Ich arbeite daran

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War schon länger nicht mehr hier. Eigentlich wollte ich das regelmäßiger sein, um mir ein paar Sachen von der Seele zu schreiben, aber meistens ist es sowieso zu chaotisch gewesen in meinem Kopf und wenn nicht, hatte ich keine Lust, hier 6 Stunden zu hängen.

 

Und der März war ja ein guter Monat und obwohl ich da auch eigentlich Gedanken zu ordnen hatte, hab ich die Zeit lieber genossen. Hatte eine sehr schöne, intensive Beziehung und habe mich so ausgeglichen und erfüllt gefühlt wie noch nie. Hab zum ersten Mal so kitschigen Scheiß genossen und hab mir eine Zukunft vorstellen können. Auch den Verhütungsunfall, nach dem mich sowohl Apotheker als auch Frauenarzt angeguckt haben, als wäre ich auf jeden Fall schwanger, habe ich auf die leichte Schulter genommen. War cool. Ist aber vorbei. Ist auch okay. Realistisch gesehen wüsste ich nicht, was jemand wie er mit jemandem wie mir wollen sollte und ich denke ich hätte ihm auf Dauer nicht gut getan und ich wäre nicht immer so glücklich geblieben. Wenigstens bin ich das jetzt mal gewesen. 

 

Im April habe ich den Umzug hinter mich gebracht, jetzt ist fast alles geschafft, gab nur Probleme mit der Lieferung und dem Anschluss meines Herdes. Jetzt weiß ich nicht, was daraus wird und eigentlich ist mir das auch egal. Wäre nur schön, wenn ich wüsste, wann endlich alles fertig ist. 

 

Wichtiger als an der Wohnung arbeiten ist an mir zu arbeiten. Deshalb musste ich da raus. Ich bin nicht zufrieden mit mir und muss was ändern. Nur was, wusste ich nicht, weil ich nicht denken kann, wenn ich nicht allein bin und in den letzten 2-5 Jahren war ich das fast nie. Aber wirklich sagen, was ich denke, hätte ich sowieso nicht machen können.^^ Das führt zum ersten Thema, an dem ich arbeiten muss:

 

1. Kommunikation

Darüber habe ich mir die meisten Gedanken gemacht, weil ich wirklich nicht weiß, woher das kommt. Meine Beziehung ist meiner Meinung nach größtenteils an der schlechten Kommunikation gescheitert. Das hat sich im Ende der Beziehung relativ deutlich gezeigt, weil ich genau wusste, was ich sagen will und eigentlich muss, es aber nicht über die Lippen bekommen habe. Dann habe ich mit B. getrunken, in der Hoffnung, mit ihm darüber reden zu können, was auch nicht ging, aber immerhin hat mir das betrunken bei ihm schlafen das Schlussmachgespräch erspart, weil mein Freund gedacht hat, ich hätte ihn betrogen. Ich habe das immer noch nicht richtig gestellt, weil es eigentlich auch egal ist. Am nächsten Abend ist das ja passiert (obwohl da meiner Meinung nach die Beziehung definitiv einverständlich vorbei war) und vielleicht hätte ich das auch am Abend davor gemacht, wenn er das initiiert hätte. 

Diese Unfähigkeit zu sprechen habe ich auch bei allen anderen bemerkt. Meine Familie, meine Freunde, alle kennen nur Arvids Seite der Geschichte und ich schaffe es nicht, irgendwas dazu zu sagen. Und ich würde super gerne darüber reden. Ich habe mich schon zwei mal mit Freunden in letzter Zeit getroffen mit dem festen Vorsatz, das endlich zu machen und es einfach nicht geschafft. Ich kann es nicht von mir aus ansprechen und wenn jemand anderes was fragt, sitze ich mit offenem Mund da und in meinem Kopf explodieren 1000 Gedanken, von denen ich keinen ausreichend zu fassen bekomme. Jetzt denken also alle, so wie ich das verstanden habe, dass ich eine Affäre mit einem Arbeitskollegen gehabt hatte. Gut, ist wohl alles eine Frage von Definitionen, aber meiner Realität entspricht das eben nicht. 

Ich habe auch versucht, Freundschaften zu schließen. Ich komme ja eigentlich nicht aus der Gegend und im Moment fühle ich mich sehr einsam. Ich kenne viele nette Leute hier von der Arbeit und der Berufsschule, bei einigen kann ich mir wirklich vorstellen, mit ihnen befreundet zu sein, aber irgendwie scheitert das auch an meiner Kommunikation. Ich habe keine Ahnung, über was man mit wem reden kann. Entweder ich sage zu wenig, weil ich unsicher bin, oder ich erzähle viel zu persönliche Sachen und die Leute sind erschreckt. Nicht sehr einfach, sich jemandem anzunähern. Nächstes Thema. :)

 

2. Ablehnung

Darüber habe ich auch viel nachdenken müssen. Im April habe ich Ablehnung erfahren dürfen, als mein toller neuer Freund vom März weggezogen ist und nichts mehr von mir wissen wollte. Ich habe mir Mühe gegeben, das vernünftig zu verarbeiten, weil Ablehnung und die Angst davor wahrscheinlich mein empfindlichstes Thema ist. 

Ich denke, ich bin was sowas angeht, verletzlicher als andere Menschen. In der Vergangenheit bin ich mit sowas nicht gut umgegangen und habe sie irgendwann einfach gar nicht mehr an mich herangelassen. Ich habe versucht, Ablehnung aus dem Weg zu schaffen und habe viel in Beziehungen investiert, die ich zu den Zeitpunkten einfach hätte abbrechen sollen. Aber hey, dadurch hatte ich dann eine 5 Jahre lange Beziehung mit schlechter Kommunikation. Ist doch auch was. 

Da ich den Fehler nicht noch mal machen wollte, habe ich im April versucht, das zu machen, was normale Menschen machen, wenn sie abgelehnt und/oder verlassen werden. Ich habe 2 Wochen immer mal wieder geweint, auch in unpassenden Situationen, aber niemand hat das bemerkt. Ich habe mich abgelenkt, der Umzug war da eine große Hilfe. Leider habe ich auch bis vor ein paar Wochen ziemlich viel gekokst, was mich zwar über Wasser gehalten hat, aber jetzt ist mein Gehirn ziemlich im Ungleichgewicht und schreit nach Konsum oder Substitution durch Sex.

Vorgestern habe ich viel über Ablehnung nachgedacht und überlegt, was ich tun kann, um zu lernen, sie anzunehmen. Ich will sie nicht mehr leugnen und mich ungesund auf Leute fixieren. Dadurch habe ich schon zu viel Energie verschwendet. 

Ich weiß nicht, ob es stategisch klug oder völlig pepega ist, zu versuchen, mehr Ablehnung zu erfahren, am besten kleinere Ablehnungen, um da einfach etwas abzustumpfen. Jedenfalls habe ich jemanden gebeten, sich mit mir zum ficken zu treffen und leider hat er zunächst ja gesagt, weshalb ich mich gestern erst mal ein paar Stunden total gefreut habe, bevor er dann doch gesagt hat, dass er das nicht möchte. Dadurch ist das Gefühl der Ablehnung größer als es gewesen wäre, wenn er direkt nein gesagt hätte. Ich hatte ja damit gerechnet, dass er nicht möchte. Naja, jetzt bin ich enttäuscht und frustriert über seine Begründung, weil sie keinen Sinn ergibt und wahrscheinlich nicht der Wahrheit entspricht. Deshalb habe ich heute viel zu viel darüber nachgedacht. Wirklich kein guter Tag. 

Wie ich das jetzt annehmen soll, weiß ich nicht, hätte ich mir vielleicht vorher Gedanken drüber machen sollen. Aber wenn er ja gesagt hätte, wäre das halt auch ziemlich cool geworden, hätte zwar nicht nachhaltig irgendwas verändert, aber ich würde für menschliche Nähe gerade einiges tun. Physische Nähe ist zwar nicht die Nähe, die ich eigentlich brauche, aber es wäre halt wirklich gut gewesen und ich habe gehofft, dass wir auch miteinander hätten reden können. Früher, als es noch Menschen gab, die mir nahe standen, konnte ich ihm alles sagen. Und da er in einer ähnlichen Situation ist, verurteilt er mich vielleicht nicht. Aber hat ja nicht funktioniert. Sollte mir etwas anderes ausdenken. Aber es ist gut, dass ich mich wenigstens getraut habe, zu fragen. Hätte auch schön werden können. Dadurch bin ich aber heute zum nächsten Thema gekommen.

 

3. Entfremdung

Eventuell hat meine Sprechblockade damit zu tun, dass ich meine Freunde und meine Familie die letzten Jahre immer seltener gesehen habe. Seit 6 Jahren immer seltener. Letztes Jahr habe ich meine Mutter(!) vielleicht 5 mal gesehen und genauso oft mit ihr telefoniert. Manchmal haben wir monatelang nicht voneinander gehört. Klar, wir haben auch nicht viel zu erzählen, wenn wir die ganze Zeit nur arbeiten und kein Sozialleben oder Hobbies haben, aber sie fehlt mir. Alle fehlen mir. Ich weiß aber meistens echt nicht, was ich den Leuten erzählen oder was ich fragen soll. 

Als ich letztes Wochenende in Hamburg war und meine Freunde besucht habe, die ich im letzten Jahr jeweils maximal ein mal gesehen hatte, ist mir aufgefallen, dass einerseits nichts anders dort ist, andererseits aber alles. Bei meinen Freunden ist alles gleich. Wenn ich bei ihnen bin, ist es fast wie früher, fast, als wäre ich nie weg gewesen, aber die Realität ist eben, dass ich die ganze Zeit weg bin und an ihrem Leben eigentlich nicht mehr teilnehme. Die Leute, die ich als meine besten Freunde sehe, sehen mich kaum noch und wahrscheinlich bin ich nur so etwas wie ein Geist aus der Vergangenheit für sie. Sie haben neue Leute kennen gelernt, mit einigen sind sie gut befreundet, auch schon seit Jahren und ich habe diese Leute nur ein mal zuvor getroffen und wenn ich sie wieder sehe, wissen sie nicht, wer ich bin. Ich bin einfach nicht mehr wirklich Teil meiner Gruppe. Im meinem Herzen bin ich das, aber in ihrem? Ich habe keine neuen Freundschaften schließen können, auch, wenn ich es versucht habe. Ich muss das weiter versuchen und ich muss meine Freunde wieder öfter sehen. Oder lernen, wie man anders in Kontakt bleibt. Ich will wieder zu irgendwas dazu gehören. 

 

Das wären jetzt die aktuellen Themen gewesen. Teilweise. Vielleicht schreibe ich auch noch mal etwas über Sucht, unangemessene Schwärmereien oder sowas die nächsten Tage. Oder in ein paar Monaten. VIelleicht auch nie. :)

 

Damit hier auch noch was positives steht: Den Umzug habe ich zu 100% selbst organisiert. Meine Mutter hat mir beim Aufbau von meinem Schrank und meinem Bett geholfen, aber alles andere, alles Organisatorische, habe ich allein geschafft und darauf bin ich stolz. Nicht alle meine Schritte sind Rückschritte.

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