3. Akt - Du willst meine Herz nicht

DruckversionPDF-Version

Da war noch niemals etwas und vielleicht wird da auch niemals etwas sein. Wieso ist die Sache dann so unglaublich kompliziert? Ist es das unbekannte Fremde und doch so vertraute das mich hierbei reizt?

Wir hatten keinen Kontakt mehr, ich habe seine Nummer gelöscht. Meine Freundin, die eine gute Freundin von ihm ist, hat mir dazu geraten. Den Dialog habe ich ohnehin gespeichert, ganz habe ich ihn nie losgelassen.

Dann kam der Tag, an dem mir meine Freundin eröffnete, dass sie heiraten würde. Ich freute mich riesig für sie. Selbst war ich noch meilenweit von so einem Schritt entfernt. Weiter als je zuvor. Es ist als würde ich mich in einer riesigen Endlosschleife der Selbstfindung befinden, in der kein Ehemann seinen Platz finden würde. Wie kam es, dass man sich entscheiden konnte, mit jemandem den Rest seines Lebens verbringen zu wollen? War ich selbst nicht so weit oder war meine Beziehung nicht reif, nicht stabil genug? Fragen über Fragen.

Sie eröffnete mir eines Tages, dass die standesamtliche Hochzeit eine Party mit sich ziehen sollte, an dem Abends auch all ihre Freunde anwesend sind. Mein Blut rutschte mir unweigerlich in die Beine. Ich hatte nicht damit gerechnet IHM noch dieses Jahr wieder zu begegnen. Ich hatte nicht vor nächstem Jahr damit gerechnet, denn da sollte die kirchliche Hochzeit stattfinden. Allen übels, wollte sie auch noch, dass wir in der Woche zuvor nochmal Essen gehen und ein paar Cocktails trinken.

Gesagt, getan eine Frau, ein Wort. Ich versuchte das ganze noch zu organisieren. Ich schrieb auch ihm. Aber es kam keine Reaktion. Ich habe vermutet, dass er eventuell erscheinen würde, ohne mir zu schreiben. Die Eckdaten hatte er ja. Der Tag kam. Ich war das reinste Nervenbündel. Schon alleine wegen der Tatsache, weil ich hoffte, dass alles klappte. Aber andererseits auch wegen der Ungewissheit. Würde ich ihn heute Abend sehen? Ich machte mich zurecht, trank einen Schnaps, man weiß ja nie....

Es klingelt, meine Freundin stand vor der Tür. Wir stiegen ins Auto und er saß da.....
Ich brachte ein freundliches "Hallo" raus und ich weiß wirklich nicht, ob er überhaupt etwas erwiderte. Am Ziel angekommen, konnte ich ihn kaum ansehen. Als ich es tat, lächelte er freundlich, aber galt das mir? Man weiß es nicht. Ich sah kurz zu ihm hoch, das war bei meiner eigenen Körpergröße sowieso beachtlich und mir lief ein kurzer, wohliger Schauer über den Rücken.

Wir gingen zu dem Restaurant, es war ein kleiner Fußweg bis dahin, wir gingen vor ihnen und ich fühlte mich nicht sehr wohl dabei. Als wir angekommen waren, saß er sich ziemlich weit von mir weg, wir anderen drei verblieben auf der anderen Tischhälfte. Er musste woh wirklich sehr gekränkt auf meine Zurückweisung reagiert haben. Er bemühte sich den ganzen Abend, mich nicht zu beachten. Innerlich brach es mir das Herz,. Ich versuchte mir das mit keiner Silbe anmerkten zu lassen. Schließlich verabschiedeten sie sich nach dem Essen. Er gab mir noch nicht einmal die Hand. Zweiter Todesstoß. Ich habe wirklich gedacht, dass sich das nie wieder ins Lot bringen lässt.

Ich war so traurig und zugleich so erleichtert. Aber wieso zur Hölle beschäftigte mich das so sehr?! Die Gewissheit zu diesem Zeitpunkt, dass wir uns nur noch in der darauffolgenden Woche, bei der Hochzeit sehen mussen, war aufmuternd. Ab diesen Moment, dachte ich, könnte ich mein "normales" Leben wieder aufnehmen. Denkste.

onlinetagebuch.com - WIE DAS LEBEN SO SCHREIBT ...