Dienstag, 31.07.2012 (Phobien)

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Abgesehen von ganz leichten Rückenschmerzen geht es mir im Moment weiterhin sehr gut. Ich habe die Hoffnung, dass ich diese Schmerzen mit dem nächsten Training, mit dem nächsten PT wieder besser in den Griff bekommen werde. Die morgige KG wird dazu wohl nicht ausreichen, ein paar Übungen zur Muskelkräftigung sind zwar immer positiv, aber diesbezüglich bringt mir das längere und intensivere Training beim PT weitaus mehr. Am Sonntag Vormittag geht es damit weiter. 

Auch heute konnte ich mich nicht zum Fahrrad fahren aufraffen, habe mich stattdessen wieder mit vielen anderen Sachen beschäftigt. Diese Woche will bzw. muss ich aber auf jeden Fall wieder fahren, sonst wird es mir am Sonntag zu peinlich, wenn dann die Frage kommt, was ich in der letzten Zeit sportliches (außer KG) gemacht habe. 

Aber immerhin bin ich heute eine längere Strecke gelaufen. Die Hauptstraße, die Hauptverbindung zwischen hier und der Stadt wird zur Zeit erneuert, einschließlich der Straßenbahnschienen. Deswegen fährt hier zur Zeit auch keine Bahn, sondern ein Bus als "Schienenersatzverkehr". Auf diesen Bus ist allerdings so gar kein Verlass. Die Bahn fährt normalerweise immer im 10-Minuten-Takt, der Bus soll im 20-Minuten-Takt fahren. Die Strecke von der Stadt bis zu uns beträgt etwa 3 Kilometer. Bereits gestern stand ich an der Haltestelle und es kam kein Bus. Nach über 30 Minuten kam er endlich, fuhr dann im "Schneckentempo" durch die Baustelle (einschließlich längerer Stopps an den Baustellenampeln), so dass wir dann nach etwa 15 Minuten Fahrt "hier" an unserer Haltestelle angekommen sind. Wenn ich direkt nach der KG losgelaufen wäre, dann wäre ich vielleicht sogar früher zu Hause gewesen.

Heute habe ich nicht gewartet, bin sofort losgelaufen. Immerhin weiß ich jetzt schon mal Bescheid, dass ich bis zum Schwimmbad, in dem sich ja auch der Trainingsraum befindet, ziemlich genau 15 Minuten laufe. Dieses Haus liegt ja auf dem Weg, direkt an dieser Straße, ich habe vorhin extra auf die Uhr geguckt und darauf geachtet, wie lange ich (insbesondere auch wegen der "Steigung") bis da hin brauche, damit ich demnächst, wenn wir uns während der Woche treffen, schon mal Bescheid weiß.

Bis zu diesem Schwimmbad ist es in etwa einen Kilometer. Dann bin ich einen weiteren Kilometer gelaufen, wofür ich wieder etwa 15 Minuten gebraucht habe. Dort war dann eine Haltestelle und der Bus kam gerade. Da ich zuvor in der Stadt noch Einkaufen war, also ebenfalls einen vollen Einkaufsbeutel dabei hatte, bin ich dann eingestiegen. Ich hatte keine Lust mehr zu Laufen und der Beutel kam mir immer schwerer vor. Aber immerhin hatte ich durch dieses Laufen Bewegung (dadurch habe ich nicht ganz so ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht mehr Fahrrad gefahren bin). 

Heute wollte ich mal auf zwei meiner Phobien eingehen, die Sache mit den Füßen (dass ich nicht mehr barfuss laufe, immer Strümpfe an habe) und mein Problem mit Bällen. Mit dem Barfuss-Laufen hatte ich als Kind gar keine Probleme, hinter unserem Haus war eine große Wiese und im Sommer lief ich dort immer barfuss rum. Mit Bällen habe ich dagegen immer schon ein großes Problem gehabt, keine Ahnung, woher das genau kommt. Wenn ich den Ball selber in der Hand habe, dann kann ich damit Übungen durchführen, er darf nur nicht auf mich zugeflogen kommen, dann gehe ich sofort in Deckung. Meine Mutter holte mir als Kind Bälle in den verschiedensten Größen, von einem kleinen "Flummi" (also einem Gummiball) bis hin zum Fußball, die Angst davor konnte sie mir trotzdem nicht nehmen. 

Als kleines Kind hatte ich extreme X-Beine, womit ich schon in Behandlung war. Es waren immer viele Übungen für die Beinhaltung und für die Füße dabei, so dass man sich auf gerade Beine konzentrieren musste (sonst hätte man die meisten Übungen nicht richtig durchführen können). Z. B. mit den Füßen, also mit den Zehen kleine Stofftücher vom Boden anheben und damit dann in der Luft Fahrrad fahren, dabei genau darauf achten, dass die Knie sich bloß nicht berühren (obwohl das schon ewig lange her ist, kann ich mich an diese Übung, an eine solche Situation noch ganz genau erinnern). 

Obwohl ich die X-Beine heute weitestgehend im Griff habe, bei manchen Übungen, wenn ich mich z. B. auf das Bauchanspannen konzentriere, passiert es mir immer wieder, dass die Knie dabei zusammen gehen. Darauf achten meine Therapeuten, also mein Trainer und meine Physiotherapeutin aber meistens, das fällt ihnen meistens sehr schnell auf. O. k., hin und wieder, je nach Übung, um es mir zu vereinfachen, gehe ich mit den Knien absichtlich zusammen, um die Beine gegenseitig etwas abzustützen, aber das ist selten der Fall, bei den meisten Übungen passiert es völlig im Unterbewusstsein. 

Ja, damals hatte ich noch keine Probleme damit, barfuss zu laufen. Dann kam der Tag in meiner Kindheit, der alles veränderte. Meistens habe ich mich sofort verdrückt, wenn die anderen Kinder Ballspiele machen wollten, aber hin und wieder haben sie mich dennoch überredet, ein bisschen mit zu spielen. Wir waren häufig etwa 10 Kinder (aus der Nachbarschaft), standen dabei im großen Kreis zusammen. Wenn der Ball Reihe um ging, mir also direkt vom Nachbar zugeworfen worden ist, dann konnte ich mich noch überwinden und ihn fangen. Aber dann flog er Kreuz und Quer und wurde mir dann plötzlich von Gegenüber zugeworfen. In dem Moment bekam ich Panik, dass er mich Treffen könnte. Meine Hände, die Arme nehme ich grundsätzlich nie hoch, ich habe irgendwie immer Angst, dass er mich "falsch" treffen könnte (so wie beim Volleyball, dabei habe ich mir ja auch eine Prellung am Handgelenk zugezogen). 

Ja, ich bekam dann Panik und rannte so schnell wie möglich rückwärts, bloß nicht mit diesem Ball in Berührung zu kommen (ich konnte die Flugbahn nicht so richtig abschätzen). Dann ist es passiert, ich war ja barfuss und bin auf eine Wespe (oder Biene) getreten. Es war ein stechender Schmerz und ich schrie direkt wie am Spieß. Ich kann mich selber nicht mehr daran erinnern, weiß das nur von vielen Erzählunen von den Anderen. Die Anderen wollten mir sofort helfen, aber ich hielt nicht still, wurde total hysterisch und strampelte wie wild. Meine Eltern holten mich sofort rein (es war ein Wochenende), aber auch sie haben es nicht geschafft, mich zu bändigen. Mein Vater schnappte mich schließlich und steckte mich ins Auto, fuhr mich ins Krankenhaus. Die Ärzte konnten mich dann bändigen, ich bekam Beruhigungsspritzen und eine Betäubungsspritze in den Fuß. Der Stachel musste dann heraus geschnitten werden (die Narbe davon habe ich heute noch an der Ferse). 

Ich weiß nicht, was damals genau in mir vorgegangen ist, aber diese Situation hat meine Phobie ausgelöst. Seit damals passe ich total auf meine Füße auf, habe immer, auch in der Wohnung, feste Schuhe an. Außerdem habe ich halt immer Strümpfe an, ziehe sie nur in "Ausnahmesituationen", z. B. unter der Dusche aus. Mein Freund kennt es ja nicht anders, er hat mich ja so kennengelernt. Wenn ich dann z. B. bei der Massage die Strümpfe ausziehen muss, dann ist das für mich jedes Mal eine große Überwindung. Ich mache es zwar, damit mir geholfen wird, habe dabei aber immer große Beklemmungen. Wie heißt es so schön, ich schütze meine Füße wie meinen "Augapfel". 

Ja, aber durch dieses extreme, lebenslängliche Schützen ist meine Fußmuskulatur total geschwächt, es gab (noch im letzten Jahr) Zeiten, in denen ich vor Schmerzen kaum auftreten konnte. Jeder Arzt empfiehlt mir, mit gezielten Übungen für die Füße zu beginnen, um auch die dortige Muskulatur nach und nach etwas zu stärken. Ich bekomme ja auch immer mal wieder einen Krampf unter den Füßen, auch das passiert wegen der schwachen Muskeln. Bis vor etwa 2 Jahren bekam ich in den Oberschenkeln regelmäßig Krämpfe (auch beim normalen Laufen), aber seitdem ich sehr viel KG-Übungen für die Beine gemacht habe (unter anderem die Brücke), habe ich diese Krämpfe im Griff. Die Muskulatur in den Oberschenkeln ist schon wesentlich stabiler, ich weiß nicht mehr, wann ich dort den letzten Krampf hatte, irgendwann im letzten Jahr. Ja, aber im Prinzip das gleiche Programm für die Füße zu starten, um auch sie stabiler zu bekommen, weniger Krämpfe zu bekommen, dafür fehlt mir völlig der Mut, also der Mut zur Überwindung. 

Die Phobie bezüglich der Bälle wurde im Laufe des Lebens auch immer schwerer. Insbesondere natürlich in der Schulzeit, wenn Ballsportarten auf dem Programm standen. Meistens habe ich mich ja eh erfolgreich davor gedrückt, was aber leider nicht immer geklappt hat. Natürlich hat meine damalige Sportlehrerin das mit der Zeit mitbekommen und dann darauf geachtet, dass ich bei den Mannschaftsaufteilungen mit eingeplant werde. Ganz schrecklich, man versucht sich zu "verstecken", was aber nichts gebracht hat. Im Prinzip wollte mich eh keiner aus der Klasse in seiner Mannschaft haben, weil man mit mir eh immer verloren hat. Ich ging immer vor jedem Ball in Deckung, ihn bloß nicht berühren, habe ihn immer fallen gelassen. Badminton und Squasch war kein Problem, mit Schlägern in der Hand fühlte ich mich sicher, aber bloß keinen direkten Ballkontakt. 

Mir fällt gerade eine sehr peinliche Situation ein. Da ich mich halt meistens vor sämtlichen Ballspielen gedrückt habe, habe ich nicht nur das Fangen, sondern auch das Werfen nie richtig gelernt. Dann hatten wir Schulsportfest. Dabei kam es nicht nur auf die einzelnen Leistungen an, sondern auch auf die Gesamtleistung der Klasse, auch die Klassen wurden dafür geehrt. Mit Laufen und Weitsprung konnte ich damals noch relativ viele Punkte holen, aber dann ging es an den Weitwurf. Die Klasse stand jeweils in einer Reihe nebeneinander, einer nach dem anderen musste werfen. Wir bekamen dafür einen Tennisball. Die Anderen erzielten zum Teil echt gute Ergebnisse. Dann war ich an der Reihe und nervös ohne Ende. Ich holte aus und.... Äh ja, ich weiß nicht, wo der Fehler lag, auf jeden Fall schoss der Ball dann nach oben, viele Meter hoch. Die ganze Klasse stöhnte direkt auf (den Klassenpreis konnten wir damit vergessen...!!). Als der Ball wieder runter kam, ging ich mal wieder in Deckung und ein Klassenkamerad fing ihn auf (meine Lehrerin kam sofort zu mir, um zu gucken, ob mit mir alles in Ordnung ist, so nervös wie ich sofort geworden bin). Wegen dieser Situation, weil ich uns um den Preis gebracht habe, bekam ich noch Monate später von den Anderen viele blöde Sprüche und Vorwürfe zu hören. Ja, auch wenn so ein Ball für die meisten etwas rein "spielerisches" ist, wenn man dagegen eine "Phobie" hat (ich weiß wirklich nicht, woher das kommt), dann können schon in der Kindheit und in der Schulzeit einfache Situation verdammt schwer werden (und, so wie mit dem Fuß und dem Bienenstich, zusätzliche Phobien auslösen). 

TitelAutorDatumBesucher
Do. 14. Dez. 2017PetraM15/12/2017 - 08:249
Mi. 13. Dez. 2017PetraM14/12/2017 - 05:1121
Di. 12. Dez. 2017PetraM13/12/2017 - 04:4821
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