Dienstag, 28.08.2012 (Meine Familie)

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Heute wollte ich mal über die Erinnerungen an meine „frühere“ Familie schreiben bzw. über die Personen, die entweder längst gestorben sind oder aber mit denen ich seit Jahren absolut keinen Kontakt mehr habe.

Also, zum einen sind da natürlich meine „Großeltern“, oder einfach Omas und Opas wie ich sagen würde. Bis ich erwachsen war, hatte ich noch alle vier. Zu den Eltern von meiner Mutter hatte ich immer einen guten Draht, insbesondere zu meiner Oma. Abgesehen von ihren altmodischen Ansichten, dass ich halt Stunden vor dem Essen und auch während des Essens nie was Trinken durfte (um sich nicht satt zu trinken), war sie ansonsten immer super lieb. Sie war fast schon meine zweite Mutter. Sobald es zu Hause einen „Engpass“ gab, dass meine Mutter krank geworden ist oder dass sie, als ich noch klein war, länger arbeiten musste (sie ging immer stundenweise Arbeiten, das war ihr „Taschengeld“, davon gönnte sie sich persönliche Sachen), sofort sprang meine Oma ein und hat sich total lieb und intensiv um mich gekümmert. Ich habe total an ihr gehangen, habe während meines Lebens auch sehr, sehr oft dort geschlafen (dort war mein zweites Zuhause). Die Bindung zu meinem Opa war zwar nicht ganz so eng, aber er gehörte dort halt einfach dazu. Meine Oma hat auch, wenn meine Mutter keine Zeit hatte, sehr viel mit mir unternommen, wir sind z. B. zusammen auf den Karnevalszug gegangen, ins Kino oder zum Shoppen (meine Oma hatte einen sehr guten Geschmack, hat mir auch in nichts reingeredet).

Meine Oma starb im gleichen Jahr wie mein Vater, also 1989, 2 Monate vor ihm. Das war für mich super hart, darunter habe ich sehr gelitten. Erst meine Oma und kurz danach mein Vater. Das war das Jahr, in dem ich so gut wie nichts mehr gegessen habe, immer mehr abgenommen habe, teilweise nur noch 47 Kilo gewogen habe (mit 19 Jahren). Das war alles sehr hart für mich, mein Freund musste mich dann erstmal wieder ordentlich „aufpäppeln“. Mein Opa ist rund 2 Jahre später gestorben, ganz plötzlich, sein Herz blieb plötzlich stehen. Meine Oma ist Mitte 70 geworden, mein Opa Ende 70. Meine Oma ist an Lungenkrebs gestorben. Sie hat über viele Jahre unter Tage mit Asbest gearbeitet und hatte davon eine Asbestlunge, so dass sie schließlich erstickt ist.

Zu den anderen beiden, den Eltern von meinem Vater, hatte ich nie einen besonders guten Draht, wobei diese Beschreibung noch stark untertrieben ist. Als mein Vater 3 Jahre alt war, starb seine richtige Mutter. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, manche sagen an Krebs, andere sagen, sie hat Selbstmord gemacht, was eine sehr große Todsünde wäre, weshalb die wahre Ursache beharrlich verschwiegen worden ist. Es war noch Krieg und mein Opa wurde eingezogen, kam an die Front. Er nahm sich dann eine Frau, zunächst als „Kindermädchen“ für meinen Vater, später wurde jedoch Liebe daraus, die beiden heirateten und bekamen noch eine Tochter, also meine Tante. 

Von Kindheit an konnte ich meine „Oma“ (es ist ja schließlich nicht meine „richtige“ Oma) nicht leiden. Als ich z. B. noch im Kinderwagen lag, durfte sie nicht dort rein gucken. Ich konnte noch so lachen, sobald sie den Kopf dort rein steckte, fing ich an zu weinen und hörte erst wieder auf, wenn mich meine Mutter oder meine andere Oma auf den Arm nahmen. Meine Oma hat sich darüber mächtig aufgeregt und gab meiner Mutter immer die Schuld, dass sie mich „falsch“ erziehen würde, aber wie soll man denn diesbezüglich ein Kleinkind, das noch im Kinderwagen liegt, anders „erziehen“. Außerdem redete sie nie „normal“ mit mir, worüber sich meine Mutter ständig aufregte, Pferde waren immer „Hotte-Hue's“, Hunde „Wau-Wau's“ usw. Ich fing ständig an zu weinen, wenn sie mit mir redete.

Als ich dann anfing zu krabbeln, war es bei dieser Oma ganz schlimm. Sie legte eine Wolldecke mitten auf den Boden und ich durfte diesen Bereich nicht verlassen. Sobald ich runter krabbelte, schnappte sie mich und setzte mich wieder mittig darauf. Als dann meine ersten Gehversuche kamen, lief sie ständig mit Putzlappen hinter mir her, um meine Fingerabdrücke von den Türen zu entfernen. Auch als ich etwas älter wurde (und dort vor Langeweile mit Puppen spielte), musste ich mich immer in dem „zugewiesenen Bereich“ aufhalten.

Mein Opa war eh meistens in seinem Hobbykeller. Er war ein Bastler, der alles mögliche aus Holz machte. Er bastelte mir ein großes Puppenhaus, einen „Postschalter“, einen kleinen „Lebensmittelladen“ und eine kleine Bühne mit Vorhang, wo ich dann mit Handpuppen spielen konnte. Bei den beiden habe ich, wenn es hoch kommt, vielleicht 3 oder 4 Mal geschlafen, wenn überhaupt (in meinem ganzen Leben). Als ich älter wurde, haben meine Eltern mich freiwillig nicht mehr dort hinbekommen. Es waren jedes Mal unendliche Diskussionen, ich wollte nicht dort hin, blieb lieber eine Stunde alleine im Auto sitzen, las etwas oder hörte Musik. Hin und wieder hat meine Mutter mich dann sogar mit etwas „bestochen“ (ein neues Buch oder abends länger Fernsehen zu dürfen), damit ich mich „anstandshalber“ ein Stündchen dort ins Wohnzimmer setze (freiwillig hätte ich nie Ja gesagt). Umso älter ich wurde, umso seltener war ich dort, der Kontakt wurde immer seltener.

Ja, wie gesagt, mein Vater hat noch eine „Halb“-Schwester. Als Kind hatte ich einen super guten Draht zu ihr. Sie ist meine Patentante. Sie hat die gleiche Erkrankung wie ich. Auch ihr Rücken ist total verbogen und sie hat starke Schmerzen. Allerdings ist sie charakterlich völlig anders als ich. Sie hat nie KG bzw. Sport gemacht, sondern hat sich immer schon mit Schmerztabletten vollgestopft. Sie kann bis heute nicht verstehen, dass ich lieber Sport mache, als Tabletten zu nehmen (anscheinend habe ich das von meinem Vater „geerbt“, dass ich gerne Sport mache, dass mir das Spaß macht). Sie hat ebenfalls im Büro gearbeitet, wurde jedoch mit 50 Frührentnerin (jetzt ist sie Mitte 60), weil sie die Schmerzen, den ganzen Tag zu sitzen, nicht mehr aushielt (zum Glück habe ich inzwischen diesen höhenverstellbaren Schreibtisch, so was tolles hatte meine Tante damals nicht). Seitdem sie Rentnerin ist macht sie immerhin einmal in der Woche „Square-Dance“, wobei man diese Tanz-Bewegungen und mein Training ganz bestimmt nicht vergleichen kann. Wenn ich nur einmal wöchentlich 2 Stunden Tanzen gehen würde, dann ginge es mir heute ganz bestimmt wesentlich schlechter. Sie stöhnt auch heute noch ständig über Rückenschmerzen (ich habe seit vielen Jahren gar keinen Kontakt mehr zu ihr, meine Mutter, es ist ja ihre Schwägerin, telefoniert etwa alle 3 bis 4 Monate mal mit ihr).

Aufgrund dieser Erkrankung, aufgrund der Verbiegung des Rückens wurde ihr damals von einer Schwangerschaft abgeraten (genauso wie bei mir), wenn zu dieser Verbiegung noch ein „Babybauch“ kommt, der alles nach vorne zieht, dann kann keiner mehr die Folgen, also die kommenden Schmerzen einschätzen. Ich, also ihre Nichte (die Tochter ihres Bruders), wurde damals dann zu ihrer „Ersatztochter“ (und sie halt zu meiner Patentante). Als Kind habe ich mich sehr gut mit ihr verstanden, sie war immer gut drauf und total locker, mit ihr bekam ich damals immer sehr viel Spaß.

Als ich noch ein Kind war, hatte sie einen Freund. Dann haben die beiden geheiratet und ich wurde das „Blumenmädchen“, bin ganz stolz vor beiden hergelaufen und habe fleißig die Blumen gestreut (in einem rosa Kleidchen), ich war etwa 4 Jahre alt. Meine Tante war super stolz auf mich. Die beiden waren dann einige Jahre glücklich verheiratet. Mit meinem Onkel habe ich mich super gut verstanden, er war auch immer sehr locker und total nett, ich war sehr gerne dort.

Wegen des Rückens, wegen der Dauerschmerzen (schon damals nahm sie ständig nur Tabletten), wurde sie jährlich zu einer 4wöchigen Kur geschickt. Dann kam das „Schicksalsjahr“. Sie lernte in der Kur einen Franzosen kennen, kam nach Hause, packte ihre Koffer und zog unmittelbar danach nach Frankreich. Das war für alle damals ein Schock, ein sehr großer Schock, damit hätte keiner in der Familie jemals gerechnet.

Dann kam der „Rosenkrieg“, die Scheidung. Meine Tante schob meinem Onkel die alleinige Schuld zu, er wäre plötzlich „schwul“ geworden und sie hätte sich deswegen nach einem neuen Mann umsehen müssen... Totaler Blödsinn, mein damaliger Onkel ist längst wieder neu verheiratet und hat 2 Töchter. Ich fand ihr damaliges Verhalten völlig unmöglich, konnte mich nicht da rein denken. Ja, und dann die Sache mit meinem Onkel. Ich mochte ihn wirklich sehr, ich fand es von ihr völlig unmöglich, ihn jetzt für ihr Verhalten, für ihre möglichen Fehler als „Sündenbock“ da stehen zu lassen. Und dann auch noch alle hier im Stich zu lassen und sofort nach Frankreich zu ziehen. Damals begann der große Bruch zwischen uns (da war ich etwa 12 oder 13 Jahre).

Sobald die Scheidung durch war, hat sie den Franzosen geheiratet (ich nenne ihn bis heute nicht Onkel). Genau zu der Zeit mussten wir in der Schule ein neues „Wahlpflichtfach“ wählen. Es waren mehrere Fächer dabei, die mich total interessiert haben, an denen ich wirklich Spaß gehabt hätte, aber das zählte nicht (ich hätte z. B. gerne Musik gewählt, daran hat meine Freundin teilgenommen, dort lernte man sämtliche Instrumente und die Noten so richtig, zu der Zeit hatte ich mir gerade selber die Blockflöte beigebracht). Meine Eltern bestanden jedoch darauf, dass ich „für meinen neuen Onkel“ Französisch lerne (damit ich mich mit ihm, wenn wir sie in Frankreich besuchen, fließend auf französisch unterhalten kann)....!!! So steht es auch im Zeugnis, Französisch auf ausdrücklichem Wunsch der Eltern!!! Was habe ich das gehasst, das war für mich noch schlimmer als Englisch. Ich kam absolut nicht mit. Letztendlich hatte ich dann 2 mal wöchentlich eine Stunde Nachhilfe in Englisch und ebenso 2 mal wöchentlich eine Stunde Nachhilfe in Französisch (bei einer Studentin), ansonsten hätte ich darin gar keine Chance gehabt (irgendwie musste ich meine Noten ja schließlich halten).

Mein „Brass“ auf meine Tante wurde dadurch dann auch immer größer. Sie kam auch so gut wie nie mehr nach Deutschland (alle paar Jahre nur ein Mal), erwartete immer, dass alle zu ihr kommen, dass alle sie in Frankreich besuchen kommen. Solange mein Vater noch lebte, haben wir seine Schwester dann jedes Jahr ein bis zwei Mal besucht (dort bestanden meine Eltern dann darauf, dass ich mit ihrem Mann französisch spreche).

Nachdem mein Vater 1989 dann gestorben ist, hielt meine Oma nichts mehr hier, sie wollte so nah wie möglich zu ihrer Tochter. Die 4 (meine Tante und ihr Mann und Oma und Opa) nahmen dann einen Kredit auf und kauften dort ein Doppelhaus. Etwa ein Jahr später (nach dem Tod meines Vaters) zogen Oma und Opa dann nach Frankreich. Ich hatte ja eh kaum Kontakt zu den beiden (Oma und Opa) und nach deren Umzug brach der Kontakt dann fast völlig ab (meine Mutter hielt noch gelegentlichen Kontakt zu ihren „ehemaligen Schwiegereltern“).

Die 4 haben dann noch mehrere Jahre glücklich in diesem Doppelhaus gewohnt (meine Mutter hat sie dort 2 Mal besucht). Dann sind beide an einem Unfall gestorben. Mein Opa ist in der Wanne verunglückt. Es wird vermutet, dass er beim raus steigen ausgerutscht ist und an den warmen Wasserhahn kam. Es kam dann super heißes Wasser, in dem er eine Zeitlang gelegen haben muss. Als er dann zufällig entdeckt worden ist (als meine Oma gucken wollte, wie lange er noch in der Wanne bleiben wolle), da hatte er sehr starke Verbrennungen, etwa 15 % seines Körpers. Er kam sofort in eine Spezialklinik und wurde ins Koma gelegt, wurde daraus nie mehr wach und ist wenige Tage später mit Anfang 80 gestorben.

Meine Oma bekam dann (wenige Jahre später) Alzheimer und wurde wieder ein „Kind“, lief ständig einfach so auf die Straße und wollte mit den Autos spielen (meine Tante konnte sie ja nicht ständig im Auge behalten).... Ja, bis ein Auto nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte. An den Verletzungen ist sie dann gestorben, sie wurde Ende 70.

Ja, das ist bzw. war ein Teil meiner Familie. Die Situation meiner Tante, sich aus der Kur einen neuen Mann mitzubringen, hat auch „Schatten“ auf die restliche Familie geworfen. Als meine Mutter schließlich krank geworden ist, hatte mein Vater kein Vertrauen, hatte ständig Angst, dass auch sie einen neuen Mann von dort mitbringt. Wir sind dann sogar übers Wochenende zu ihr gefahren, sie zu besuchen, zu gucken, mit wem sie in der Kur befreundet ist (mein Vater war damals dann sehr eifersüchtig, was sonst so gar nicht seine Art gewesen ist). Auch als ich vor 2 Jahren in der Reha war, bekam ich hier so einige Sprüche zu hören, von meiner Mutter und meinem Freund, denke an deine Tante, mache es ihr bitte nicht nach..... Nein, ich habe es ihr ganz bestimmt nicht nachgemacht. 

 

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Sa. 24. August 2019PetraM25/08/2019 - 05:297
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