5. Akt - I'm way too good at goodbyes

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Ich saß mit meiner Freundin bei dem Weiher, der mich schmerzlich daran erinnerte was ich empfand. Wir tranken einen Kaffee und ich dachte darüber nach, wie sehr mich die Sehnsucht an dem Tag packte, an dem ich hoffte ihn dort zu sehen. Wie weh es tat, als er mir schrieb, es hätte keinen Sinn mehr. Ich sprach es vor meiner Freundin aus "Ich bin.....verliebt". Für mich selbst hörte sich das so dümmlich an. Ich kannte ihn kaum, ich habe ihn 3 mal gesehen, die Begegnungen waren nicht wirklich wortreich und doch war ich verliebt. Für meine Freundin kam das nicht wirklich überraschend "Ach.....das weiß ich doch - schon lange" Was für sie pure Gewissheit war, war für mich ein quälender Prozess. Es passte nicht in mein Lebenskonzept, nicht in meinen Plan. Seit Monaten suchte ich schon die Worte für diesen "Zustand", für die Gedanken die ich hatte, aber ich fand sie einfach nicht. Gerne hätte ich mich schon lange einer Freundin anvertraut, konnte es aber nicht.

Er wollte sich mit mir treffen. Mein ganzer Körper, mein Geist sehnten sich danach, auf der anderen Seite mein Gewissen - es sprach eine ganz andere Sprache. Ich wusste ganz genau, dass sich nach diesem Treffen alles ändern würde. Schon unser Gespräch hatte alles in meinem Leben geändert. Ich war aus meinem Sicherheitsdenken ausgebrochen und durchforstete gedanklich schon andere Welten.

Ich denke es war der nächste Tag an dem ich in der Arbeit schon beschloss ihn zu fragen, ob er mich treffen will. Ich war ein Nervenbündel durch und durch. Gedanklich spielte ich so ziemlich jede Situation durch und mein Entschluss wechselte stündlich. Nach der Arbeit waren eine Freundin und ich noch in der Bücherei. Da sie in der Nähe des besagten Weihers wohnt, war ich auf einmal wild entschlossen. Ich fuhr zurück richtung Arbeit, schrieb ihm ob er interesse an einem spaziergang hätte und er sagte mir zu. Ich machte mich schnell frisch, aß einen happen und konnte mich wegen meines Herzschlages keine Minute beruhigen. Da war sie also - die Situation die mich gleich ins vermeintliche Verderben stürzen würde.

Ich fuhr Richtung unseres Treffpunktes, nahm einen Schluck Wasser und ging los. Da stand er, mir wurde schwindelig. Wir begrüßten uns mit einer Umarmung und gingen nach einem kurzen Wortwechsel auch schon los.

Erst faselte ich wirres Zeug. Es war fremd, aber vertraut zugleich. Vorher schwirrten mir so viele Fragen im Kopf herum und nun war da ein leeres NICHTS. Ich stand komplett neben mir. Wir redeten trotzdem, zwar weiß ich nicht mehr über was. Aber wir redeten. Ich eröffnete ihm, dass ich mich in der Gegend nicht auskennen würde. "Dann kommt jetzt die Vertrauensprobe" und wir gingen doch in eine andere Richtung. Irgendwann landeten wir in dem dunklen Stadtpark. Ich hatte keine Angst. Dunkle Orte mit düsteren Kerlen waren genau mein Wetter. Raus aus dem Stadtpark gingen wir direkt in eine Sackgasse welche in Gewässer mündete. Ich scherzte, wenn er mich loswerden will, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt. Er berührte mich an den Seiten und ließ mich gleich wieder los.

Er fragte mich, ob wir nicht doch noch ins Kino gehen wollen. Ich wollte die Zeit nicht außer Acht lassen und verneinte. Zudem genoss ich Spaziergänge. Also gingen wir zu einem, ihm vertrauten Ort, und ließen uns dort auf eine Bank nieder. Ich zeigte ihm die Bilder von der Hochzeit, Bilder auf denen er auch war. Die, auf denen ich zu sehen war, übersprang ich großzügig. Er wollte sie sehen also griff er an mein Handy und legte seinen Arm um mich. So saßen wir also da. Mein Puls um einiges beschleunigt mit der Gewissheit, dass bald dieser Kuss kommen würde, von dem ich die ganze Zeit absehen wollte. Er nahm meine Beine, legte sie über seine. Ich bekam einen Krampf - wie immer wenn ich zu nervös wurde. Wir umarmten uns, ich nahm seinen Duft wahr und war entzückt. Da ich perfekte Momente nahezu immer zu zerstören versuche sagte ich etwas wie "du hast absolute Mädchenhände" und "du bist gar nicht mal so groß". Er stand auf, zog mich hoch und ich war wieder einmal beeindruckt, wie groß er doch tatsächlich war. Wieder in der Umarmung und letzendlich gab ich mich dann einem Kuss hin, einem wahnsinnig sanften. Ich begriff was ich tat und schlug apprupt vor zum Weiher zu fahren. Er stimmte mir zu. Den Weg zum Auto gingen wir Arm in Arm, Hand in Hand.

Am Weiher angekomnen, knutschten wir wild herum. Ich kam mir wieder so jung vor. So jung wie ich mich noch nicht einmal gefühlt hatte, als ich tatsächlich noch jünger war. Es artete etwas aus, aber es kam nicht zum Sex. Ich wusste nicht, ob es mir gefiel was wir da taten. Ich war an diesem Abend viel zu verwirrt. Das Leben hat die Fragen an mich zu sehr verändert. Auf dem Weg zu meinem Auto, nahm er meine Hand. Aus dem Radio erklang "Lovefool" von The Cardigans. Wenn es mein Art wäre, dann wäre ich sicherlich errötet. Ich starrte anstatt dessen betroffen aus dem Fenster und lachte in mich hinein. An meinem Auto angekommen, pünktlich zur Verabschiedung kam dann "Too Good At Goodbyes" von Sam Smith. Ich war kurz wirklich verstört , starrte den Radio an und war mir nicht sicher, ob ich dankbar oder empört über die Unterstützung war eine wirklich dramatische Verabschiedung hinlegen zu können. Wir faselten beide ein paar Abschiedsphrasen, gebloben Meldung beim jeweils anderen und küssten uns. Ich stieg völlig verdutzt aus dem Auto in meines und stieß einen Freudenschrei aus.

Ich hatte endlich das gemacht, wonach ich mich so lange gesehnt hatte. Ich klingelte gleich eine Freundin an und erzählte ihr alles Brühwarm. Wir gingen weitere Vorgehensweisen durch und wiederholten immer wieder das geschehene. Wir konnten es nicht fassen. Ich beruhte nichts. 

Ich kann es ehrlich gesagt immer noch nicht fassen.

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