Mittwoch, 28.11.2012 KG + Training

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 Heute Abend bin ich mächtig kaputt. Kein Wunder, die Therapie war mal wieder sehr intensiv. Die Beine merke ich seitdem wieder deutlich mehr. 

Im Moment bin ich innerlich total nervös. Morgen Abend ist doch die Weihnachtsfeier von dem Schwimmverein und ich will auf jeden Fall dorthin gehen. Wenn morgen ganz normal Wassergymnastik wäre, dann wäre es kein Problem, dabei kann man sich halt schön "in die Ecke verdrücken". Natürlich kann man auch dort auffallen, ein wirkliches "Verstecken" ist das natürlich nicht. Wenn das Becken größer bzw. auch die Gruppe deutlich größer wäre, dann würde man dazwischen wesentlich weniger auffallen, aber dass so ein Becken bzw. auch die Gruppe (auch wenn mal rund 15 Personen anwesend sind) relativ übersichtlich ist, das habe ich immer schon im früheren Institut gemerkt. Die Therapeuten hatten ihre Augen irgendwie überall und sobald man einen Fehler gemacht hat (z. B. die Nudel falsch gehalten hat), wurde man angesprochen. Denen ist irgendwie so gut wie nichts entgangen. Aber trotzdem kann man sich in so einem Becken halt in die hinterste Ecke "zurückziehen", was morgen bei der Weihnachtsfeier an einem Tisch halt nicht so wirklich möglich ist.

Bezüglich Kontakte knüpfen fiel mir auch mal wieder eine Situation aus der Reha (Ende 2010) ein. Therapiemäßig war das für mich mit Abstand die schlimmste Zeit. Den Satz, dass ich dort die "schlechteste und schwächste" Patienten war, die sie je dort in Behandlung hatten, den habe ich von allen Physiotherapeuten so ziemlich täglich gehört. 

In 3 Wochen habe ich es nicht geschafft, dort Kontakte bzw. "Mini-Freundschaften" zu knüpfen. Ich habe mich zwar mit allen, die an meinem Tisch saßen, gut verstanden, aber halt nur während des Essens, ansonsten hatten wir keinen Kontakt. Vorher hatte ich schon etwas Depressionen, einfach Angst vor der Zukunft, mit dieser Erkrankung auf Dauer leben zu müssen. Ständig auf Sport angewiesen zu sein, dass Sport auf Dauer in meinem Leben eine absolute "Nr. 1 Stellung" annehmen müsse. Zum Glück konnte ich dieses Denken im Laufe der Zeit dann insoweit "umwandeln", dass ich den Sport, also die Therapie, inzwischen als mein Hobby ansehe, dadurch macht es dann auch deutlich mehr Spaß. 

Ja, die Reha hat mich seelisch völlig runtergezogen. Danach ging es seelisch mit mir immer weiter bergab. In der Reha habe ich zwei nette Frauen (ungefähr in meinem Alter) kennengelernt. Die Beiden wollten täglich Schwimmen gehen. Ich ging mehrmals mit ins Schwimmbad, ein paar Abende lang. Das war sehr schön, wir hatten dort sehr viel Spaß. Ja, aber Schwimmen macht mir zwar Spaß, ist jedoch nicht mein größtes Hobby. Nach ein paar Tagen wollte ich abends endlich mal wieder Fahrrad fahren. Ich ging dann ein paar Tage lang abends in den Geräteraum zum Fahren. In dem Moment, als ich nicht mehr zum Schwimmen ging, war ich bei den beiden Frauen "abgemeldet". 

Dann stand das Wochenende vor der Türe, Samstag Abend. Die Anderen hatten sich zuvor grüppchenweise bereits verabredet (zu verschiedenen Unternehmungen außerhalb des Reha-Gebäudes). Am Tisch, beim Abendessen, saßen wir alle noch locker zusammen. Danach gingen wir alle zusammen durch die große "Empfangshalle" (wo sich ja auch die Aufzüge befanden). Ja, und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Die Anderen bildeten ruckzuck ihre Grüppchen  (ich war natürlich nirgends mit eingeplant) und zogen los, regelrecht "Sternenförmig" in alle Richtungen, und ich blieb alleine in der Mitte stehen. So alleine, wie in diesem Moment, habe ich mich bis dahin noch nie im Leben gefühlt. Mein Wochenende war gelaufen. Ich rannte direkt auf mein Zimmer, brach dort in Tränen aus, konnte mich nicht mehr beruhigen und blieb dort bis zum nächsten Mittag (aufs Frühstück habe ich verzichtet, mit den roten Augen wollte ich lieber alleine sein). Ja, aber das war halt eine typische Situation in meinem Leben, wovon es auch weitere noch gibt, überwiegend aus der Schulzeit (wenn im Sport für Übungen "Gruppen" gebildet werden sollten und man als letzte in der Mitte stehen bleibt, von der Lehrerin dann schließlich einer Gruppe "zugeordnet" wird, ein super blödes Gefühl, das mir damals öfter passiert ist). Solche Situationen prägen einen halt. Umso öfter einem so etwas passiert, umso ängstlicher und schüchterner wird man halt (zumindest ist das bei mir so). 

Auf der Arbeit ist mir das ja auch passiert. Außer meiner Abteilung kenne ich dort kaum jemanden. Man kennt sich flüchtig, grüßt sich kurz mit Hallo, aber das war es dann auch schon. Ich meine, das wäre auch 2010 gewesen. Ich war mit einer Kollegin zusammen auf der Karnevalsfeier. Die anderen Kollegen wollten eigentlich zum Teil auch kommen, haben aber alle letztendlich abgesagt. Erst war es dort total schön, wir hatten sehr viel Spaß. Ja, aber meine Kollegin kennt dort sehr viel mehr Kollegen (aus den anderen Abteilungen) als ich. Sie ging dann "kurz" weg und traf immer mehr Kollegen, mit denen sie sich unterhalten hat. Ja, wie könnte es anders sein. Ich stand dann dort alleine und bekam mal wieder keinen Kontakt, also hatte keinen Mut, andere anzusprechen. Das beklemmende Gefühl, die innere Angst (alleine zu sein) wurde von Minute zu Minute größer. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort alleine gestanden habe. Irgendwann konnte ich nicht mehr und bin in mein Büro zurück gegangen. Als ich dieses Jahr dann auf die Karnevalsfeier angesprochen worden bin, habe ich strikt abgelehnt. Ich hatte Angst davor, dass sich diese Situation wiederholen könnte. In manchen Situationen bin ich halt leider "zu still für diese Welt", wie ich es immer nenne. 

Solche Situationen wiederholen sich in meinem Leben immer wieder. Deswegen wollte ich morgen auch nicht an der Weihnachtsfeier teilnehmen. Ich habe halt Angst davor, dass ich dann auch dort alleine bin und, keinen Kontakt bekomme. Mein Freund hat schon gesagt, dass ich "notfalls" ja schließlich mein Handy habe. Er ist zu Hause. Ein Anruf genügt und in etwa 5 Minuten ist er dort und holt mich ab. Die Gruppenleiterin von der Wassergymnastik hat mich letzte Woche halt etwas "überrumpelt". Sie hat eine so angenehme lockere Art, hat mich schließlich "überredet" und mir Mut gemacht. Mal sehen, wie es morgen Abend dann läuft.

Ja, heute Abend war ich ja erst zur KG. Etwa 3/4 haben wir Übungen auf dem Mini-Trampolin gemacht, die restliche Zeit Schritte bzw. Bewegungen durch den Raum. Das Trampolin stand wieder zwischen den Stangen (vom Heck), wo ich mich allerdings nicht festhalten sollte. Nur im "Notfall" sozusagen. Ich war dabei mal wieder mächtig unsicher, am wackeln ohne Ende, konnte kaum ruhig stehen. Meine Therapeutin zeigte mir immer kurz eine Übung und stand dann hinter mir, teils um mich an der Hüfte etwas festzuhalten (zum Teil kam ich mächtig ins trudeln), teilweise auch um auf die richtige Bewegung von Armen und Beinen zu achten (und dass ich mich dabei nicht festhalte). 

Zuerst einige Bewegungen mit den Armen, im Prinzip die gleichen, die wir sonst immer beim Training mit den Hanteln machen. Bei der KG zwar ohne Hanteln, aber da ich bei jeder Bewegung auf dem Trampolin unsicherer wurde, fand ich das mit der Zeit immer schwerer. Das schlimmste war, mit den Füßen vor und zurück zu rollen, also vom Ballen zur Ferse, also weiterhin auf dem Trampolin. Ich war dabei am wackeln ohne Ende, konnte mich kaum noch halten. Danach auch noch ein paar Übungen mit den Beinen.

Das Laufen durch den Raum war auch intensiv. Es war ja kein "lockeres" Laufen, sondern dabei bestimmte Bewegungen. Mal die Füße extrem abrollen, mal die Knie vorne sehr hoch ziehen (beim laufen), mal die Füße zum Po hoch (ich hatte zum Teil erhebliche Gleichgewichtsprobleme, sollte die Arme aber dennoch möglichst locker hängen lassen). 

Das Training war dann auch sehr intensiv. Es bestand aus einem großen "Block", etwa 15 Minuten lang verschiedene Übungen, dann alles wiederholen. Unter anderem Bewegungen mit den mit "Sand gefüllten Hanteln" (den richtigen Namen dafür werde ich mir wohl nie merken). Damit habe ich eh immer mächtig zu kämpfen. Spannung und Schnelligkeit gleichzeitig, das klappt bei mir meistens nicht so richtig. Bei einer Übung gebe ich eh immer schnell auf, innerhalb einer Gruppe hätte ich es auch schon längst aufgegeben. Im Ausfallschritt stehen und mit diesen Hanteln vor und zurück. Durch die Bewegung der Arme kann ich das Gleichgewicht nicht halten. Außerdem halte ich dabei wohl grundsätzlich die Hanteln falsch, so dass man das Geräusch des Sandes dabei nicht hört. Die Übung habe ich längst aufgegeben, das hat bisher noch nie so richtig geklappt.

Die Unterarm-Liegestütze auf dem Kasten haben ziemlich gut geklappt, ebenso die Liegestütze auf der Matte (auf den Knien). Dagegen hatte ich mit Liegestütze auf dem Kasten (also mit den Händen auf dem Kasten) umso mehr Schwierigkeiten. Ich hatte dabei das Gefühl, dass ich mit den Armen kaum runter komme, geschweige denn vernünftig wieder hoch (das war deutlich schwerer als die auf der Matte).

Dann folgten noch mehrere Übungen auf dem Rücken liegend, gerade Crunches und auch die seitlichen (mit den Beinen im Wechsel anziehen und wegstrecken), was aber relativ gut geklappt hat. 

Auf der Arbeit habe ich mich übrigens bezüglich der Weihnachtsfeier erkundigt, wo sich das Restaurant genau befindet. Auch damit meine Kolleginnen merken, dass ich im Prinzip Interesse daran habe, ebenfalls daran teilzunehmen. Ob ich dann wirklich daran teilnehmen werde, das werde ich später erst entscheiden. Wenn es dann "zu spät" ist, dann habe ich halt Pech, Schicksal sozusagen. Wenn es nur um bestimmte Kolleginnen gehen würde, dann hätte ich dafür wahrscheinlich schon längst zugesagt. Ich habe im Moment halt Probleme mit meinem Chef und gehe ihm lieber aus dem Weg. Er hat etwas zu mir gesagt, was ich absolut nicht verarbeiten kann, fühle mich total ungerecht behandelt. Eventuell schreibe ich demnächst darüber noch mehr. 

So, mal sehen, wie es morgen Abend läuft. Einerseits freue ich mich schon darauf (sonst hätte mich die Leiterin auch nicht überreden können), aber andererseits habe ich halt dennoch Angst davor. Solche Situationen sind für mich immer eine große seelische Herausforderung. 

TitelAutorDatumBesucher
Di. 11. Dez. 2018PetraM12/12/2018 - 08:3917
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