times goes by

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Es ist schon merkwürdig, wie das Leben sich so entwickelt. Ich habe mich gerade mit alten Freunden getroffen, darunter auch mein Ex-Freund. Er hat jetzt Familie. Damals, vor vier Jahren, habe ich mich von ihm getrennt, weil ich eben dies nicht mit ihm wollte. Nun ist eine lange Zeit vergangen und ich wußte immer, dass meine Entscheidung damals richtig war. Wenn ich ihn heute so sehe, - als Familienvater- , dann ist weiß ich noch besser, dass ich damals richtig gehandelt habe.
Dennoch kommt es mir vor wie in einem Spielfilm. Ich sitze mit meinem Ex und seiner Familie im Park. Er hat sich in eine andere Richtung entwickelt als ich und es scheint fast, als wären wir in einem anderen Leben ein Paar gewesen und nicht in genau diesem aktuellen Leben vor garnicht mal so langer Zeit. Es trennen uns Welten und doch verstehen wir uns blendend. Er ist der Typ Mann, den Frauen sich wünschen und den ich in dieser Form und Art niemals zuvor und niemals danach wiedergetroffen habe. Er ist bodenständig, wie ein Fels in der Brandung, sehr attraktiv, humorvoll, intelligent, - all das. Er konnte mir sehr viel Sicherheit geben - für mich aber war das wohl ZU VIEL Sicherheit. Wir trugen keine Konflikte aus, denn er war so neutralisierend und beschwichtigend, dass es selten zum Streit kam. Ich aber hätte diese Reibereien gebraucht. Eine Liebe wie meine braucht kleine Einbrüche, um immer wieder neu erblühen zu können. Feuer und Wasser im Wechsel. Das soll natürlich nicht ständig so sein, aber es muß einfach ab und zu knallen. Danach ist die Luft wieder so schön rein und klar.

Damals schrieb ich Texte über die Trennung und über meinen Gefühlszustand. Mir kam es damals so vor, als wäre ich an einem seidenen Faden an ihn gebunden. Ich lag nicht an der Kette, nein. So offensichtlich war diese Bindung nicht, doch war es trotzdem eine Art festgebunden sein. Der Faden legte sich mir schließlich um den Hals. An einem seidenen Faden fast erstickt. So oder so ähnlich habe ich es damals beschrieben. Und ich fühle diesen Faden noch heute um meinen Hals, wenn ich an diese Beziehung und die dazugehörige Geschichte denke. Und dennoch ist er ein Mensch, den ich immer im Herzen trage. Ich habe ihm viel zu verdanken, er hat mir viel geholfen und er hat vieles in mir ausgelöst und zu Tage gebracht. Er hat mir immer das Gefühl gegeben wertvoll zu sein, toll zu sein, gebraucht zu werden, einzigartig zu sein. Ich sagte ja schon - er ist ein Mann, wie Frauen ihn sich wünschen. Er hat nicht diese gängigen Ecken und Kanten, wie Unehrlichkeit, Respektlosigkeit und all das. Für mich aber war dieses vermeintliche Glück zu perfekt und ich sehnte mich nach Auf und Ab, nach Abenteuer, Spannung, nach LEBEN.

Nach der Beziehung zu ihm schlitterte ich direkt ins große Unglück mit Niklas, der der genaue Gegenpol war zu meinem Ex-Freund. Er brachte mich bis an den Rand des Wahnsinns, er nahm mir jegliches Selbstwertgefühl - und heute weiß ich, dass ich einen großen Teil selbst daran die Schuld trage, denn man läßt sich so etwas nur gefallen, wenn man mit sich selbst nicht zufrieden ist. Diese Zeit war im Nachhinein betrachtet ein Horrortrip, aber eben wichtig. So, wie ich heute bin, bin ich nur durch all diese prägenden Phasen in meinem Leben. Jeder Tritt in den Arsch hat mich nur einen Schritt weiter nach vorne gebracht. Es war ein Anschubsen.

Nun saßen wir da, er und seine Familie, einige Freunde und ich. Jeder hat sich in den letzten Jahren anders entwickelt und doch sind wir so gleich geblieben. Ein Pärchen von damals ist noch zusammen, inzwischen verheiratet. Auch sie saßen dabei. Ein weiterer Freund ist jetzt wieder alleine, wer hätte das gedacht .... er war sehr lange in einer Beziehung, in der schon Kinder auf dem Plan standen. Und eben mein Ex-Freund, der jetzt treusorgender Ehemann und Vater ist. Inmitten dieser Menschen ICH, die nun garnicht in irgend ein Schema passt. Mein Leben ist kurvig verlaufen in den letzten Jahren, ich habe weder Kinder bekommen, noch ein Haus gekauft, noch ein Studium abgeschlossen. Aber ich habe GELEBT. So sehr, dass ich manchmal nah am Abgrund stand, aber eben auch sehr oft auf dem Gipfel. Atemlos miterleben, wie die Dinge sich entwickeln, welche Menschen dass es so gibt, welche Länder, welche Meere, welches Essen, all das. Die Sinne einsetzen und nie aufhören, wach zu sein, offen zu sein, aufnahmefähig. Das war und ist mir wichtig. So war ich und so bin ich geblieben, wenn auch viele Dinge sich geändert haben in mir - diese Eigenschaft ist noch da und wir es hoffentlich immer sein. Denn sie ist derr eigentliche Sinn.

TitelAutorDatumBesucher
15 Jahre ...Viva13/01/2021 - 11:12381
Die Zeit verstreicht, die Gedanken verweilenViva11/01/2021 - 14:51443
TraumViva28/07/2020 - 14:10353
PatriceViva27/03/2020 - 14:59597
zwei Jahre nicht hier....Viva27/03/2020 - 14:41586
Es ist April....Viva22/04/2018 - 10:261356
It´s been a while....Viva18/08/2017 - 12:471981
merkwürdigerweiseViva13/11/2014 - 12:551657
patriceViva09/08/2014 - 10:061477
jaja, auch otb verändert sich.Viva27/05/2014 - 19:531601
tjaViva29/12/2013 - 14:551441
VermissenViva08/11/2013 - 20:203281
fuckViva22/10/2013 - 20:421597
I love....Viva23/12/2012 - 18:041639
free nightViva20/11/2012 - 11:361612
bunte blätterViva28/10/2012 - 17:241677
ins grüne schauenViva25/10/2012 - 08:241643
edithViva10/10/2012 - 15:251586
mixed emotionsViva10/10/2012 - 10:571667
WeinViva04/10/2012 - 20:321822
and I love himViva04/10/2012 - 14:241670
und wie wird es wohl seinViva02/09/2012 - 08:571630
gesehenViva07/06/2012 - 22:041804
open mindedViva04/06/2012 - 08:471974
mein sohnViva01/06/2012 - 18:121698
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