Montag, 26.11.2012

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Heute Abend habe ich mich endlich mal wieder überwunden und bin Fahrrad gefahren. Als Ziel habe ich mir entweder 30 Minuten oder 8 Kilometer gesetzt. Letztendlich bin ich die 8 Kilometer in 33 Minuten gefahren. Die ersten 15 Minuten bin ich durchschnittlich 15 km/h gefahren, die restliche Zeit ziemlich konstant mit 14 km/h. Das hat mal wieder so richtig gut getan. Ich habe ja auch genug abzutrainieren, habe in der letzten Zeit ja mehr als genug "gesündigt" (dadurch habe ich ja auch wieder etwas zugenommen). 

Vorhin hatte ich noch überlegt, ob ich Morgen Abend zur Wassergymnastik gehen soll. Morgen Abend ist ebenfalls eine Gruppe (zur gleichen Zeit wie Donnerstags). Wie mir sowohl die Gruppenleiterin als auch die Dame vom Vorstand gesagt haben, kann ich theoretisch an jeder Gruppe teilnehmen. Deswegen hatte ich vorhin überlegt, ob ich anstelle von Donnerstag, wenn die Weihnachtsfeier ist, morgen bereits daran teilnehmen soll. Dann würde Sport nur einmal in dieser Woche ausfallen (heute fiel ja auch die KG aus). Ja, aber diesbezüglich haben mich dann doch die Kommentare der Frauen in der letzten Woche eingeschüchtert. Wenn mehrere so denken wie ich (also dass der Unterrricht am Donnerstag ausfällt), dann wird es dort morgen im Becken bestimmt ziemlich voll werden. Bevor dann wieder ähnliche Kommentare kommen, was ich (bzw. auch die anderen) dort wollen, dann bleibe ich lieber zu Hause. Ja, mit solchen Kommentaren kann man mich immer sehr leicht einschüchtern, dafür ist mein Selbstbewusstsein leider bei weitem nicht stabil genug. Dann nehme ich mir für morgen Abend lieber wieder das Fahrrad fahren vor. 

Heute Mittag rief meine Mutter mich auf der Arbeit an und hat sich für ihr Verhalten gestern am Telefon entschuldigt (was mich sehr überrascht hat). Sie ist es halt absolut nicht gewohnt, dass ich auch mal Widerworte gebe. Ich will mir aber nicht mehr alles von ihr gefallen lassen. Sie hat ihr Verhalten damit entschuldigt, dass sie jetzt etwas Depressionen hat. Sie kommt mit dem Gedanken nicht klar, dass sie für den Rest ihres Lebens regelmäßig zur Dialyse muss. Von einer Spenderniere wurde ihr von vielen Patienten (die sie im Rahmen der Dialyse kennengelernt hat) bereits dringend abgeraten. Nur bei ganz wenigen geht es gut. Bei den meisten wird die neue Niere abgestoßen oder aber sie haben ganz große Probleme mit den Nebenwirkungen, die sie nehmen müssen, damit sie nicht abgestoßen wird. Sie hat bis jetzt diesbezüglich noch nichts wirklich positives gehört. 

Dazu kommt, dass sie vor 2 Jahren Rentnerin geworden ist, womit sie nicht klar kommt. In der Beziehung ist sie wie ich, sie braucht Aufgaben und Verantwortung, zu Hause fällt ihr die Decke auf den Kopf, sie weiß mit ihrer Zeit nichts so richtig anzufangen. Im Sommer hat sie sich noch nach kleinen Jobs umgesehen, wollte sich wieder kleine Aufgaben suchen, hat z. B. Stundenweise in einem Kindergarten geholfen (meine Mutter liebt Kinder), was sie mit Beginn der Dialyse jedoch wieder aufgeben musste, was ihr unendlich schwer gefallen ist. Deswegen ist sie zur Zeit total unausgeglichen und sucht sich ständig neue Aufgaben (und wenn es sich dabei um meinen Haushalt handelt). 

Als bei mir die Depressionen anfingen, da konnte sie sich nicht in meine Gedanken und Gefühle reindenken. Jetzt dafür umso mehr. Damals bekam ich ständig zu hören, ich solle mich endlich zusammen reißen und bloß mit dem Heulen aufhören.... Jetzt muss meine Mutter selber lernen, die neue Zukunft zu akzeptieren (dass die Dialyse ein fester Bestandteil ihrer Zukunft ist), dass sie ihr Leben nicht mehr so frei und locker planen kann wie früher und hat deswegen auch schon einige Male geweint. Ja, jetzt versteht sie endlich, wie es mir in den harten Zeiten gegangen ist. 

Ich war mir damals immer sicher, dass ich nach ein "paar Mal KG" soweit wieder gesund bin, dass sich für mich die weitere Therapie dann erledigt hätte. Aber alle Orthopäden haben mir bestätigt, dass ich im ganzen eine sehr schwache Muskulatur habe und mir auf Dauer (sozusagen "Lebenslänglich") nur Bewegung, Bewegung, Bewegung hilft. Umso mehr, umso besser, am besten täglich. Bei Pausen (z. B. im Urlaub) bilden sich meine Muskeln sehr schnell wieder ein Stück zurück und die nächsten Schmerzen sind vorprogrammiert. Ich hatte immer wieder Hoffnung, dass mir ein anderer Orthopäde eine andere Diagnose sagen würde, nach dem Motto eine Spritze und ich bin wieder ganz gesund. Stattdessen hörte ich immer wieder das Gleiche, dass mir nur dauerhafte Bewegung helfen würde. 

Nichts gegen Sport, das habe ich ja immer schon sehr gerne gemacht, nicht für mich alleine, aber z. B. das jahrelange Tanzen oder auch die Gymnastik in den Frauengruppen. Ja, aber wenn man nach dieser Diagnose in einem Institut ist, in dem man nach Strich und Faden "verarscht" wird (ein besseres Wort gibt es dafür einfach nicht), dann zieht es einen noch mehr runter. Ich habe dann verdammt lange gebraucht, um mich von diesem früheren KG-Institut zu lösen. Dort gab es durchaus mehrere sehr gute Physiotherapeuten, an die ich jedoch nie so richtig drangekommen bin. Der Wunsch des Kunden zählte dort nicht. Egal, zu wem man in Therapie wollte, am Empfang wurde man einfach eingeteilt und landete dann immer bei den anderen Therapeuten, mit denen ich zum Teil erhebliche Probleme hatte. Die Chemie stimmte einfach nicht, ich konnte manche absolut nicht ausstehen und konnte dementsprechend auch kein Vertrauen aufbauen. Manche Übungen konnte man dadurch völlig vergessen (insbesondere was das Gleichgewicht betrifft). Ich habe mich im Laufe der Zeit mehrmals beschwert, jedes Mal bekam ich deswegen ein Entschuldigung zu hören und landete dann doch wieder bei den "falschen" Therapeuten. Auf dieses Institut habe ich jetzt im Nachhinein einen richtig großen Brass. Dort würde ich freiwillig niemals mehr reingehen.

Dann die Sache mit der Bezahlung. Ich war dort immer die Doofe. Für 20 Minuten KG waren 20 Euro fällig. Es kam viele Male vor, dass die Therapie erst mit 5 bis 10 Minuten Verspätung begonnen hat, aber pünktlich, als die geplanten 20 Minuten um waren, also bereits nach 10 bis 15 Minuten, wurde z. B. das Licht ausgemacht (dass die Therapiezeit für mich zu Ende ist) oder aber der Herr vom Empfang klopfte so energisch gegen die Türe (dass der weitere Terminplan nicht durcheinander gerät), dass ich meinte, die Türe würde jeden Moment aus den Angeln fallen. Bezahlen musste ich aber grundsätzlich 20 Euro, auch wenn ich nur 10 Minuten KG hatte. Mir wurde jedes Mal versichert, dass die restliche Zeit gutgeschrieben wird, ich habe sie jedoch nie bekommen. 

Die ersten Therapeuten waren ja noch super, unter anderem die sehr gute Physiotherapeutin, bei der ich die guten Fortschritte erzielt habe. Ja, aber dann wurde es immer schlimmer, letztendlich war ein Therapeut dann schlimmer als der vorherige. Alles waren Anfänger und alle waren mit mir, mit einer Dauerpatienten total überfordert. Ihnen fielen schon nach wenigen Wochen keine Übungen mehr ein und bei jeder Therapie wurden die gleichen Sachen wiederholt. Die Depressionen wurden bei mir von Monat zu Monat intensiver, ich wusste wirklich nicht mehr, wie ich das auf Dauer aushalten sollte. 

So ging es bis Ende letzten Jahres (rund 2 Jahre lang), dann klappte ich seelisch praktisch völlig zusammen. Während des Krankenscheines habe ich dann Nägel mit Köpfen gemacht und habe mich nach neuen Therapiemöglichkeiten umgesehen. Als ich mir dann im früheren Institut keine neuen Termine haben geben lassen, waren dort alle total erstaunt und einige redeten auf mich ein. Mir liefen zwar Tränen ohne Ende, aber mich konnte keiner mehr umstimmen. Ich habe dann "Probestunden" für die KG in verschiedenen Instituten gemacht (bin dann bei meiner jetzigen Therapeutin gelandet) und habe mich halt auch auf die Suche nach einem neuen Trainer gemacht. 

Ich kann mir denken, weshalb mich mein früherer Trainer so "abgeschossen" hat. Es war dort eine große "Vetternwirtschaft". Er war privat so ziemlich der beste Freund von dem Chef des früheren Instituts. In dem Moment, als ich mich dort von meiner Gruppe bei der Wassergymnastik verabschiedet habe, nicht mehr daran teilgenommen habe, hat mich der Trainer von heute auf morgen abgeschossen, ich habe nichts mehr von ihm gehört. Ich fand das von ihm total gemein und völlig "unprofessionell", aber da es auch keinen Vertrag gab, wir uns immer nur von Termin zu Termin verabredet haben, konnte ich natürlich nichts machen. Zwei Wochen lang wusste ich nicht weiter, hatte anfangs auch noch Hoffnung, dass er sich doch wieder melden würde. Aber dann war es mir egal und ich habe mit ihm "abgeschlossen", habe mich auf die Suche nach einem neuen Trainer gemacht. 

Ja, dann habe ich zum Glück ja meinen jetzigen Trainer kennengelernt. Etwas besseres hätte mir wirklich nicht passieren können. Was meine Therapie betrifft (die dauerhafte Therapie, also die Zuverlässigkeit, die abwechslungsreichen Übungen, die Motivation usw.) ist er für mich fast schon wie ein "Sechser im Lotto", ja, anders kann ich es wirklich nicht sagen. Ja, und dazu kommt jetzt natürlich auch noch die Sache mit der Wassergymnastik. Wenn ich ihn nicht kennengelernt hätte, dann wäre ich nicht auf diesen Schwimmverein aufmerksam geworden, den kannte ich bis vor kurzem noch gar nicht. Ja, bei dieser Gruppe möchte ich wirklich so richtig einsteigen, die beiden bisherigen Probestunden waren wirklich total super, haben so richtig Spaß gemacht. Auch wenn ich bisher noch nicht alles kann, im Laufe der Zeit werde ich auch dabei ganz bestimmt besser werden. Das dauert halt alles seine Zeit. 

Bezüglich des Trainings im Allgemeinen (also auch KG und Wassergymnastik) und was meine Mutter betrifft habe ich bei einem Trainer einen guten Satz gelesen:

Manchmal muss jemand an einen glauben, damit der Glaube an sich selbst wieder hergestellt werden kann!

TitelAutorDatumBesucher
Sa. 19.10.2019PetraM20/10/2019 - 14:2211
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