Montag, 06.08.2012 KG

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 Heute Abend war ich seelisch nicht ganz so gut drauf. Als ich gehört habe, dass Silvia Seidel gestorben ist, tat es mir so richtig leid. Als damals die Serie Anna lief, da war ich ja noch eine aktive Hobby-Tänzerin, diese Serie war für mich deswegen ein absolutes Muss. Ich habe diese Serie und auch den nachfolgenden Film (basierend auf dieser Serie) geliebt, habe es mir im Laufe der Jahre unzählige Male angeguckt. Als ich vorhin dann gehört habe, dass sie tot ist, habe ich, noch bevor ich näheres darüber im Internet gelesen habe, sofort darauf getippt, dass sie Selbstmord gemacht macht. Ihre Mutter hat sich 1992 ja auch das Leben genommen und sie hat danach in vielen Interviews gesagt, dass sie über diesen Verlust nie hinweg gekommen ist. Depressionen sind halt eine unberechenbare und insbesondere auch schwer zu verstehende, schwer zu begreifende Krankheit, insbesondere auch für Außenstehende. Mit Silvia Seidel verbinde ich persönlich dieses Video (dieses Lied bzw. diesen Tanz), das ich mir ebenfalls schon viele Male angeguckt habe (damals habe ich es auch auf LP gehabt):

http://www.youtube.com/watch?v=D2rj7Zhr6pg

Ja, an meine Depressionen bin ich vorhin auch mal wieder "erinnert" worden. Ich hatte ja KG in Vertretung bei der Chefin des Instituts (weil meine Physiotherapeutin zur Zeit im Urlaub ist) und es war ganz schrecklich. Ich sage mal so, lieber 2 Stunden PT bei meinem Trainer als 30 Minuten KG bei dieser Therapeutin!!!!! Dieses heutige Training hat mich seelisch mächtig aufgewühlt, so dass ich anschließend dann sogar noch Fahrrad gefahren bin, ich wollte mir damit auch den Frust von der Seele radeln, bin heute in 37 Minuten mal wieder 9 Kilometer gefahren.

Um 17.35 Uhr hatte ich KG, kam pünktlich in den Therapieraum, sollte mich eben schnell umziehen. Sie wollte nur noch eben den Patienten vor mir verabschieden und wollte dann direkt kommen.... Um 17.40 Uhr kam sie dann und fragte, welche Übungen ich machen möchte. Spontan sagte ich mal wieder, etwas auf dem Rücken liegend. Auch wenn diese Übungen zum Teil sehr schwer sind, trotzdem mache ich sie halt am liebsten. Sie fragte mich dann, ob ich dort schon mal den "Übungsbogen" bekommen hätte, ein Blatt mit verschiedenen KG-Übungen. Das kannt ich bisher noch nicht. Ich sollte dann zum Warmwerden mit einer kleinen Übung beginnen, die Beine aufstellen, die Arme hinter den Kopf und dann immer wieder mit dem Oberkörper hoch, mit dem Ellenbogen zum gegengleichen Bein, wieder kurz ablegen und hoch zur anderen Seite. Sie wollte mal eben dieses Blatt holen, ich solle diese Übung so lange machen. Sie war dann 5 Minuten weg. 5 Minuten am Stück hielt ich diese Übung jedoch nicht durch, dafür fehlt mir die Kraft in Rücken und Bauch. Ich habe immer mal wieder ein paar Durchgänge gemacht, kurze Pause und die nächsten Durchgänge, bis sie schließlich wieder kam.

Sie hielt mir dann das Blatt mit den Übungen entgegen und meinte zu mir, ich solle es mir angucken und eine Übung nach der anderen davon abarbeiten. In dem Moment war ich dann etwas sprachlos, das habe ich auch noch nicht gehabt. Zu Hause habe ich auch so einige Bücher und Broschüren mit rückengerechten Übungen, auch in der Reha haben wir davon ein paar Unterlagen mitbekommen, aber diese nutze ich im Höchstfall als "Gedächtnisstütze", wenn ich mal alleine KG mache. Wenn ich zur Therapie gehe, dann gehe ich davon aus, dass sich der Therapeut um mich kümmert, mir Übungen vorgibt und dann darauf achtet, dass alles richtig läuft und nicht, dass man ein Blatt in die Hand gedrückt bekommt und diese Übungen dann "abarbeiten" soll. 

Natürlich gibt es mit Sicherheit viele Menschen, die diese Übungen täglich alleine bei sich zu Hause durchführen. Dass es bei mir jedoch immer noch sehr viele Defizite gibt, das merke ich bei jeder Therapie immer wieder aufs Neue, ich führe viele Übungen mangels Kraft nicht korrekt durch. Ganz abgesehen davon, dass mein "innerer Schweinehund" viel zu groß ist, bevor ich alleine Übungen mache, gehe ich lieber eine Stunde spülen oder Wäsche sortieren. Deswegen habe ich für mich persönlich ja entschieden, dass ich dauerhaft eine Therapie unter Anleitung haben möchte (KG und PT), was mir letztendlich viel mehr bringt. Ich bin ja auch bereit, dafür zu zahlen, hauptsache ich bekomme die entsprechende Hilfe. Aber mir dann einen Bogen mit Übungen in die Hand zu drücken, den ich abarbeiten soll, das hat mich dann wirklich sprachlos gemacht.

Es waren zuerst allgemeine Spannungsübungen, weiterhin die aufgestellten Beine, mit dem Oberkörper hochkommen und dann mit den Händen gegen ein Bein drücken, mal vors rechte, mal vors linke, mal vor beide gleichzeitig. Dann Becken nach vorne und hoch zur Brücke, oben etwas halten.

Ja, aber dann kamen die nächsten Probleme. Während der Brücke ein Bein möglichst hoch anheben und oben so lange wie möglich halten. Das kann ich immer noch nicht. Ich habe ja rund 3/4 Jahr gebraucht (2 mal wöchentliches Training), um es überhaupt zu schaffen, die Beine während der Brücke etwas anzuheben. Ich kann jetzt zwar auf der Stelle laufen, aber nur "schnell", langsames Laufen, also die Beine etwas länger in der Luft zu halten, das schaffe ich bis heute noch nicht. Ich sollte vorhin dann das rechte Bein 20 mal kurz anheben, danach das linke Bein.

Ja, aber dabei fingen ihre "blöden" Sprüche an, die ich völlig unpassend finde. Diese Sprüche haben mich sehr an die Reha erinnert, dort bekam ich diese Sprüche fast täglich von den Therapeuten zu hören. Was, das kannst du nicht, wieso kannst du das nicht, das ist doch so einfach, das kann doch jeder...... Als ich in der Reha war und meine Depressionen in "voller Blüte" standen, da bin ich bei solchen Sprüchen ständig in Tränen ausgebrochen. "Jeder andere Patient ist besser als Sie, wir hatten hier noch nie so eine schwache Patienten wie Sie....". Das hat mich seelisch unwahrscheinlich runter gezogen. Vorhin habe ich mich total zusammen gerissen, habe an meine bisherigen Erfolge gedacht (dass ich es jetzt halt überhaupt endlich schaffe, während der Brücke auf der Stelle zu laufen) und habe ganz ruhig zu ihr gesagt, dass ich deswegen schließlich dort in Behandlung bin, weil ich diese Defizite noch habe, wenn ich das alles locker könnte, dann wäre ich jetzt nicht dort. So hätte ich in der Reha, während der Depressionen niemals antworten können, aber wie es vorhin innerlich in mir ausgehen hat, das hat ja zum Glück keiner gesehen. Mich hat es auf jeden Fall mächtig aufgewühlt.

Dann ging es zu Übungen auf allen Vieren weiter, das Übliche, rechter Arm und linkes Bein weg strecken. Zuerst hat sie dabei jeweils das Bein korrigiert, dass ich es hoch genug anhebe (auf den Rücken hat sie während dieser Übung kein einziges Mal geachtet). Dann wurde sie auf den Arm aufmerksam. Der soll dabei ja bis in Höhe der Ohren angehoben werden (also die Übung, die ich gestern beim PT geübt habe). Das kann ich ja nicht, schaffe es nur bis zur Diagonalen. Dabei kamen von ihr dann die nächsten Sprüche, Arm höher anheben, noch höher, das geht, das kann doch jeder.... Als ich dann erwähnt habe, dass wir das bereits üben, da war sie ganz erstaunt, weil das doch wirklich jeder kann....... (Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn ich es endlich könnte!!!!)

Ja, und dann kam noch die "Hammerübung", die ich seit Monaten mit meinem Trainer übe, aus allen Vieren die Beine bis zur Streckung hochdrücken. Mit größter Kraftanstrengung und Zittern ohne Ende habe ich es vorhin geschafft, die Knie wenige Zentimeter vom Boden anzuheben. Natürlich kamen von ihr die nächsten Kommentare, dass das doch "soooo" einfach wäre, das könne doch jeder...!!!! 

Insgesamt haben wir heute dann sogar 30 Minuten KG gemacht (wir haben "überzogen", der nächste Patient musste dann 15 Minuten warten, bis wir fertig waren, gegen 18.15 Uhr). Ja, also wirklich viel hat mir das heutige Training nicht gebracht, abgesehen von der seelischen Aufregung. Dafür freue ich mich jetzt schon umso mehr auf Mittwoch, auf das nächste PT, das mir sicherlich doppelt und dreifach so viel bringen wird. 

Zumindest habe ich solche "blöden" Sprüche, wie vorhin, von meinem Trainer noch nie zu hören bekommen. Wenn er merkt, dass etwas nicht klappt, dann improvisiert er höchstens, es kommen dann andere Übungen für den gleichen Muskelbereich, aber ganz bestimmt keine Kommentare nach dem Motto, wie schwach ich bin, dass die Übung sooo einfach wäre, dass das sonst jeder könnte. Wie gesagt, wenn es mir so gut gehen würde, dass ich alle Übungen perfekt ausführen kann, dann könnte ich mir diese ganze Therapie sparen. Ich habe mich jedoch inzwischen seelisch damit abgefunden, dass mich diese Therapie auf Dauer, also mein Leben lang begleiten wird, aber auf solche Sprüche und Hinweise, dass diese Übungen für alle anderen Menschen sooo einfach sind, kann ich wirklich verzichten!!!!!

TitelAutorDatumBesucher
Mi. 08.04.2020PetraM09/04/2020 - 08:4319
Di. 07.04.2020PetraM08/04/2020 - 09:1223
Mo. 06.04.2020PetraM07/04/2020 - 03:5593
So. 05.04.2020PetraM06/04/2020 - 09:0795
Sa. 04.04.2020PetraM05/04/2020 - 16:3095
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