Freitag, 31.05.2013

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Am Donnerstag an Fronleichnam da fing in unserer Region die "Zeit" der Kirmes an. Das geht hier jetzt wieder "Reihe um", in fast allen Städten im Wechsel.

Früher habe ich mich immer auf die Kirmes gefreut, als Kind gab es für mich in den Sommermonaten fast nichts schöneres. Ich habe schon viele Wochen vorher darauf gewartet, dass es endlich soweit ist. Inzwischen mache ich mir fast gar nichts mehr daraus. Wenn wir im Urlaub sind und da gerade eine Kirmes ist, dann gehe ich mal kurz darüber, mal eben kurz die Atmosphäre "schnuppern", aber das war es dann auch schon.

Meine Eltern liebten die Kirmes, also meine Mutter heute noch. Meine Mutter geht allerdings nirgends drauf (ich inzwischen auch nicht mehr), außer auf das Kettenkarussel. Aber sie liebt Lose, sie kann an keinem Losstand vorbei gehen (das ist bei ihr noch heute so). Ich weiß nicht mehr, was sie damals alles gewonnen hat, so einige super große Teddys (die dann im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer in der Ecke auf dem Boden saßen), große Pflanzen und jede Menge "Trostpreise", Stifte und Spielzeug ohne Ende. Abgesehen von den Fahrgeschäften macht sie fast alles mit. Egal ob dieses "Fädenziehen", "Entenangeln", mit Pfeile auf Luftballons zielen usw. und bei allen Sachen hat sie immer einen relativ großen Erfolg. 

Mein Vater war dagegen super mutig. Er ging auf absolut alles drauf und zog mich als Kind dann immer mit. Als Kind habe ich tatsächlich noch alles mitgemacht, aber umso älter ich geworden bin, umso ängstlicher bin ich dann irgendwie geworden, bis ich schließlich nirgends mehr drauf gegangen bin. Wir waren damals auf so einigen Achterbahnen (aber ohne Loopings, Kopfüber habe ich mich nicht getraut), auf der Krake (darauf war mein Vater am liebsten), auf der Raupe, auf dem Wikingerschiff (darauf wollte mein Vater immer unbedingt ganz hinten, in der letzten Reihe sitzen....), auf dem Autoscooter usw. (darauf habe ich mir mal ganz derbe am Lenkrad die Stirn gestoßen, das war ein mega-dicker blauer Fleck). 

Umso älter ich wurde, umso weniger habe ich dort dann mitgemacht. In der Schulzeit war das Schönste an der Kirmes, dass sie immer kurz vor den Sommerferien war. In der Schule war kaum noch was los, kaum noch Hausaufgaben, da hat sich dann immer fast die ganze Klasse dort getroffen. Da hatten wir dann immer total viel Spaß. Am letzten Abend (immer Sonntags) gab es zum Abschluss dann ein großes Höhenfeuerwerk. Auch wenn das immer erst gegen 23 Uhr anfing, daran durften wir jedes Jahr teilnehmen (danach haben uns unsere Eltern dort dann immer abgeholt, den Treffpunkt auf einem Parkplatz haben wir vorher immer abgesprochen). An diese Kirmes, wenn wir uns da alle getroffen haben, habe ich nur schöne Erinnerungen. Das war Mitte der 80er Jahre. 

Ja, als Kind war ich viel mutiger als heute. Wenn ich bedenke, was ich früher alles gemacht habe, davon traue ich mir heute die meisten Sachen so gar nicht mehr zu. 

Zum einen das Schlittschuhlaufen, was ich mir im Fernsehen ja fast schon "Stundenlang" angucken kann (ich finde die gleitenden Bewegungen auf dem Eis einfach nur super schön). Etwa in der 3. oder 4. Klasse wollte ich das ja auch lernen, aber dank meines "tollen" Gleichgewichtes, womit ich ja heute bei den Übungen immer noch mächtig zu kämpfen habe, konnte ich mich auf den Kufen absolut nicht gerade halten. Gar keine Chance, das habe ich nach einmaligem Versuch direkt wieder aufgegeben. 

Oder auch das Skilaufen. Mein Vater hat im Winterurlaub immer kilometerlangen Skilanglauf gemacht. Wenn er sich im Fernsehen den Weitsprung angeguckt hat, dann habe ich dabei sehr häufig mitgeguckt. In einem Urlaub wollte ich das dann auch mal ausprobieren, aber das war gar nichts für mich. Sobald ich ins Rutschen kam hatte ich Angst, dass ich die Kontrolle verlieren würde. Ich ließ mich dann jedes Mal einfach auf den Po fallen, bis mein Vater schließlich so entnervt war, dass er es aufgegeben hat (es mir beizubringen). Das hätte keinen Zweck gehabt, dafür bin ich viel zu unsicher, viel zu ängstlich. 

Aber immerhin war ich damals beim Rollschuhlaufen relativ gut, hatte das ziemlich gut unter Kontrolle. Zumindest abgesehen von den vielen blauen Flecken, wenn ich beim falschen Bremsen mal wieder sehr "unsanft" auf dem Bürgersteig gelandet bin.

Ja, und die Sache mit dem Fahrradfahren, das ist wirklich eine "Schande" (weil in unserer Garage ja seit 2 Jahren ein ganz neues Fahrrad steht, das mein Freund mir geschenkt hat). Als Kind und Jugendliche kam ich damit super gut klar, war täglich damit unterwegs, kannte bei uns jeden kleinen Weg. Damit habe ich damals keinen einzigen Unfall gebaut. Meine Mutter hatte immer vollstes Vertrauen, wenn ich damit unterwegs gewesen bin. Mein Vater hatte damals zwar reichlich Mühe, als er es mir beigebracht hat, bis ich es dann endlich konnte, aber damals haben meine Eltern immer gesagt, dass es Sachen im Leben gibt, die müsste man nur "ein Mal" lernen, die würde man dann nie im Leben wieder verlernen. Das würde "auf den Körper" übergehen und egal wie lange Pausen man damit dann mal machen würde (auch über Jahre), sobald man damit dann wieder loslegt wäre es so, als wenn man damit nie aufgehört hätte......

Nun gut, dass das so nicht stimmt, dass man im Prinzip alles wieder verlernen kann, dafür bin ich wirklich das beste Beispiel....... Zum einen das Fahrradfahren. Mit Anfang 20, als ich mit meinem Freund noch relativ "frisch" zusammen war (erst ein paar Jahre), da haben wir zusammen noch viele Ausflüge mit dem Fahrrad gemacht. Damals hatte er noch keinen Führerschein (den hat er erst ein paar Jahre später gemacht), ich hatte zwar schonen meinen Führerschein, bin aber von Anfang an nicht gerne gefahren. Am Wochenende "einfach so" eine Fahrt ins Grüne, also ohne Ziel, das war gar nichts für mich. Auf unbekannten Strecken war ich von Anfang an immer total unsicher und ängstlich. Meine Mutter ist dann immer hingegangen und ist mit mir zusammen die Strecken abgefahren, die ich demnächst dann alleine fahren musste (z. B. zur Arbeit). Dann konnte ich mir schon mal angucken, worauf ich achten musste. Welche Schilder auf der Strecke sind und wo ich mich einordnen musste. Wenn ich die Strecke dann mehrmals gefahren bin, dann wurde ich mit der Zeit immer sicherer. Aber sobald dort dann mal eine andere "Streckenführung" war, z. B. durch eine Baustelle, dann wurde ich so nervös, dass ich schon als reines "Nervenbündel" am Ziel angekommen bin (den Rest des Tages konnte man mich dann vergessen). Einmal, als eine größere Baustelle war, da war ich völlig überfordert. Vor lauter Angst und Aufregung fing ich dann total an zu zittern, fuhr einfach rechts ran, habe dort geparkt und bin den Rest mit dem Bus gefahren. Ich habe meiner Mutter dann Bescheid gesagt und wir haben uns abends dann am Auto getroffen, damit sie es wieder aus der Baustelle rausfahren konnte. 

Also ganz ehrlich, auch wenn viele zu mir sagen, dass sie das Fahren an meiner Stelle niemals ganz aufgegeben hätten, es immer und immer wieder versucht hätten, bis sie irgendwann sicherer geworden wären, ich glaube immer noch, dass es für mich persönlich die beste Entscheidung gewesen ist, dass ich damit aufgehört habe (ich hatte mehr als genug Unfälle, in erster Linie Auffahr-Unfälle). Das liegt mir halt einfach nicht, die Angst vor dem Fahren macht mich seelisch höchstens total "kaputt". 

Ja, und da das Fahren für mich damals nur eine "lästige Pflicht" gewesen ist, um von A nach B zu kommen, deswegen waren wir damals eine Zeitlang an den Wochenenden sehr viel mit Fahrrädern unterwegs. Aber dann hat mein Freund schließlich den Führerschein fürs Motorrad gemacht (noch vor dem Autoführerschein) und von da an bekam ich ihn dann nicht mehr aufs Fahrrad. In den ersten Jahren hat er mich damit noch mitgenommen, da haben wir viele Ausflüge damit gemacht. Aber im Laufe der Zeit hatten wir damit dann auch ein paar Unfälle, zum Glück nichts schlimmes, immer nur blaue Flecke oder etwas Hautabschürfungen. Aber schließlich wurde es meinem Freund dann zu gefährlich. Er hatte Angst, dass mal ein richtiger Unfall passieren könnte (daran bräuchten wir dann ja noch nichtmals selber Schuld zu sein....), dafür wollte er die Verantwortung nicht übernommen. Er nahm mich dann niemehr mit (bis heute nicht mehr, inzwischen hat er auch gar kein Motorrad mehr) und machte dann stattdessen den Autoführerschein, damit wir dann weiterhin an den Wochenenden was zusammen machen können. 

Ja, und als ich vor ein paar Jahren dann sagte, dass ich gerne mal wieder draußen Fahrradfahren möchte (meinen Hometrainer im Schlafzimmer habe ich ja schon seit einigen Jahren), da hat er mir sofort ein neues Fahrrad geschenkt. Vor zwei Jahren habe ich damit dann ja mal geübt, was völig schief gegangen ist. Ich hatte (so wie beim Autofahren) Angst "Gas" zu geben, war mehr am Bremsen als alles andere (allerdings nicht mit der Bremse am Fahrrad, sondern mit den Füßen, mit den Fersen auf dem Boden) und mir fehlte in den Armen auch die Kraft, den Lenker dabei richtig zu halten, etwas dabei zu lenken. Meine Arme zitterten dabei wie "Espenlaub", ich hatte sie absolut nicht unter Kontrolle. Schließlich gab ich es völlig entnervt auf, fing vor Aufregung noch an zu weinen und hatte seitdem mein Fahrrad nicht mehr in der Hand (es steht die ganze Zeit in der Garage). Ich hoffe, dass ich irgendwann noch mal den Mut dazu finde, einen neuen Versucht damit zu starten. Ganz möchte ich dieses Thema nicht aufgeben. 

Das Gleiche ist ja auch mit dem Thema Schwimmen (das ich zunächst "auf Eis" gelegt habe). Als ich als Kind in der Schwimmgruppe war, da konnte ich es immerhin, habe damals ja zumindest das "Seepferdchen" und den "Freischwimmer" geschafft. Auch wenn ich dabei immer sehr langsam gewesen bin, trotzdem klappte bei mir alles richtig. In der Schule habe ich in den ersten Jahren ja auch daran teilgenommen, bis nach dem Sprung die Sache unter Wasser passiert ist, als ich die Orientierung verloren habe, danach bin ich dann ja nie mehr zum Schul-Schwimmen gegangen. Dank meines Attestes wegen dem Rücken konnte ich mich davor dann immer sehr gut drücken. Es hat deswegen nie irgendwelche Probleme gegeben (meine Lehrerin war darin sehr locker). 

Wenn wir nach der Schule im Freibad waren, da war ich ja nur noch gelegentlich im Wasser, die meiste Zeit saß ich auf der Decke und habe freiwillig auf die Sachen von den Anderen aufgepasst. Hin und wieder waren meine Klassenkameraden sehr hartnäckig und haben mich dann überredet, doch mal mit ins Wasser zu kommen (was aber selten gewesen ist). Meistens blieb ich dann aber im niedrigen Bereich, dort fühlte ich mich einfach sicherer oder schwamm höchstens mal eine bis zwei Bahnen. Etwa zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr war ich dann gar nicht mehr Schwimmen. 

Dann sprach meine Mutter mich ja an, dass ich in der Sommerzeit mal mit in meinen alten Verein gegangen bin (nur ein paar Mal). Das Schönste daran war, dass ich dort nach so langer Zeit meine damalige Schwimmlehrerin mal wieder getroffen habe. Ich habe das Schwimmen ja mit etwa 4 oder 5 Jahren, also noch vor der Grundschule gelernt. Sie ist eine total nette, das war schön, sie mal wieder zu sehen, mal wieder mit ihr reden zu können. Ja, und sie hat dann sofort gesehen, dass bei meinen Bewegungen was nicht stimmt, dass ich die Beine inzwischen falsch bewege. Soviel zum Thema, dass man auch das Schwimmen nie mehr verlernen könnte.....Sie wollte es mir dann ja nochmals richtig beibringen, aber nach 2 oder 3 Mal bin ich dort dann ja (aus anderen Gründen, nicht wegen der Probleme mit dem Schwimmen) nicht mehr hingegangen. 

Danach bin ich etwa 5 Jahre lang nicht mehr geschwommen. Mit Anfang 40 war ich dann in dem anderen KG-Institut, wo ich ja auch zur Wassergymnastik gegangen bin (einmal wöchentlich). Erst nachdem ich Ende 2010 zur Reha war und dort fast täglich im Wasser war, was mir für meinen Körper, für meinen Rücken total gut getan hat, wollte ich auch hier zu Hause mal wieder mehr ins Wasser gehen. Ende 2010 (also nach der Reha) bis Ende 2011 (bis ich aus verschiedenen Gründen im früheren Institut aufgehört habe) war ich dann 3 mal wöchentlich im Wasser. Ich bin dort sehr viel geschwommen, aber nur, wenn ich alleine war. Dort war ich fast immer alleine im Wasser. Wenn mal ein Saunagänger dazu gekommen ist, dann habe ich mir eine Nudel geschnappt (die lagen dort immer am Rand rum) und habe damit ein paar Übungen gemacht, die ich von der Wassergymnastik her kenne. Und sobald ich wieder alleine war, bin ich wieder etwas geschwommen. Dann konnte es wenigstens keiner sehen, wenn ich nur im "Zeitlupentempo" voran gekommen bin. 

Danach war ich dann wieder ein Jahr lang nicht im Wasser (von Oktober 2011 bis November 2012), bis ich in der jetzigen Gruppe mit der Wassergymnastik wieder angefangen habe. Hin und wieder schwimme ich nach der Wassergymnastik zwar ein paar Bahnen, aber da ich dort (im Verein) in dem kleinen Becken nie alleine bin, ist mir das einfach zu peinlich. Die Anderen dort sind zum Teil alles gute bis sehr gute Schwimmer und wenn ich es dann gelegentlich versuche, so wie vor zwei Wochen auch wieder, und dabei kaum von der Stelle komme, dann ist mir das einfach nur viel zu peinlich. 

Ja, rein theoretisch kann man im Leben wirklich alles wieder verlernen. Mir soll kein Mensch mehr sagen, dass es Dinge gibt, die man nur einmal lernen muss und die man dann für immer kann. 

 

TitelAutorDatumBesucher
Mo. 27.01.2020PetraM28/01/2020 - 02:535
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