Montag, 30.07.2012 (KG)

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 Heute war nicht so ganz mein Tag. Eigentlich fing er ganz gut an. Der Vormittag verlief ganz gut, ich kam mit der Arbeit sehr gut voran.

Heute Mittag sprach mich dann eine Kollegin an. Im Laufe des Jahres muss ja jeder von uns an einem Seminar teilnehmen und sie erkundigte sich, wann ich an welchem Seminar teilnehmen würde. Damit riss sie in diesem Moment dann eine "Wunde" bei mir auf, die ich in den letzten Wochen eigentlich im Griff hatte. Ich weiß ja seit ein paar Monaten, dass ich Ende Oktober zu diesem Seminar muss, habe das (also insbesondere den Inhalt) in der letzten Zeit aber sehr gut in den Hinterkopf verdrängt, bloß nicht zu viel darüber nachdenken...!!! Durch das Gespräch wurde das Seminar in meinem Kopf dann jedoch wieder mächtig "lebendig" und ich dachte im Prinzip viel zu viel und viel zu intensiv darüber nach. Diesbezüglich denke ich zur Zeit leider wirklich total pessimistisch, absolut negativ.

Das Seminar befasst sich in erster Linie damit, wie man ein Gespräch zielorientiert führen kann, Feedback geben und nehmen kann sowie die eigene Meinung in Gesprächen und Besprechungen sicher und überzeugend vertreten kann. Sicherlich interessante Themen, aber was mich persönlich betrifft, ist das meiner Meinung nach für mich ein Schritt zu weit, im Prinzip der zweite Schritt vor dem ersten Schritt. Solange ich vor Gruppen den Mund kaum aufbekomme, Hemmungen habe, überhaupt mit den anderen offen und locker zu reden, brauche ich mir eigentlich auch keine Gedanken darüber zu machen, wie ich eine eigene Meinung vertreten kann (meine eigene Meinung zu irgendwelchen Themen traue ich mir vor Gruppen eh so gut wie nie zu sagen). 

Meine Mutter hat schon oft aus Scherz gesagt, dass ich als Kind vertauscht worden sein muss. Mein Vater war super selbstbewusst, in der Rolle des Oberturnwarts ist er regelmäßig bei großen sportlichen Veranstaltungen völlig locker ans Rednerpult gegangen und hat seine Begrüßungsrede vorgetragen (und auch als Abschluss der jeweiligen Veranstaltung die Ehrung der Sportler durchgeführt). Selbst in großen Sporthallen mit über tausend Sitzplätze hatte er keinerlei Probleme. Meine Mutter hat zwar bisher noch nicht vor so vielen Menschen geredet, aber als sie damals Übungsleiterin wurde und dann mehrere Gruppen für Mutter- und Kind-Turnen übernommen hat, hat sie auch in diesen Gruppen keine Probleme gehabt, sie sprach völlig locker vor der Gruppe, begrüßte alle und konnte während des Unterrichts (wenn es zu unruhig geworden ist) auch sehr gut durchgreifen. Ja, nur ich falle diesbezüglich völlig aus dem Rahmen. Sie hat sich schon oft genug gefragt, was sie im Rahmen meiner Erziehung eventuell falsch gemacht haben könnte, dass ich diesbezüglich zu wenig Selbstbewusstsein mitbekommen habe. 

Als ich mit Mitte 20 (wegen der Schmerzen) mit dem Tanzen aufhören musste, fiel ich zunächst in ein ganz tiefes Loch, zog mich völlig zurück und ließ gar keinen mehr an mich ran. Ich kam damit zunächst nicht klar, dass ich mein bisher größtes Hobby so völlig aufgeben musste. Das war für mich verdammt hart. Auch auf der Arbeit, in meiner damaligen Abteilung, habe ich mich von allen völlig abgenabelt, viel intensiver als jetzt, eine Zeitlang hatte ich dort gar keinen Kontakt mehr. Nach etwa einem Jahr habe ich dann aber gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann, dass ich an dieser Situation unbedingt was ändern muss. Damals waren meine Hemmungen, mit anderen zu reden, noch deutlich größer als zur Zeit. Deswegen ging ich dann zur VHS (Volkshochschule) und habe dort an einem 2-tägigen Kurs teilgenommen, Rhetorik, wie man vor anderen Menschen reden kann. Im Grunde genommen fand ich diesen Kurs ganz gut, ich glaube, so etwas wäre bei mir im Moment auch angebrachter als zu lernen, überzeugend dabei rüber zu kommen. Erst einmal lernen, überhaupt vor einer Gruppe relativ sicher zu reden. O. k., dass man dabei dann eventuell rot wird, das kann man nicht unbedingt verhindern, aber das passiert Anderen zum Glück hin und wieder ja auch, mit diesem "Problem" steht man ja nicht alleine. 

Der damalige Kurs in der VHS hat mir allerdings nicht ganz so viel gebracht. Dort hatten ja alle die gleichen Probleme, einer war nervöser als der andere, einer war vor Aufregung mehr am "stottern" als der andere. Wir saßen dort alle "in einem Boot" und machten uns immer wieder gegenseitig neuen Mut. In diesen 2 Tagen hat es dort jeder geschafft, ein bis zwei etwas längere Reden vor den anderen zu halten (über Sachen, Hobbys, die einen interessieren). In dieser Gruppe klappte das dann auch ganz gut. Aber als ich Montags dann wieder in meiner Abteilung war, die anderen total selbstsicher, da war meine Schüchternheit sofort wieder da, da verschlug es mir sofort wieder die Sprache. So interessant dieser Kurs gewesen ist, wirklich viel gebracht hat er mir (zumindest zum damaligen Zeitpunkt) leider nicht. Aber trotzdem finde ich, dass so ein Kurs für mich zur Zeit angebrachter wäre, als dieser "fortgeschrittene" Kurs, wie man Argumente überzeugend rüberbringen kann (wie gesagt, dafür muss man erstmal den Mut finden, um überhaupt vor den anderen reden zu können).

Dennoch sind auch Punkte dabei, die auch für mich interessant werden können. Zum Einen der Umgang mit Lampenfieber (was ja schließlich zum Bereich rot werden und stottern dazu gehört) und auch die persönlichen Stärken erkennen und bewusst einzusetzen. Vielleicht kann man mit dieser bzw. diesen Methoden sein Selbstbewusstsein etwas stärken und dadurch auch etwas leichter und besser vor anderen Reden.

Ja, ich denke mit sehr gemischten Gefühlen an diesen Kurs. Es mag sein, dass es ganz interessant wird, dass die Gruppe gut ist, dass es Spaß macht und mir insbesondere auch was bringt. Dennoch habe ich zur Zeit noch richtig Angst davor (ich weiß, dass das viele nicht verstehen werden), Angst vor der Gruppe an sich, viele neue Menschen auf einmal kennen zu lernen und vor denen reden zu müssen. Angst zu versagen, dass ich dort den Mund dann nicht aufbekomme. Ja, im Moment erfüllt mich der Gedanke an diesen Kurs in erster Linie mit Angst. 

Heute Nachmittag konnte ich dann gar nicht mehr "abschalten", konnte mich kaum noch auf die Arbeit konzentrieren, habe nur noch an diesen Kurs gedacht, wie er wohl laufen wird, was er mir eventuell bringen wird. 

Am Nachmittag war ich dann zur KG. In den nächsten beiden Wochen, wenn meine Therapeutin im Urlaub ist, werde ich jeweils nur am Montag zur KG gehen, in Vertretung zu ihrer Chefin. Sie ist Mittwochs nicht so lange im KG-Institut, deswegen muss in dieser Zeit der Mittwochs-Termin ausfallen. Das finde ich aber nicht so tragisch, da ich mit meinem Trainer ja eh ausgemacht habe, dass wir demnächst während der Woche die zusätzliche halbe Stunde PT durchführen werden. Die halbe Stunde bei ihm wird mir mit Sicherheit mehr bringen, als 20 (bis 25) Minuten KG, davon bin ich überzeugt (bzw. das weiß ich aus Erfahrung). Ja, ich bin froh darüber, dass er mich letztens darauf angesprochen hat, was wir im Rahmen des Trainings ändern könnten, damit ich mehr Fortschritte erzielen kann. Ich finde diese zusätzliche halbe Stunde echt gut, aber ich glaube nicht, dass ich ihn von mir aus darauf angesprochen hätte. Mein Kollege hat einen guten Spruch in seinem Büro hängen, "Heimliche Wünsche werden unheimlich selten erfüllt". Zum Teil stimmt das natürlich (nach dem Motto "Nur redenden Menschen kann geholfen werden"), aber bei mir ist jetzt ja zum Glück auch das "Gegenteil" eingetreten. Ich wollte öfters PT durchführen (darüber habe ich ja schon länger nachgedacht) und dieser "heimliche" Wunsch wird jetzt halt doch erfüllt.

KG war heute Nachmittag sehr anstrengend, wobei die Luftfeuchtigkeit ihr übriges getan hat. Bereits beim ruhigen Liegen (auf dem Rücken auf dem Boden) fing ich an zu schwitzen. Im Prinzip haben wir die "standard" Übungen durchgeführt, die wir schon des Öfteren gemacht haben. Angefangen mit den Spannungsübungen, also Beine aufstellen, Po anspannen, Bauch anspannen und Rücken tief runter. Dann gleichzeitig den Kopf dabei anheben, danach mit den Armen hoch, erst mit den Armen zum gegengleichen Bein, dann mit beiden Armen Richtung Knie. 

Dann folgten ein paar Dehnübungen, mit den aufgestellten Beinen so weit wie möglich zur Seite runter, auf der Seite "ablegen" (sie drückte dabei noch etwas nach), den Oberkörper möglichst gerade dabei liegen lassen. Danach die Beine Richtung Brust anziehen, die Arme drum und so fest wie möglich anziehen (ein "kleines Paket" machen). Dann stellte sie sich über mich, nahm die Beine, drückte sie noch etwas tiefer und drehte sie gleichzeitig etwas hin und her, so dass ich auf dem Rücken leicht hin und her "wippte" (was stellenweise an der Wirbelsäule sehr schmerzhaft gewesen ist). 

Danach die Beine wieder aufstellen, sie stellte sich über mich (über die Beine), meine Knie waren in etwa in Höhe von ihren Knien und dann "versuchen", die Beine möglichst kräftig auseinander zu drücken (in den Beinen hat sie mehr Kraft bei diesem Gegendruck als in den Armen, so wie sie sonst immer diese Übung gemacht hat). Dann die Beine gerade ausstrecken, völlige Spannung (also Zehe Richtung Schienbein und Knie kräftig durchstrecken) und nochmals das gleiche (sie stand wieder über den Beinen, ich musste wieder von innen gegen ihre Beine drücken. 

Dann die Beine wieder aufstellen und zunächst 2 x 20 Durchgänge hoch zur Brücke und anschließend 2 x 10 Mal hoch zu Sit-Ups (wobei sie mir von vorne wieder half, mich dabei leicht hochgezogen hat). 

Heute Abend habe ich mich dann nur noch ein bisschen um den Haushalt gekümmert. Eigentlich wollte ich Fahrrad fahren, hatte dazu im Prinzip auch Lust, konnte mich aber dennoch dazu nicht aufraffen. Ich habe mich stattdessen mal wieder mit vielen anderen "Kleinigkeiten" beschäftigt. Im Moment räume ich unsere Wohnung etwas um. Ein paar Ecken, die so seit dem Einzug vor vier Jahren sind, gefallen uns so nicht mehr. Wir haben durchgesprochen, was man ändern könnte, wie man es umräumen könnte. Bei diesen Änderungen, bei diesem Umräumen bin ich jetzt zur Zeit, jeden Tag mache ich damit etwas weiter (auch das bezeichne ich immer als "Aufräumen", wenn ich davon schreibe, dass ich in der Wohnung aufgeräumt habe, diese ganze Umräumaktion (auch was den Inhalt von Schränken betrifft) nimmt eine Menge Zeit in Anspruch). 

TitelAutorDatumBesucher
Do. 14. Dez. 2017PetraM15/12/2017 - 08:249
Mi. 13. Dez. 2017PetraM14/12/2017 - 05:1121
Di. 12. Dez. 2017PetraM13/12/2017 - 04:4821
Mo. 11. Dez. 2017PetraM12/12/2017 - 05:1230
So. 10. Dez. 2017PetraM11/12/2017 - 02:3650
Sa. 09. Dez. 2017PetraM10/12/2017 - 14:2752
Fr. 08. Dez. 2017PetraM09/12/2017 - 10:4668
Do. 07. Dez. 2017PetraM08/12/2017 - 04:2297
Mi. 06. Dez. 2017PetraM07/12/2017 - 03:4197
Di. 05. Dez. 2017PetraM06/12/2017 - 03:5984
Mo. 04. Dez. 2017PetraM05/12/2017 - 03:4489
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Do. 30. Nov. 2017PetraM01/12/2017 - 05:21103
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Mo. 27. Nov. 2017PetraM28/11/2017 - 04:12101
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