Freitag, 19.10.2012

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Mir geht es nicht so gut, seelisch meine ich. Körperlich habe ich soweit alles im Griff, hin und wieder ein leichtes Ziehen im unteren Rücken, was aber bei meiner innerlichen Anspannung im Grunde völlig normal ist. Seelisch geht es mir so schlecht, wie seit langer Zeit nicht mehr. Ich habe mich zwar so weit unter Kontrolle, dass ich (zumindest meistens) nicht weinen muss, aber es fällt mir extrem schwer, klar und vernünftig zu denken. Ich stehe meistens total neben mir, fühle mich total ausgelaugt und habe eine große innere "Leere". Auch zu Hause muss ich mich im Moment total "zwingen", mich wenigstens um die wichtigsten Aufgaben im Haushalt zu kümmern (die Waschmaschine läuft immerhin, aber ich habe seit Tagen nicht mehr gespült, darum muss ich mich am Wochenende unbedingt kümmern). Auf der Arbeit ist dementsprechend auch wieder so eine Phase, in der ich nicht sicher bin, ob ich auch wirklich die richtigen Prioritäten lege. 

Im großen und ganzen habe ich in der letzten Woche zwar einiges geschafft (in den verschiedenen Bereichen, für die ich zuständig bin), aber völlig egal, wie viel ich geschafft habe, ich wurde mal wieder (von verschiedenen Personen) auf die jeweils anderen Bereiche angesprochen, auf den jeweiligen Arbeitsstand, die halt liegen geblieben sind (ich bin halt keine "Krake", ich versuche zwar immer, mich möglichst flexibel um viele Sachen gleichzeitig zu kümmern, aber trotzdem bleibt immer wieder etwas liegen). Jedes Mal, wenn ich dann auf die anderen Bereiche angesprochen werde, dann denke ich, Na super, habe ich die Prioritäten doch mal wieder falsch gelegt?? Es gibt halt Zeiten (so wie jetzt), da kann ich machen, was ich will, da kann ich in den einzelnen Bereichen noch so viel schaffen, werde dann aber ganz bestimmt auf die übrigen Bereiche angesprochen. Das belastet mich immer unwahrscheinlich (so wie jetzt auch wieder), da ist man einerseits "stolz" darauf, was man tagsüber alles so geschafft hat und darf sich trotzdem halt gewisse "Vorwürfe" anhören, dass man sich anscheinend "falsch" entschieden hat, dass die Prioritäten wohl falsch gelegt worden sind. Wenn es so extrem ist, wie zur Zeit, dann belastet mich diese Situation unwahrscheinlich und zieht mich seelisch auch "etwas" runter. 

Dazu kommt bei mir im Moment natürlich auch die Angst vor dem Seminar, was die ganze Situation noch erheblich "verschärft". An manchen Tagen "spukt" das Seminar so intensiv in meinem Kopf rum, dass es mir zusätzlich schwer fällt, mich auf die einzelnen Aufgaben zu konzentrieren. Ich bräuchte eigentlich dringend Urlaub, müsste mal total abschalten, aber Montag muss ich auf jeden Fall noch Arbeiten gehen. Während des Seminares und des anschließenden Urlaubes macht eine Kollegin zumindest bei den Terminsachen meine Vertretung und am Montag müssen wir dabei halt die Übergabe machen, das habe ich fest eingeplant (sie hatte bis heute Urlaub). Natürlich hätte ich auch hingehen können und hätte es ihr alles schriftlich hinlegen können, aber das war mir zu unpersönlich, zumal mein Chef ja immer am "predigen" ist, dass ich mehr mit den Kollegen reden soll. Deswegen mache ich diese Übergabe lieber "ordentlich" und persönlich. Aber den einen Tag, bevor das Seminar dann am Dienstag losgeht, den werde ich büromäßig auch noch rum kriegen.

Heute wurde meine Mutter tatsächlich aus dem Krankenhaus entlassen und es geht ihr den "Umständen entsprechend gut". Sie wurde halt mit den Medikamenten so eingestellt, dass sie damit im Moment relativ gut leben kann. Gerade was die hohen Wassertabletten betrifft, ist es natürlich kein Dauerzustand, die Dialyse wird unweigerlich kommen, daran führt gar kein Weg vorbei, aber dennoch geht es ihr jetzt wesentlich besser, als in der letzten Woche. 

Sie hat mir dann vorgeschlagen, dass wir uns nächste Woche Donnerstag, auf meiner Rückreise vom Seminar, treffen können, was ich eigentlich sehr gut fand. Durch den Krebs hat sie ja eine Schwerbehinderung und kann mit diesem Ausweis in ganz Deutschland "kreuz und quer" fahren. Ich fahre ja mit dem ICE bis Köln, muss dort in den Regional-Express umsteigen. Damit noch eine knappe Stunde bis nach Hause. Meine Mutter will dann nach Köln kommen, dann können wir zusammen mit dem Regio nach Hause fahren. Wenn ich dann 3 Tage lang "alleine" war, alleine was mir vertraute Personen betrifft, dann finde ich es sogar schön, auf den "letzten Metern" mit ihr ein bisschen reden zu können, nicht mehr ganz alleine zu sein. 

Mein Freund hat mir auch schon Mut gemacht. Im Vergleich zu ihm (er ist ja noch wesentlich stiller als ich) komme ich ja mit anderen Personen relativ gut in Kontakt, dann kann das Seminar ja nicht "so" schlimm werden. Ich habe z. B. mit unseren Nachbarn mehr Kontakt, weiß von den meisten mehr als mein Freund, nach und nach bin ich mit allen im Wäschekeller ins Gespräch gekommen. Aber das sind halt alles Kontakte zu einzelnen Personen, damit habe ich auch wenig Probleme, meine Probleme fangen immer erst dann an, wenn etwa 4 bis 5 Personen, oder auch mehr, zusammen sind, in dem Moment kriege ich den Mund kaum noch auf. 

In meiner früheren Gruppe bei der Wassergymnastik waren wir häufig durchschnittlich 7 bis 10 Personen. Im Laufe der Zeit kannte ich jeden einzelnen ziemlich gut, bin mit jedem gut ins Gespräch gekommen, aber sobald der Unterricht anfing und wir "eine Gruppe" waren, bekam ich den Mund nicht mehr auf. Hin und wieder wurden wir während des Trainings gefragt, mit welchem "Arbeitsgerät" wir lieber ein paar Übungen machen möchten (die großen Wassernudeln, mit diesem "Schwimmbrett", mit kleinen Bällen, am Rand an der Stange usw.). Zum Teil wurde dann mündlich abgestimmt, wozu die meisten aktuell Lust hatten. Da die anderen mich im Laufe der Zeit dann kannten, dass ich während des Unterrichts eh nichts sagen würde, haben sie mich dann schließlich des Öfteren schon anfangs gefragt, wenn wir einzeln zusammen standen, falls die Frage gleich wieder kommt, wozu ich Lust hätte, damit später, während des Unterrichts, meine Stimme dann auch mitzählen konnte, damit ich dabei nicht völlig übergangen werde. 

Samstag Mittag habe ich dann ja erst mal wieder Training, darauf freue ich mich ja eh immer, das macht (zumindest meistens) echt Spaß (es kommt natürlich auch auf die Übungen an, mit manchen Übungen stehe ich halt total auf "Kriegsfuß"). Auch wenn ich bei Übungen auf dem Bauch liegend (mangels Kraft) und mit dem großen Ball (mangels Gleichgewicht) Probleme habe, die Übungen vernünftig durchzuführen, mit Abstand am schlimmsten sind für mich die Übungen mit dem kleineren Ball, den wir beim Training zum Glück nur sehr selten dabei haben. Mit diesem Ball verbinde ich halt sehr viele negative Erinnerungen sowohl an meine Kindheit, als auch an die Schulzeit, damit hat es so einige negative Situationen gegeben. Damit werde ich mich wohl nie so richtig "anfreunden" und dass ich damit im Rahmen meiner Therapie (hin und wieder halt beim Training) nochmals "konfrontiert" werde, damit hätte ich auch nicht gerechnet (gerade nachdem ich mich während der Schulzeit so oft erfolgreich davor drücken konnte, was jetzt beim Training halt nicht mehr möglich ist). 

Nach dem Seminar freue ich mich natürlich zunächst mal auf meinen Urlaub, auch wenn es nur eine Woche ist, Hauptsache endlich mal wieder so richtig abspannen und abschalten. Ja, und dann freue ich mich echt schon wieder aufs Schwimmen (und natürlich auf die Wassergymnastik), mich ein bisschen im Wasser zu bewegen (wegen meiner zum Teil falschen Bewegungen mache ich mir keine großen Gedanken, dafür wird sich dort sicherlich ein Ansprechpartner finden, was ich eventuell ändern kann). Ich muss gerade an eine "Wasserschlacht" in meiner früheren Gruppe denken. Nach dem Unterricht standen wir mit mehreren Personen im Wasser noch etwas zusammen (das Wasser in dem Becken ging uns immer bis etwa zum Hals, je nachdem, wir groß die einzelnen Personen waren). Eine Frau wollte uns dann zeigen, mit welcher Übung sie gerade Probleme hatte (mit den kleinen Nudeln, in der Größe von Hanteln) und bei ihrer Bewegung bekam ich eine volle Ladung Wasser ins Gesicht. Ich hatte damit nicht gerechnet und habe mich total erschrocken, bin mächtig zusammen gezuckt. Daraufhin holte ich total spontan aus und nach dem Motto, Rache ist süß, bekam auch sie dann eine volle Ladung ab. Das kam bei mir total aus dem Reflex heraus. Die anderen meinten daraufhin, Hey super, eine Wasserschlacht, und stiegen sofort mit ein. Das ganze dauerte dann mehrere Minuten, wir hatten dabei Spaß und haben gelacht ohne Ende, bis schließlich ein Physiotherapeut zu uns kam und uns "ermahnte", nebenan würde ja die Therapie (die KG) weitergehen und unser lautes Platschen und Lachen würde bei der Therapie stören. Trotzdem war dieser Tag irgendwie schön (trotz dieser "Ermahnung"). 

TitelAutorDatumBesucher
Mi. 02. Dez. 2020PetraM03/12/2020 - 08:314
Di 01. Dez. 2020PetraM02/12/2020 - 09:1594
Mo. 30. Nov. 2020PetraM01/12/2020 - 09:0240
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Sa. 28. Nov. 2020PetraM29/11/2020 - 16:5057
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Do. 26.11.2020PetraM27/11/2020 - 08:0474
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