1. Akt - Ich erfuhr Tag um Tag, dass ich die sündigen Gedanken nicht lassen konnte

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Dann wollte ich auch die sündige Tat.

Ein Nachtrag meines versehentlich gelöschten ersten Eintrages:

Es war dieses nicht zu beschreibende Charisma das mit auffiel, als ich ihn zum ersten Mal sah. Einer dieser seltenen Momente, in denen ich kurz aufhörte zu atmen. Da stand er vor mir, er war sehr groß, sein Lächeln warm, seine Hände so sanft...

Ich ärgerte mich fürchterlich, dass ich der Einlandung meiner Freundin nicht nachgegangen war und den Abend mit ihnen verbracht hatte. Statdessen holte ich sie ab, da wir uns verabredet hatten um in die Stadt zu gehen. Ich weiß ehrlich nicht mehr, was nach dieser Begegnung passiert war, nur dass meine Freundin und ich dann im Auto saßen und es direkt anfing aus mich heraus zu sprudeln: "Wieso hast du mir noch nie von ihm erzählt?" Sie meinte nur: "Komisch, als ich erzählt habe, dass du mich heute noch abholen kommst, war er auch gleich ganz interessiert."

Tausend Fragen später schüttelte sie nur lachend den Kopf und meinte, dass sie mich noch nie so erlebt hätte. Ich mich auch nicht. Es war seltsam. Ich habe wirklich versucht mich wieder einzukriegen, aber es ging nicht. Meine Schwester und ihre Freundin waren schon sichtlich genervt.

Als sich dieser Abend dem Ende zuneigte, sah ich auf mein Handy. Meine Freundin hatte mir seine Nummer zukommen lassen.

Abends starrte ich diie nächsten Wochen desöfteren den Kontakt in meinem Handy an. Meine Gedanken bekamen Flügel. Letztendlich schloss ich den Kontakt immer wieder und besann mich. Wozu würde das auch führen. Es genügt schon, dass ich nun dort arbeite wo er wohnt. Andererseits ordnete ich das in die Kategorie "Schicksalshafte Begegnungen" ein. Schon alleine, dass ich immer wieder an diese, mir eigentlich vollkommen fremde, Person dachte machte mich stutzig. Es war allerdings keine Frage, was passieren würde, wenn ich ihm tatsächlich schrieb. Es war als wäre es schon besiegelt.

Eines Abends wurde die Gier größer als die Vernunft. Ich öffnete vollautomatisch das WhatsApp Fenster, schrieb und sendete es ab. Ein kleiner Teil in mir hoffte, dass er sich als Trottel erweisen würde und ich das Thema einfach ad acta legen könnte. Aber so war es nicht. Er schrieb zurück und so ging es die folgenden Tage weiter. Ich fühlte mich erstaunlich lebendig dabei. Bis zu dem Moment, als er ganz direkt nach einem Treffen fragte. Das Entsetzen kroch in mir hoch, die Vernunft war wieder da - und vor allem hatte ich zu viel Angst vor einer möglichen Zurückweisung.

Ich erfand wohl jegliche Ausreden, derer man sich nur bedienen konnte, um dem ganzen zu entgehen. Und doch sehnte ich mich so sehr danach. Wenn ich ihm nur zufällig irgendwo begegnet wäre, wäre ich wohl ohnmächtig geworden.

Wochen vergingen und ich merkte, dass er keine Lust mehr auf dieses Spiel hatte. Verständlich. Ich wollte so viel halbes, aber nichts ganzes. Wieso einer einmaligen Begegnung hinterher laufen, wenn sie denn selbst nicht wusste, was sie wollte. Ich versuchte noch einmal anzuknüpfen, doch der Kontakt brach ab. Ich wollte mir meinen Frust darüber nicht anmerken lassen und überspielte das ganze gekonnt fröhlich. Ich wusste nicht einmal weswegen mich das so herunterzog.

Ich hatte mit dem Thema abgeschlossen. Fast. Denn jeder Tag verfolgte mich noch ein kleiner Gedanke darüber, wie es wohl gewesen wäre....

...aber vielleicht wäre es mein Verderben gewesen

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