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Das Schreiben ansich ist wie ein Ventil. Es klappt nicht immer, aber oft sprudelt aus mir heraus, was ansonsten verinnerlicht wäre und sich in meine Seele fressen würde. Früher habe ich mich hier wohler gefühlt. Heute komme ich seltener, was aber auch daran liegen mag, dass nicht täglich etwas passiert, worüber ich berichten möchte. Momentan allerdings häufen sich die Einträge. Es passiert zwar nicht viel, aber wahrscheinlich ist es gerade das. Nachdenklich sitze ich mit einer Tasse Tee in meinen/unseren vier Wänden und weiß nichts mit mir anzufange. Die Lethargie hält mich immer öfter gefangen, gefangen in sich, in mir selbst, schwer zu beschreiben. Das macht mich unzufrieden. Wenn ich dann aber versuche, mein Leben zu füllen mit Abwechslung, dann endet es meist in noch größerer Unzufriedenheit. Ich habe mich für einen Japanisch-Kurs angemeldet. Einmal war ich dort und es war schön, hat mir gefallen. Die Woche drauf war ich verhindert und letzte Woche dann, als die dritte Stunde gewesen wäre, hat es mich schon morgens angekotzt, dort abends hingehen zu müssen. Ich ging nicht. Bis heute hat mich die Euphorie nicht wieder eingeholt, ich habe keine Lust mehr auf diesen Kurs und bleibe ihm somit nun dauerhaft fern. Woher diese plötzliche Ernüchterung kommt, weiß ich nicht. Ich spüre nur, dass mich jegliche Verpflichtung mies drauf bringt und deshalb erspare ich sie mir. Was mir etwas fehlt, ist eine enge, weise Freundin hier in meiner Umgebung. Jemand, der mich deuten kann und verstehen kann und trotzdem außenstehend genug ist, dass er nicht zu sehr mit mir fühlt, sondern mich objektiv beurteilen kann. Es gibt solche Menschen in meinem Leben, aber die sind räumlich so weit entfernt, dass man sich selten sieht. Und manchmal ist so ein Sehen etwas sehr heilsames. Einen Nachmittag bei Kaffee und warmem Licht mit einem klärenden Gespräch, es wäre schön, wenn es so etwas geben würde und wenn ich sowas spontan machen könnte. Ich komme mir gedanklich manchmal etwas verloren vor.

Patrice fragte mich neulich wieder danach, ob ich ihm denn die Geschichte mal schicken könne, die ich geschrieben habe. Welche, Patrice?! Es gibt einige Texte, aber sie drehen sich meist um komplexe Themen, die ein anderer Mensch wahrscheinlich recht zusammenhanglos empfindet. Oder es geht um Liebe und Texte über Liebe werde ich ihm sicher nicht schicken. Am Ende würde er das Gelesene noch auf sich beziehen. Diese Texte gibt es natürlich auch zur Genüge - über die Liebe zu ihm. Aber so ein Text wäre so ziemlich das Allerletzte, was ich ihm senden würde. Nunja, ich schicke ihm ohnehin GARNICHTS. Dafür habe ich ihm eine, wie ich finde, schöne Mail gesandt. Bis heute hat er darauf nicht geantwortet. Eine SMS mit "du bist ein sehr spannender Mensch" fand er offenbar auch nicht so beeindruckend, als dass er sich darauf äußern wollte. Ich kann es nicht ändern, auch wenn ich es gerne würde. Ich kann hier sitzen, weiße Kerzen anzünden für positive Energie oder was auch immer und ich kann anfangen, mich selbst auf den rechten Weg zu bringen, damit ich nicht warte, bis andere mich "erlösen", was sie in Wirklichkeit nämlich weder können, noch möchten. Auch darüber könnte ich seitenfüllend schreiben, aber auch nur so, dass es unverständliches Wirrwarr wäre. Ich möchte zukünftig ein wenig daran arbeiten mit mehr Klarheit die Dinge zu Papier oder zu PC bringen zu können.

Es ist ein merkwürdiger Tag. Meine Grundstimmung ist merkwürdig. Ich bin sehr anlehnungsbedürftig, das spürt Gerd wohl auch und ich genieße es, wenn ich bei ihm sein kann. Gleichzeitig hoffe ich immer darauf, viel Zeit für mich alleine zu haben, wenig Nähe, einfach Zeit um hier mit mir selbst einsam zu sein, denn dieses Grundgefühl habe ich momentan und muss es leben. Überhaupt habe ich das Gefühl, alles ausleben zu müssen was gerade ansteht. Es ist ein kurviger Weg mit einigen Hindernissen, die ich nichtmal selbst kenne oder beschreiben kann. Der Weg führt nach innen und wieder heraus und ist so vernebelt, dass ich manchmal glaube, ich verliere den Überblick.

Gesund werden ist mein oberstes Ziel und ich möchte vieles, ja alles dafür tun. Mit einer chronischen Erkrankung zu leben ist für mich eigentlich nie ein Problem gewesen, ich habe es akzeptiert, habe der Krankheit so viel Raum gegeben, wie sie brauchte, aber auch nicht ZU viel. Ich möchte keine Krankheit in den Mittelpunkt meines Lebens stellen, niemals. Aber mich selbst vielleicht. Das ist vielleicht die Lösung all der Gedanken der letzten Wochen. Ich habe mich selbst irgendwo an einer Bushaltestelle abgestellt und vergessen, mich verloren in Gedanken an andere, in Wunschträumen bin ich durch die Tage geschwebt, habe mich mal da, mal dort positioniert, mir vorgestellt, wie es sein könnte, wenn bestimmte Dinge passieren würden, sich bestimmte Menschen so und so verhalten würden. Tageträume bis zum Anschlag und dabei die Realität vergessen, in der ich überhaupt nicht mehr vorkam....

TitelAutorDatumBesucher
15 Jahre ...Viva13/01/2021 - 11:12381
Die Zeit verstreicht, die Gedanken verweilenViva11/01/2021 - 14:51443
TraumViva28/07/2020 - 14:10353
PatriceViva27/03/2020 - 14:59597
zwei Jahre nicht hier....Viva27/03/2020 - 14:41586
Es ist April....Viva22/04/2018 - 10:261356
It´s been a while....Viva18/08/2017 - 12:471981
merkwürdigerweiseViva13/11/2014 - 12:551657
patriceViva09/08/2014 - 10:061477
jaja, auch otb verändert sich.Viva27/05/2014 - 19:531601
tjaViva29/12/2013 - 14:551441
VermissenViva08/11/2013 - 20:203281
fuckViva22/10/2013 - 20:421597
I love....Viva23/12/2012 - 18:041639
free nightViva20/11/2012 - 11:361612
bunte blätterViva28/10/2012 - 17:241677
ins grüne schauenViva25/10/2012 - 08:241643
edithViva10/10/2012 - 15:251586
mixed emotionsViva10/10/2012 - 10:571667
WeinViva04/10/2012 - 20:321822
and I love himViva04/10/2012 - 14:241670
und wie wird es wohl seinViva02/09/2012 - 08:571630
gesehenViva07/06/2012 - 22:041804
open mindedViva04/06/2012 - 08:471974
mein sohnViva01/06/2012 - 18:121698
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