266
Mo. 16.03.2020PetraM17/03/2020 - 06:16248
So. 15.03.2020PetraM16/03/2020 - 04:51256
onlinetagebuch.com - WIE DAS LEBEN SO SCHREIBT ...