Vorweihnachtstief

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 In der (Vor-)Weihnachtszeit fühle ich mich sehr unter Spannung. Bei Edeka eben lief ein Weihnachtslied und danach habe ich überlegt, ob ich mir nicht Zigaretten kaufen sollte, was ich nicht getan habe, woraufhin ich dann für eine Sekunde überlegt habe, einen Radfahrer zu schubsen, den ich zu spät gesehen habe, was eigentlich mein Fehler war.

Eigentlich ist Weihnachten schön und dieses Jahr freue ich mich eigentlich schon länger darauf, weil das bedeutet, dass ich meine  Familie sehe, was mittlerweile eher selten geworden ist, weil ich eben sehr weit weg wohne und mir den Stress am Wochenende zwei mal sechs Stunden zu fahren, um dann zu merken, dass eigentlich trotzdem niemand wirklich Zeit hat, nicht mehr geben will. Es ist vor allem schön, die Leute zu sehen, die ich eigentlich sowieso nur einmal im Jahr sehe. Trotzdem stehe ich ziemlich unter Druck. Letztes Jahr habe ich mir vorher Sorgen gemacht über die Gespräche bezüglich meines Studienabbruchs und darauf folgenden Arbeitslosigkeit, aber alle waren sehr nett und ermutigend. Trotzdem habe ich irgendwann meine Schwester geschlagen, weil sie irgendwie provoziert hat. Das wäre unter normalen Umständen nie passiert und trotzdem war es in dem Moment irgendwie keine große Sache und sofort vergessen. Ich verstehe nur nicht, warum ich so gestresst bin.

Im Moment bin ich ein bisschen frustriert, weil ich beim Vorstellungsgespräch mit Weihnachtsgeld gelockt wurde, das man aber wohl erst kriegt, wenn man mindestens schon ein Jahr da ist. Ich hatte Pläne, die zwar sowieso nicht umsetzbar wären, weil ich eigentlich erst mal für Zahnersatz und eine Spirale sparen muss, damit ich mich nicht irgendwann für eine Abtreibung verschulden muss. Aber die Idee vielleicht über Silvester nach Dänemark oder Schweden zu fahren, oder in ein paar Monaten einen PC kaufen zu können, war eben schön.

Vielleicht ist es auch ein wenig problematisch, dass mir in den letzten Tagen so oft gesagt wurde, ich sollte mal langsamer machen, damit ich die Anderen nicht abhänge, weil sie eben andere Voraussetzungen haben. Ich fände es auch schön, wenn wir alle auf einem Stand wären und irgendwie zusammen arbeiten könnten. Aber ich mache bereits viel langsamer als ich es gern würde und langsamer würde es nicht mal unter Schmerzen gehen. Außerdem glaube ich, es ist nicht gut, mir sowas zu sagen, weil ich nicht anfangen will, mich für etwas Besseres zu halten. Ich glaube lieber daran, dass wir als Team eben etwas mehr Zeit brauchen, die wir aber eben haben. Wenn mir so etwas gesagt wird, frage ich mich öfter, ob ich nicht doch lieber hätte studieren sollen, was Schwachsinn ist, weil es zu theoretisch ist und ich Struktur im Alltag brauche, um überhaupt irgendwas hinzukriegen. Ich glaube nicht wirklich, dass ich schneller bin als Andere. Ich weiß nur sicherer, was ich mir für meine Zukunft wünsche.

Gestern habe ich den ganzen Tag über Zeitreisen nachgedacht. Ich habe mir vorgestellt, was ich tun würde, wenn ich plötzlich 100 Jahre in der Vergangenheit wäre. Mein Fazit war, dass es fürchterlich wäre. Dennoch war dadurch gestern schöner als heute. Heute habe ich darüber nachgedacht, dass ich nur zufrieden bin, wenn ich mich Illusionen hingebe, sei es mein Selbstbild oder meine Beziehungen betreffend. Meine verzerrte Sicht auf mich und mein Leben ist nur so brüchig. Nicht mal stabile Illusionen kann ich mir schaffen. Vielleicht brauche ich eine Therapie und vielleicht ist das nur das Weihnachtstief.

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