Freitag, 09.08.2013

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Heute Mittag war ich ja beim Friseur, bin jetzt wieder schön blond. Mir gefällt es wieder so richtig gut (in der Länge nur ein Stückchen kürzer, damit sie wieder lockerer fallen). Eigentlich sollten nur die Ansätze gefärbt werden, aber als meine Friseurin gesehen hat, dass das Rote wieder ziemlich durchschlägt, da hat sie es lieber komplett gemacht. Das Rote ist bei mir gerade im Sommer sehr intensiv, aber so rot wie früher in der Schulzeit möchte ich sie wirklich nicht mehr haben. 

Sie hat dort auch eine Angestellte, die immer sehr tatkräftig mit zupackt. Die Beiden arbeiten immer sehr gut Hand in Hand. Die Angestellte (Ende 20) hat jetzt ein Tattoo, auf dem linken Unterarm, verschlungene Blumen sozusagen. Das fiel mir irgendwie direkt auf. 

Ich kenne inzwischen einige, die ein Tattoo haben, das scheint seit ein paar Jahren eine mehr oder weniger große "Modewelle" zu sein (auch im Schwimmverein, bei der Wassergymnastik). Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir dafür der Mut völlig fehlt. Mein Freund hat ja auch eins, seit etwa 2 oder 3 Jahren. Auf dem Oberarm, wo es nur wenige sehen können, da er meistens Hemden mit halben Arm, also bis zum Ellenbogen trägt. Er wollte einfach mal mitreden können. Das Abzeichen vom SAS, von dieser englischen Spezialeinheit, diese "Flügel" mit dem Spruch "Who Dares Wins". Er hat direkt danach aber gesagt, dass das ganz bestimmt das einzigste Tattoo bleiben wird. Ein Gefühl wie "tausend Nadelstiche", das bräuchte er ganz bestimmt kein zweites Mal mehr. 

In den ersten Tagen durfte man es ja nicht berühren, die Haut musste erstmal wieder heilen. Danach war es für mich zunächst eine Überwindung, meinen Freund wieder am Arm zu berühren. Es war irgendwie ein komisches Gefühl, ich habe es mich anfangs nicht so richtig getraut. Ich habe irgendwie gedacht, dass die Haut durch diese Farbe, durch die Nadelstiche empfindlicher geworden ist, wollte ihm halt nicht weh tun. Aber inzwischen ist es völlig normal, es gehört halt zu ihm. 

Ja, wie gesagt, mir fehlt dazu völlig der Mut. Als mein Freund mir dann erzählt hat, wie weh das tut, dass er diese "tausend Nadelstiche" kaum aushalten konnte, da habe ich mich nur gefragt, wieso sich das jetzt (seit ein paar Jahren) so viele antun. Nicht nur viele Männer, auch sehr viele Frauen haben inzwischen ja welche. 

Also wenn überhaupt, rein theoretisch natürlich nur, käme für mich dann nur ein kleiner Schmetterling in Frage (z. B. an der Schulter). Das wäre das einzigste, was mir optisch gefallen würde. Zu Schmetterlingen habe ich ja eh einen besonderen "Bezug", darüber habe ich vor einiger Zeit bereits geschrieben. Meine Mutter nannte mich als Kind immer ihren "Butterfly", ihren Schmetterling, benannt nach dem damaligen Lied "My Butterfly". 

In diesem Zusammenhang muss ich gerade an die Grundschule denken. Ich hatte damals einen kleinen "Schulfreund". Wir wohnten mit mehreren aus der Klasse im gleichen Wohngebiet, etwa einen Kilometer von der Schule entfernt. Wir hatten immer einen festen Treffpunkt. Morgens trafen wir uns alle dort, gingen zusammen zur Schule. Mittags gingen wir wieder bis dort gemeinsam zurück und dann halt alle nach Hause. Auch wenn wir uns Nachmittags zum Spielen getroffen haben, dann immer zuerst an diesem Treffpunkt. Zu diesem Freundeskreis gehörten ein paar Mädchen und ein Junge. 

Mit dem Jungen habe ich mich immer sehr gut verstanden. Meine Mutter nennt ihn bis heute meinen ersten kleinen Freund, wobei ich soweit nicht gehen würde, "soweit" waren wir damals ja nun wirklich noch nicht. Ein kleiner Flirt, ja O K, das war es schon. Uns kannte damals fast die ganze Schule, da wir ständig, in fast allen Pausen, Hand in Hand unterwegs waren. Für unsere Klasse war es irgendwie ganz normal, dass wir ständig zusammen hingen, da haben uns alle so akzeptiert. Es gab darüber nie blöde Sprüche oder so. Es war auf jeden Fall eine schöne Zeit, die mich geprägt hat, an die ich sehr viele schöne Erinnerungen habe. 

Als Abschied von der Grundschule hat er mir dann einen Ring geschenkt (den seine Mutter natürlich ausgesucht hat), in Silber mit einem kleinen roten Schmetterling. Den habe ich danach ein paar Jahre lang regelmäßig getragen. 

Mit seiner Mutter habe ich mich total gut verstanden, das war eine total liebe und nette. Ich bin sehr gerne dort gewesen. Leider war sie eine sehr starke Kettenraucherin, wurde schließlich krank und ist kurz nach unserer Grundschulzeit an Lungenkrebs gestorben, was mir für ihn natürlich total leid getan hat. 

Wenn ich an sie denke, dann muss ich gleichzeitig an eine Mathe-Arbeit denken, die ich total verhauen habe, wobei sie mir dann total lieb geholfen hat (in der vierten Klasse, 1980). Thema "Punkt vor Strich-Rechnung", damit hatte ich Probleme ohne Ende, die Arbeit ging bei mir völlig daneben. Damals war es so, dass wir Fehler in Klassenarbeiten als Hausaufgaben korrigieren und am nächsten Tag unserer Lehrerin vorlegen mussten, mit der Unterschrift eines Elternteils (das war in der Grundschule in allen Fächern gleich). Als wir diese Mathe-Arbeit dann zurückbekommen haben, da bekam ich direkt Angst, weil mir klar war, dass das Ärger bedeuten wird. Darin kannte ich meinen Vater gut genug. 

Meine Schulfreunde haben mir die Angst sofort angemerkt, ich wurde direkt total nervös. Als wir mittags dann wieder zu unserem Treffpunkt zurückgekommen sind, da meinte mein Schulfreund spontan zu mir, dass ich jetzt nicht nach Hause gehen würde, ich solle besser mit zu ihm kommen. Seine Mutter wäre gut in Mathe, sie würde mir ganz bestimmt helfen.

So war es dann auch. Als seine Mutter hörte, was los ist, da wollte sie mir sofort helfen. Zuerst rief sie meine Mutter an, dass ich dort bin, damit sie sich keine Sorgen macht, dass sie mir bei den Hausaufgaben helfen würde. Meine Mutter war davon sofort total begeistert, hat sich bei ihr kurze Zeit später für die Hilfe dann auch mit einem kleinen Geschenk bedankt. 

Ich weiß es noch, als wenn es erst gestern gewesen wäre, wie wir beide dann den ganzen Nachmittag dort zusammen in der Küche gesessen haben. Wir sind dann Stück für Stück, Aufgabe für Aufgabe zusammen durchgegangen. Im Gegensatz zu meinem Vater blieb sie die ganze Zeit über total ruhig, hat mir alles Schritt für Schritt in Ruhe erklärt. Auch wenn ich dabei dann wieder was falsch hatte, sie schrie mich nie an, sondern wir gingen die Aufgaben dann wieder und wieder durch. Als meine Mutter mich abends dort dann abgeholt hat, da waren die Hausaufgaben, also die komplette Korrektur dieser Klassenarbeit fertig. Meine Mutter unterschrieb das dann. Mein Vater hat von dieser verpatzten Arbeit damals gar nichts mitbekommen. 

Ja, diese Erinnerung, als wir beide dort zusammen am Küchentisch sitzen, die hat sich irgendwie fest in mein Gehirn "gebrannt". Das war wirklich eine total liebe und nette Frau, immer super hilfsbereit (auch noch in weiteren Situationen), die wegen dem Lungenkrebs leider viel zu früh gestorben ist. Ja, und den kleinen Ring mit dem Schmetterling, den hat sie wirklich sehr gut ausgesucht, der gefiel mir damals total gut. Als ich älter wurde, da habe ich ihn in mein Schmuckkästchen getan. Jetzt hat meine Mutter ihn, in einer kleinen Dose in ihrem Schmuckkasten, als Erinnerung an meine Grundschulzeit. 

 

TitelAutorDatumBesucher
Fr. 12. Juni 2020PetraM13/06/2020 - 18:43384
Do. 11. Juni 2020PetraM12/06/2020 - 03:53385
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