Gedankenwiederkäuung

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Eben lag ich das erste Mal seit langem einfach wach da und habe in Gedanken mit einem Freund über mein Gefühlsleben diskutiert. Normalerweise würde ich eine Serie zum Einschlafen gucken, aber ich bin gerade mit einer fertig geworden und kann mich noch nicht für eine andere begeistern. Jedenfalls ist mir gerade aufgefallen, dass es vielleicht besser wäre zu schreiben. Gedankengespräche sind zwar ganz angenehm, aber ich will mich dadurch niemandem näher fühlen als ich es tatsächlich bin. Früher irgendwann, so bilde ich es mir zumindest ein, hätte ich mit meinen Freunden wirklich so ein Gespräch führen können, zumindest im Rausch, aber ich habe einerseits nicht den Eindruck, dass es irgendwen sonderlich interessiert, was mir im Kopf herumgeistert und andererseits Angst vor ehrlichen Antworten oder Fragen, die in offenen Wunden herumstochern. Schreiben hat früher immer geholfen, Gedanken zu ordnen und vielleicht auch die eine oder andere Sache abzuschließen. Und so großartig anders als Gedankengespräche ist es auch nicht, davon abgesehen, dass ich mir schon mindestens ein Level weniger bekloppt vorkomme. Mal sehen, ob ich es noch kann. Lange her ist es jedenfalls.

Ich fühle mich heute körperlich einfach seltsam. So eine Mischung aus hormonellem Highsein und Ausgelaugtheit. So einen Zustand hatte ich schon sehr lange nicht mehr, besonders das hormonelle High war überraschend und meine Gedanken waren dementsprechend etwas unklar, aber sehr emotional und sexuell geprägt. Auch sehr ungewohnt. Mir ist irgendwann aufgefallen, dass es daran liegen könnte, dass ich unfreiwillig die Pille abgesetzt habe (aka zu faul gewesen, ein neues Rezept zu holen, da ich einen Freund hatte, den ich bis September wegen seiner Prüfungen nicht gesehen hätte). Das war am Anfang August. Genaugenommen hätte ich am 1. die Pille wieder nehmen müssen. Dass ich mich nach Absetzen der Pille anders fühlen könnte, ist mir zwar mal durch den Kopf gegangen, aber irgendwie bin ich nicht darauf gekommen, das mal auf mein Leben zu beziehen. Am ersten Augustwochenende habe ich die Beziehung mit meinem Freund beendet, weil mir in den zwei Wochen, die ich bei meiner Mutter bis dahin verbracht hatte, aufgefallen ist, dass er mir einfach nicht fehlt. Gar nicht. Er hat immer davon gesprochen, dass er sich freut, mich im September nach seinen Prüfungen sehen zu können und oft gefragt, ob ich es zu bestimmten Daten einrichten könnte, ihn zu besuchen (Fernbeziehung) und ich war eigentlich eher genervt davon als es auch nur im geringsten zu erwidern. Keine Lust ihn zu sehen, keine Lust mit ihm zu reden. Das habe ich darauf zurückgeführt, dass ich das erste Mal seit langem wieder mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden in der Heimat verbringen konnte. Wenn ich an Sex gedacht habe, dann auch eher selten an Sex mit ihm. Das habe ich mir aber auch nur damit erklärt, dass ich zwei Wochen vorher bei jemandem auf dem Sofa übernachtet habe, mit dem ich vor Jahren mal Sex hatte, den ich seitdem im Kopf eben nicht nur als einen Freund, sondern auch als attraktiv im Kopf gespeichert habe. Es sah also so aus, als hätte meine Beziehung einfach keinen Stellenwert mehr in meinem Leben. Kam zwar quasi über Nacht, aber kann ja sein, dass es auch so laufen kann, das Liebe so schnell verschwindet. Kann ich ja nicht wissen. Könnte ja vorkommen bei einer Art Mensch, zu der ich geworden sein könnte. Man weiß ja nie.

Und nicht ein Mal, bis vorhin, kam mir der Gedanke, dass diese plötzliche Gefühlswendung auch an dem ganzen fehlenden Östrogen liegen könnte, das meinem Körper die letzten neun Jahre künstlich zugeführt wurde. Jetzt allerdings scheint es mir eigentlich die naheliegendste Erklärung zu sein und ich weiß nicht, was ich damit jetzt anfangen soll. Ich war mir meiner Sache bis heute eigentlich ziemlich sicher. Und plötzlich habe ich auch wieder positive Aspekte der Beziehung im Kopf und nicht nur eine Liste von Sachen, die auch beim besten Willen nicht zu funktionieren schienen. Jetzt bin ich nicht mehr so sicher, ob die Trennung die beste Entscheidung war. Unüberdacht war sie in jedem Fall, eigentlich wollte ich auch erstmal abwarten und gucken, wie sich das noch entwickelt, aber ich wollte mich nicht verstellen um zu tun, als wäre alles wie immer. Einerseits, weil es unfair wäre, aber auch, weil es anstrengend wäre und mir die Beziehung nicht mal mehr diese Mühe wert gewesen wäre. Und so kam es eben zu einer Aussprache für die er eine Klausur nicht geschrieben hat und hergefahren ist, obwohl ich mir meiner Gefühle kaum klar war. Anfangs tat es mir sehr leid, aber nachdem er zwei Tage später vorsichtig angefragt hatte, ob wir nicht trotzdem noch Sex haben könnten, weil unsere Beziehung ja so körperlich gewesen ist und blablabla, hat es sich angefühlt, als hätte ich ein Pflaster abgerissen. Das war super.

Heute allerdings wäre eine Beziehung echt schön gewesen. Ich habe zwar etwas mit Leuten gemacht, aber ich konnte trotzdem mit niemandem wirklich reden und es war recht früh vorbei, weshalb es schön gewesen wäre, später nicht allein nach Hause zu gehen und irgendwann mit meinem Gesicht an einem warmen Rücken einzuschlafen. Aber wenn ich nicht meine Tage hätte, würde ich an so etwas vielleicht gar nicht denken.
Was solls. Ich werde wohl in nächster Zeit merken, was jetzt Sache ist und eigentlich ist es auch egal, ich sehe da kein Zurück mehr. Ich habe eben im Moment keine Kraft um irgendetwas zu investieren, damit eine Fernbeziehung funktioniert. Ich verstehe auch nicht, was das sein sollte. Und ich hätte eben wieder weniger Zeit für Freunde und Familie, zu denen ich ja ohnehin auch Fernbeziehungen führe. Die interessieren sich vielleicht allgemein etwas weniger für mich, aber es fühlt sich zumindest so an, als würden sie mir die meiste Zeit zumindest zuhören. Ich kann keine Beziehung führen, in der ich mich jeden Tag frage, ob sie die Einbußen wohl wert ist. Eigentlich haben wir auch sehr verschiedene Vorstellungen von der Zukunft.

Ich bin ziemlich sicher, dass das hier fürchterlich geschrieben ist. Ich bin völlig aus der Übung was das angeht und mittlerweile bin ich vielleicht auch schon müde genug, um endlich zu schlafen. Ich habe zwar öfter drübergelesen, aber ich kann nicht mal beurteilen, ob das überhaupt Sätze sind. Ich werde versuchen, wieder öfter zu schreiben, auch, wenn ich mir blöd dabei vorkomme, weil es eben eigentlich nur gedankliche Abfallentsorgung ist und ich nur Sachen schreibe, die es nicht Wert sind, so viel Zeit darauf zu verwenden. Vielleicht hilft es ja trotzdem.

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