Sonntag, 16.09.2012 (Angst vor dem Autofahren)

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Heute war leider nicht so ganz mein Tag, wobei diese Beschreibung noch sehr untertrieben ist. Ja, und das ausgerechnet heute, als wir mit der Familie zum Essen verabredet waren, worauf ich mich ja eigentlich so gefreut hatte. 

Bis heute Nachmittag war ich noch super gut drauf, hatte eine richtig gute Stimmung, bis wir dann zum Restaurant gefahren sind. Auf dem dortigen Parkplatz haben wir uns dann alle (also mit der Familie meines Freundes) getroffen. In dem Moment, als er mir dann (kurz bevor wir ins Restaurant gingen) den Autoschlüssel gegeben hat (weil er "eingeplant" hatte, Bier und ein paar Ouzo's zu trinken), ging in mir dann schlagartig eine Wandlung vor, die allerdings nur ihm aufgefallen ist (er kennt mich halt am besten). Ich bin zuletzt letztes Jahr im Mai gefahren, also seit rund 1,5 Jahren nicht mehr. Bei der letzten Fahrt habe ich auch noch einen kleinen Unfall gebaut, zum Glück nur ein Blechschaden (ich habe nicht genug Abstand gehalten, hatte den Abstand völlig falsch eingeschätzt, nach dem Motto, wenn es knallt, noch einen Meter, ja, aber dann hat es halt wirklich geknallt....). 

Zuerst war ich vorhin dann nur ein bisschen ängstlich, bei dem Gedanken, dass ich gleich Autofahren muss. Diese Ängstlichkeit wurde jedoch in den nächsten zwei Stunden, während des Essens, immer und immer größer. Ich war so in Gedanken, dass ich mich über die Geschenke auch nicht so richtig freuen konnte (habe nur an das Auto gedacht). Ich habe ein Buch geschenkt bekommen, das ich jedoch schon seit rund 2 Jahren habe, habe dabei jedoch "gute Miene zum bösen Spiel" gemacht und mich natürlich dafür bedankt und es dann sofort "unter dem Tisch" in einer Tüte "verschwinden" lassen (mit einem Gutschein von dieser Buchhandlung hätte ich dann ganz bestimmt mehr anfangen können!!). Dann gab es noch ein Halstuch (nicht schlecht, der Herbst steht schließlich vor der Türe), eine Kette und einen silbernen Ring. Ja, aber wie gesagt, ich stand die ganze Zeit mächtig neben mir, habe mich nicht so richtig freuen können.

Während der zwei Stunden war ich dann auch super still, habe kaum ein Wort gesagt. So kannten die Anderen mich gar nicht, sie sprachen mich zwar immer wieder an, was los sei, aber ich blieb verschlossen, hing nur meinen Gedanken nach, dass ich gleich noch Autofahren musste.... Mein Freund, dem es ja nicht entgangen ist, wollte dann schon auf den Alkohol verzichten, aber die Anderen redeten auf ihn ein, er solle ruhig trinken, wozu hätte ich schließlich den Führerschein.... 

Das Essen war auch nicht so berauschend. Der grüne Salat mit Essig/Öl hat nach nichts geschmeckt, so als wenn einfach nur Wasser darüber gelaufen wäre. Die Schweinemedaillons mit Broccoli und Sause Bernaise waren sehr lecker, aber selbst die Pommes wollten mir heute nicht so wirklich schmecken. Ich habe immer wieder daran gedacht, dass ich ab morgen aufs Neue mit der "Diät" beginnen will, endlich Erfolge haben will, wieder in meine etwas "engeren" Sachen reinpassen will (zur Zeit habe ich ja Größe 50 bis 52, je nachdem, wie es ausfällt, in meinem Schrank hängen aber überwiegend Sachen in 44 bis 48, in die ich im Laufe der Zeit endlich wieder reinpassen will). Ja, mit diesen Gedanken haben mir die Pommes heute irgendwie so gar nicht geschmeckt. Auf den Nachtisch habe ich völlig verzichtet.

Ich war dann froh, als die zwei Stunden endlich vorbei waren und wir die Runde aufgelöst haben (so ruhig wie heute war es noch nie an unserem Tisch, normalerweise haben wir immer eine sehr gute Stimmung). Mein Freund wollte dann doch fahren (mir zuliebe), aber die Anderen redeten direkt auf ihn ein, dass er jetzt bloß keinen Unsinn machen soll (er hatte ja Bier und mehrere Ouzo's getrunken). Selbst wenn er sich noch sicher fühlen würde, es bräuchte nur jemand anders bei uns reinzufahren, dann wäre er seinen Führerschein los. Nun gut, also musste ich dann doch fahren.

In dem Moment, als ich hinter dem Lenkrad saß, fing bei mir das Zittern in den Beinen, in den Knien an, das immer stärker geworden ist. Während der Fahrt, es waren etwas mehr als 5 Minuten, fing ich dann am ganzen Körper an zu zittern, ich hatte Angst ohne Ende, gab auch kein Gas, schlich auf einer Hauptverkehrsstraße (zum Glück war nur sehr wenig los) mit knapp 30 km/h vor mir her. Ich hatte Schweißausbrüche ohne Ende, habe mir einige Male die Hände auf der Hose "abgewischt", um nicht vom Lenkrad abzurutschen. Als wir dann endlich zu Hause waren, kam die ganze Aufregung und Angst bei mir so richtig durch und ich brach total in Tränen aus, habe mich dann erstmal ins Schlafzimmer zurückgezogen. Ich brauchte etwa eine halbe Stunde, um mich seelisch wieder zu beruhigen und auch, um meinen Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen (bis das Zittern wieder ganz weg war). Dann kam mein Freund zu mir, nahm mich ganz lieb in den Arm und meinte, dass ich keine Angst haben bräuchte, wenn ich es nicht möchte, dann bräuchte ich ab sofort ganz bestimmt nicht mehr zu fahren, er hätte heute genug gesehen, wie unsicher ich dabei bin, das hätte gar keinen Zweck mehr.

Ja, am liebsten würde ich das Autofahren ganz an den Nagel hängen, meine Angst davor ist einfach viel zu groß (es reden aber immer wieder so einige Personen auf mich ein, dass ich es nicht ganz aufgeben soll, dieses kleine Stückchen "Freiheit" und diesen Kick an Selbstbewusstsein, wovon bei mir heute allerdings so gar keine Rede sein konnte, die Angst hat bei Weitem überwiegt). Ich möchte mich lieber auf die Sachen konzentrieren, die mir in meinem Leben wichtig sind. Allen voran meine Therapie (ich bin immer noch völlig schmerzfrei, was ich "freiwillig" nicht mehr aufgeben möchte), wobei es noch so einige Übungen bzw. "Herausforderungen" gibt, die ich im Laufe der Zeit in den Griff bekommen möchte (Ja, dabei denke ich jetzt auch an meine "Lieblingsübung", die mir immer noch so super schwer fällt, die ich immer noch nicht im Griff habe, das Hochdrücken aus dem Vier-Füßler-Stand). 

Ja, und an zweiter und dritter Stelle meine Aufgaben im Alltag, also auf der Arbeit und auch im Haushalt, dass ich in diesen beiden Bereichen alles im Griff habe, das ist mir "tausend Mal" wichtiger, als vernünftig und sicher Autofahren zu können. 

Ich wollte es damals ja auch gar nicht lernen, aber mein Vater hat ständig auf mich eingeredet, dass es nun endlich Zeit werden würde, dass ich damit anfange. Er hatte immer gesagt, dass er mir den Führerschein zum 18. Geburtstag schenkt. Mit 17 Jahren habe ich deswegen an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen (wozu er mich bei der Johanniter-Unfall-Hilfe angemeldet hat). Ich schob es dann immer weiter vor mir her, auch noch nach dem 18. Geburtstag (Sept. 1987), wollte damit am liebsten gar nicht anfangen.

Als er dann im Januar 1988 mit der Krebserkrankung ins Krankenhaus kam, ließ er nicht mehr locker, redete bei jedem Besuch so lange auf mich ein, bis ich mich endlich in einer Fahrschule angemeldet habe. Mit der Theorie hatte ich gar keine Probleme, die habe ich in kurzer Zeit ohne Fehler bestanden, mit der Praxis umso mehr. Ich hatte das große Glück, dass ich an einen super ruhigen Fahrlehrer geraten bin, ansonsten hätte ich die Prüfung wahrscheinlich nie bestanden. Egal wie nervös und ängstlich ich war, er blieb die Ruhe selbst und übte alles so lange mit mir, bis ich es einigermaßen konnte. Ich hatte anfangs mit allem ganz große Probleme, egal ob beim Rückwärts-Einparken oder beim Am-Berg-Anfahren, aber er hat alles so lange mit mir geübt, bis ich etwas sicherer geworden bin. Auf der Autobahn gab es diesbezüglich die meisten Probleme, weil ich halt nie Gas geben wollte, Angst hatte ohne Ende, am liebsten mit allem aufgehört hätte, aber er hat dennoch so lange mit mir geübt, bis ich dann immerhin für die Prüfung zugelassen worden bin. 

Die erste Prüfung war dann im Sommer, die Anderen, mit denen ich Anfang des Jahres angefangen hatte, hatten zum Teil schon längst bestanden. Ja, bei der ersten Prüfung bin ich dann ja durchgefallen, als ich beim Auffahren auf die Autobahn nur in den Rückspiegel geguckt habe, keinen Schulterblick gemacht habe und ein Auto übersehen habe. Hätte mein Fahrlehrer nicht eingegriffen, das hätte einen mächtigen Crash gegeben. Danach hat er dann weiterhin mit mir geübt. Etwa 2 oder 3 Monate später war die zweite Prüfung. Ich war total übernervös und habe dem Prüfer nicht richtig zugehört, habe deswegen einen "folgenschweren" Fehler begangen, so dass mein Fahrlehrer wiederum eingreifen musste. Ja, wieder durchgefallen.

Danach hat mein Vater dann meine Probleme gemerkt (es war ja schließlich auch sein Geld) und er fuhr dann mehrmals mit mir zum "Verkehrsübungsplatz" einer Fahrschule (oder auch umgangssprachlich "Idiotenhügel" genannt). Dort haben wir dann alles in allem mehrere Stunden verbracht, haben immer wieder das Rückwärts-Einparken und das Am-Berg-Anfahren geübt.

Die dritte Prüfung, Ende Oktober 1988, habe ich dann endlich bestanden (obwohl ich auch dabei erst beim etwa fünften oder sechsten Versuch rückwärts einparkend gerade in einer Lücke stand). Danach bestand mein Vater dann darauf  ("Stolz wie Oskar" sozusagen), dass ich meine erste Fahrt mit ihm zusammen mache, also dass ich ihn fahre. In der Fahrschule hatten wir einen Ford Escort, er hatte einen Mercedes. Wenn er dann im Krankenhaus lag, bekam ich dann immer seinen Mercedes, in dem ich mich total ungewohl gefühlt habe, der war viel zu groß für mich. Als er dann im April 1989 gestorben ist, habe ich den Mercedes von ihm geerbt. 

Ich wollte ihn dann so schnell wie möglich loswerden. Mein Traumauto war während der gesamten Schulzeit ein Golf, das gefiel mir immer am besten, aber das hat keinen interessiert. In unserer Familie fuhren alle Toyotas und die ganze Familie bestand dann darauf, dass auch ich mir einen Toyota kaufe (in "Verrechnung" mit dem Mercedes). Ich vergesse nie, als wir dann beim Händler standen und dieser mich fragte, an welcher Marke ich interesse hätte (wohlgemerkt, beim Toyota-Händler!!). Ich antwortete darauf völlig ruhig, dass ich einen Golf haben möchte (die Anderen aus der Familie, die ebenfalls dabei waren, verdrehten natürlich nur ihre Augen....). Daraufhin kam der Händler dann mit einem Toyota-Starlet an, einem Gebrauchtwagen (noch dazu einem Unfallwagen), den ich dann rund 2 Jahre gefahren habe. Das war das schlimmste Auto, das ich je hatte. Ich hatte damit Probleme ohne Ende und habe ihn ständig "abgewürgt", baute damit auch einen Unfall nach dem anderen (alles nur Blechschäden), überwiegend Auffahrunfälle. 

Ja, dann habe ich meine Vorliebe für Geländewagen entdeckt, höher Sitzen, besseren Überblick zu haben und insbesondere der Allradantrieb. Von einem Sparvertrag, den ich damals gerade ausgezahlt bekommen habe, habe ich mir dann einen Suzuki Samurai geholt, den ich dann etwa 12 Jahre lang gefahren habe, bis die Reparaturen überhand genommen haben und die Haltung zu teuer geworden ist. Mit diesem Auto habe ich kaum noch Unfälle gebaut, allerdings bin ich auch immer seltener gefahren. Ich habe dann ja den Arbeitgeber gewechselt (zu meinem jetzigen) und habe mich dann immer mehr auf "Bus und Bahn" bzw. Zug und Straßen- bzw. U-Bahn konzentriert, ließ das Auto immer mehr stehen. Anfangs, als wir (mein Freund und ich) noch getrennt gewohnt haben, bin ich dann zumindest noch täglich gependelt, aber seitdem wir vor rund 10 Jahren zusammen gezogen sind, bin ich dann so gut wie gar nicht mehr gefahren, von Jahr zu Jahr weniger. Zwischenzeitlich "fiel" dann der Samurai fast "auseinander", so dass ich mir den Nachfolger, den "Jimny" gekauft habe, aber vor ein paar Jahren habe ich es dann mehr oder weniger meinem Freund "geschenkt" (da ich selber ja eh nicht mehr gefahren bin). 

Ja, der heutige Tag hat mir wirklich gereicht. So nervös, so ängstlich, wie ich heute wegen dem "blöden" Autofahren gewesen bin, diese Situation hätte nicht sein müssen. Der Nachmittag mit der Familie hätte so schön sein können, wir hätten, so wie sonst auch, so viel Spaß haben können, aber ich habe nur daran gedacht, dass ich gleich noch Autofahren muss. Nein, das war heute wirklich nicht mein Tag, das ist irgendwie total blöd gelaufen. Echt schade um diesen Tag!!! 

TitelAutorDatumBesucher
Di. 21.05.2019PetraM22/05/2019 - 09:126
Mo. 20.05.2019PetraM21/05/2019 - 03:5822
So. 19.05.2019PetraM20/05/2019 - 03:4831
Sa. 18.05.2019PetraM19/05/2019 - 14:1468
Fr. 17.05.2019PetraM18/05/2019 - 12:4993
Fr. 17.05.2019 (Zwischeneintrag)PetraM17/05/2019 - 22:17815
Do. 16.05.2019PetraM17/05/2019 - 08:58123
Mi. 15.05.2019PetraM16/05/2019 - 05:30159
Di. 14.05.2019PetraM15/05/2019 - 04:20120
Mo. 13.05.2019PetraM14/05/2019 - 04:53139
So. 12.05.2019PetraM13/05/2019 - 04:03140
Sa. 11.05.2019PetraM12/05/2019 - 04:04142
Fr. 10.05.2019PetraM11/05/2019 - 16:41114
Do. 09.05.2019PetraM10/05/2019 - 09:1582
Mi. 08.05.2019PetraM09/05/2019 - 09:11144
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Sa. 04.05.2019PetraM05/05/2019 - 13:16150
Fr. 03.05.2019PetraM04/05/2019 - 05:5269
Do. 02.05.2019PetraM03/05/2019 - 08:5498
Mi. 01.05.2019PetraM02/05/2019 - 03:1082
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Mo. 29.04.2019PetraM30/04/2019 - 03:47230
So. 28.04.2019PetraM29/04/2019 - 03:39251
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