Mi. 20-09-2017

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Heute war nicht so ganz mein Tag. Ich habe heute sehr viel an meine Mutter, an verschiedene Situationen gedacht. Es ging total Auf und Ab. Deswegen bin ich hier ja auch nicht so gerne alleine. Auch wenn es hin und wieder schön ist, mal alleine zu sein, es ist besser, wenn mein Freund auch hier. Sonst komme ich, so wie heute, zu viel ins grübeln. Und schon laufen bei mir dann wieder ein paar Tränen.

Aber trotzdem habe ich mich heute mit dem Haushalt gut abgelenkt, habe mit Wäsche und Aufräumen einen ganzen Schwung geschafft (bin mit den geplanten Sachen gut voran gekommen).

Zwischendurch war ich auch mehrmals im Internet. Dort habe ich einen Ausschnitt von einer Nachrichtensendung gesehen, bei dem die Moderatorin einen kleinen Lachanfall bekommt. Das fand ich total gut. Das ist mir im Büro auch schon ein paar Mal passiert. Wenn ich erst mal so richtig loslache, dann dauert es immer ein bisschen, bis ich mich wieder richtig beruhigt habe. Auch im Rahmen der Telefonzentrale ist es mir schon passiert. Ich hatte schon so gute Versprecher dabei, dass ich danach vor Lachen nicht mehr reden konnte, dass eine Kollegin kurz die Zentrale übernehmen musste (Grins). Aber besser einen Lachanfall bekommen, als wenn man (aus welchen Gründen auch immer) weinen muss.

http://www.sr.de/sr/home/sport/lachanfall_mara_thellmann100.html

Auf der Waage habe ich zur Zeit bei rund 65 kg einen "Stillstand", das hat sich irgendwie so eingependelt. Aber ich nehme an, dass ich das, wenn ich erst mal wieder Arbeiten bin, wieder in den Griff bekommen werde. Auch wenn ich hier beim Haushalt viel durch die Wohnung laufe, mit meinem Arbeitsalltag kann man es nicht vergleichen. Urlaub ist halt Urlaub.

Sport habe ich heute Abend keinen mehr gemacht. Der "innere Schweinehund" hat heute gewonnen. Ich konnte mich absolut nicht aufraffen. Aber morgen Mittag habe ich eh wieder Training und für die nächsten Tage plane ich das Fahrradfahren usw. auf jeden Fall wieder ein. So ein sportlicher Ruhetag wird schon nicht schlimm sein. Ich bin halt auch "nur ein Mensch" und kann halt auch mal einen "Hänger" bzw. "Durchhänger" haben.

Heute Mittag habe ich zunächst etwas gelesen. In dem aktuellen Artikel (Krimi) ging es ausgerechnet gerade um eine Sterbeszene. Sehr detailliert beschrieben, im Krankenhaus usw. Ich sah natürlich sofort meine Mutter vor mir, ihre letzten Tage, die letzten Gespräche, der letzte Besuch im Sterbezimmer (als sie im Wachkoma lag) und schon liefen bei mir die Tränen (mein Freund war ja Arbeiten).

Ich wollte mich dann mit Computer bzw. Internet ablenken, aber dabei ergab sich eine Situation, die bei mir sehr viel Erinnerungen geweckt hat.

Meine Mutter wollte mich immer und überall in einem "guten Licht" dastehen lassen. Ich sollte immer die Liebe, Nette und Hilfsbereite sein. Dass ich aber ein eigenes Leben habe, auch eigene Entscheidungen fällen möchte, das konnte sie nie akzeptieren. Auch wenn es um Bekannte und Verwandte geht. Ein paar sind wirklich total lieb und nett, zu denen habe ich (übers Internet) immer noch einen lockeren Kontakt (den ich auch beibehalten werde). Aber ein paar Andere, unter anderem meine beiden Tanten (die Schwestern von meiner Mutter und von meinem Vater), die konnte ich (aus verschiedenen Gründen) noch nie so richtig leiden. Sobald ich erwachsen war, habe ich zu denen den Kontakt abgebrochen.

Das konnte meine Mutter aber nie akzeptieren.

Meinen Freund mochte meine Mutter nie so richtig (erst im Krankenhaus, auf dem Sterbebett, hat sie ihn langsam so akzeptiert, wie er ist). Sie fand immer, dass er mir zu ähnlich ist. Sie wollte für mich einen Freund haben, der viel mit mir unternimmt, mich immer wieder "aus der Reserve lockt", mich überall mit hin nimmt. So wie sie früher immer Freundinnen für mich angeschleppt hat, die viel mit mir unternehmen sollten (was mich immer genervt hat), so wollte sie für mich einen Freund, der das zukünftig übernimmt.

Mein Freund ist aber (zum Glück) genauso still wie ich (mit so einem lebhaften Partner würde ich gar nicht klar kommen). Ja, und immer, wenn ich etwas abgesagt habe (dass ich z. B. nicht zu meiner Tante wollte, den Kontakt zu ihr abgebrochen habe), dann sollte ich trotzdem als das "liebe Mädchen" dastehen und sie schob immer meinen Freund vor. Mein Freund wolle es nicht, dass ich den Kontakt aufrecht erhalte. Er hätte was dagegen und würde mich "unter Druck setzen", um mich von denen (von meiner Tante usw.) fern zu halten.

Solche Situationen hatten wir früher des Öfteren (also solche Gespräche). Darüber habe ich mich jedes Mal total aufgeregt. Ich habe ihr öfters gesagt, sie solle endlich diese blöde Lügerei lassen. Ich kann selber entscheiden, mit wem ich reden möchte, mit wem ich mich treffen möchte. Mein Freund hat damit gar nichts zu tun. Das ist alleine meine Entscheidung. Aber meine Mutter blieb dabei. Bei allen Geburtstagen, zu denen ich nicht gegangen bin, hat sie erzählt, dass ich ja eigentlich kommen wollte, aber mein Freund es mir verboten hätte. Eine völlig unmögliche Situation.

Wie ich jetzt wieder darauf komme? Meine Tante ist auch bei Facebook. Ich habe vor vielen Jahren den Kontakt zu ihr abgebrochen. Sie ist damals ihrem Mann (meinem sehr lieben Onkel) fremd gegangen (hat ihn Hals über Kopf verlassen) und hat dann überall rumerzählt, dass er schwul sei, sie schlagen würde, sie ihn deswegen so Hals über Kopf verlassen musste.

Das war völliger Blödsinn. Er war ein ganz lieber (ist vor Jahren an Krebs gestorben). Ich hatte noch länger Kontakt zu ihm. Er hat neu geheiratet, hat zwei Töchter bekommen.

Ich kann es nicht haben, wenn jemand so lügt, nicht zu sich, zu seinem Leben, zu seinen Entscheidungen stehen kann. Ich habe dann den Kontakt zu ihr abgebrochen.

Meine Mutter war dann immer am Drängeln, dass ich mich zumindest über Facebook mit ihr befreunden soll. Sie sei doch schließlich meine Tante (die Schwester von meinem Vater). Sie ließ nicht locker, bis ich die Freundschaftsanfrage schließlich annahm.

Nachdem meine Mutter gestorben ist, habe ich es ihr nur kurz mitgeteilt (damit sie Bescheid weiß), habe die Freundschaft zu ihr dann aber auch sofort beendet.

Bis dahin hatte sie Fotos und Filme nur für Freunde freigegeben. Ja, und heute (ich war neugierig, war kurz auf ihrer Seite) da sah ich dann plötzlich, dass sie alles frei/öffentlich gemacht hat. Mein Freund ist meiner Meinung. Meine Tante denkt bestimmt, dass mein Freund "Druck" gemacht hätte, dass ich die Freundschaft zu ihr beenden soll. Damit ich trotzdem weiterhin an ihrem Leben teilnehmen kann, hat sie jetzt alles öffentlich gemacht.

Ja, und in dem Moment fielen mir dann sofort unzählige Situationen mit meiner Mutter wieder ein. Zum einen, wie oft sie meinen Freund vor allen schlecht gemacht hat (weil ich doch die Liebe bin), aber auch, wie oft sie ständig gelogen hat, immer alles total übertrieben hat. Man wusste bei ihr wirklich nie, woran man ist. Was stimmt wirklich bzw. womit übertreibt sie jetzt mal wieder.

Heute Abend, als mein Freund dann nach Hause kam, da fielen uns noch die ganzen Vergleiche ein, bei denen wir immer negativ dastanden. Wir waren beide immer die Doofen sozusagen.

Das fing schon in der Schulzeit, schon in der Grundschule an. Ich war immer still, nie die Klassenbeste. Und darauf ritt meine Mutter immerzu herum. Egal, wie sehr ich mich angestrengt habe, ständig die Vergleiche, dass die Anderen besser sind als ich. Und wenn ich endlich mal was gut geschafft hatte, dann hieß es sofort, dass die Anderen das aber letztens schon geschafft hatten, warum ich dafür so lange gebraucht hätte. So ging es die ganze Schulzeit hindurch.

Und als ich nach dem Wechsel auf die Gesamtschule (von der Real auf die Gesamtschule) gar nicht mehr mitgekommen bin, da hat sie ja sofort Nachhilfe (für so ziemlich alle Fächer) organisiert (bis auf Mathe und Physik, darum hat sich ja mein Vater gekümmert).

Das Dumme war nur, dass ich die gleiche Nachhilfe in Französisch hatte, wie meine Nachbarin (also ein Mädchen aus meiner Klasse, unsere Mütter waren eng befreundet). Auch dabei waren die Vergleiche schrecklich. Ich lese ja alles so, wie es geschrieben ist, habe mit Englisch schon genug Probleme. Bei Französisch ist das noch schlimmer. Damit hatte ich noch mehr Probleme. Ja, aber das andere Mädchen konnte es viel besser, das bekam ich Tag für Tag "aufs Butterbrot geschmiert". Streng dich mal mehr an, die Andere ist schon viel besser als du.

In "Textilgestaltung" war ich auch mit diesem Mädchen in einer Klasse (so ein Wahlpflichtfach, diese Fächer haben meine Eltern für mich ausgesucht). Sie war viel besser, viel schneller darin als ich. Also schnappte sich meine Mutter alle meine "Hausaufgaben" und hat es über Nacht für mich fertig gemacht. Egal ob Nähen, Häkeln, Stricken, Flechten, Sticken usw. und so fort. Ich habe alles nur "andeutungsweise" in der Schule geübt, aber zu Hause (das kannst du eh nicht.....) hat meine Mutter es dann fertig gemacht, damit ich darin zumindest eine gute Note bekomme.

Direkt nach der Schule, als meine Ausbildung anfing, habe ich dann ja meinen Freund kennengelernt. Damit ging es dann heftig weiter. Wir beide haben uns unser Leben eingerichtet, so wie es uns gefällt. Still und zurückgezogen sozusagen. Das hat meiner Mutter aber nie gepasst. Die meisten Schwiegersöhne (von ihren Bekannten und Nachbarn) haben mit der Mutter bzw. der Familie der Freundin einiges zusammen unternommen. Das wollten wir beide aber nicht. Ja, und vom ersten Tag an hat meine Mutter dann überall herum erzählt, dass ich es ja möchte (mich am liebsten täglich mit ihr treffen möchte), aber mein Freund hätte was dagegen. Alles Reden, dass wir beide still sind, unsere Ruhe haben möchten, hat nicht geholfen. Sie blieb die ganzen Jahre dabei, mein Freund setzt mich unter Druck, ich darf nicht mehr rausgehen.

Bei allen Treffen (Geburtstagen, Weihnachten) war es für meinen Freund ganz schlimm (darüber haben wir heute Abend noch gesprochen). Ständige Vergleiche mit anderen Schwiegersöhnen. Die haben das und jenes zusammen gemacht (mit der Mutter), warum er das nicht auch mit ihr zusammen machen würde. Mein Freund fühlte sich ständig unter Druck gesetzt. Bei jedem Treffen kamen neue Vorwürfe, dass er zu still sei, mich mehr fordern bzw. heraus locken solle.

Auch ganz schlimm, dass wir keine Kinder haben. Alle haben Enkel, können mit denen spielen, aber wir haben ihr keine Enkel geschenkt. Also wenn überhaupt dann hätte ich Kinder für mich bekommen und nicht, um sie meiner Mutter zu schenken.

Alle haben ihre Töchter zum Traualtar begleitet, aber diese Freude haben wir ihr verwehrt (weil wir ja bis heute nicht verheiratet sind).

Immer nur Sie, Sie, Sie. Nie die Frage, was wir wollen, wie wir unser Leben gestalten wollen, was uns gefällt. Immer nur Sie, Sie, Sie.

Ja, das war für mich heute seelisch ein heftiges Auf und Ab der Gedanken und Gefühle, als diese ganzen Erinnerungen in mir wieder hochgekommen sind.

Heute Abend haben wir dann noch Markus Lanz sowie eine weitere Talkrunde gesehen (Maischberger). Aktuell dreht sich ja alles um die Politik. Zum Teil sind wirklich interessante Meinungen und Ansichten dabei.

Ja, und dann die Nachrichten. Das Erdbeben in Mexiko, schon über 200 Tote, Tendenz steigend. Und so labil, wie ich heute mit meinen ganzen Gedanken war, muss ich dabei dann natürlich mit den Tränen kämpfen. Schon alleine bei den Bildern von der eingestürzten Grundschule, wo die Eltern wartend davor stehen. Ein paar Kinder wurden ja noch lebend gerettet, aber die meisten sind gestorben. Ganz schrecklich.

So, morgen Vormittag hat mein Freund jetzt erst mal den Arzttermin (mit dem Belastungs-EKG usw.) und am frühen Nachmittag (wenn er dann wieder Arbeiten ist) habe ich dann meinen Sport, also mein Training. Sport tut mir immer gut, um wieder auf andere Gedanken zu kommen. Dabei muss ich mich immer auf die richtige Körperhaltung konzentrieren, so dass ich mich dabei so richtig schön auspowern kann. Das tut seelisch bei solchen Depri-Gedanken immer wieder so richtig gut.

TitelAutorDatumBesucher
So. 10. Dez. 2017PetraM11/12/2017 - 02:369
Sa. 09. Dez. 2017PetraM10/12/2017 - 14:2713
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