Die Schuld liegt bei mir

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Puh,

Wenn man mal von Gestern absieht, waren die letzten Tage allesamt ganz ganz ganz schrecklich. Die Dame und ich hatten so viel tiefsitzenden Streit, dass ich wirklich dachte, es sei das Ende unseres Wirs. Das ganze Fundament hat gewackelt und gebröckelt. So viele Tränen habe ich schon lange nicht mehr geweint. Dass wir noch einmal die Kurve bekommen haben, grenzt an ein Wunder, wirklich. Irgendwann bin ich gottseidank einsichtig geworden. Ja, ich trug die Hauptschuld an der ganzen Scheiße.
Eigentlich begann alles damit, dass wir den Sonntagmorgen so geplant hatten, dass wir vor der Bib noch entspannt Brötchen holen wollten, um wenigstens mal einen Tag in der Woche irgendwie schön in den Tag zu starten. Wir wollten bis 9 ausschlafen, in Ruhe frühstücken, und in meinem Gehirnchen hatte ich irgendwie noch die Hoffnung auf einen schönen kleinen Spaziergang vorm Lernen. Vielleicht eine Runde in den Wald oder in den Park. Eigentlich waren meine Ansprüche nicht sonderlich hoch und mir hätten 20 Minuten gereich. Ich hatte einfach das Bedürfnis nach Harmonie. Dana schreibt zur Zeit an ihrer Bachelorarbeit und weil sie anfangs viel zu lange getrödelt hatte, ist die Zeit mittlerweile recht knapp bemessen und der Druck steigt stetig. Sie sitzt wirklich jeden Tag von morgens bis abends in der Bibliothek. Wir stehen früh zusammen auf, trinken ratzfatz einen Kaffee, dann geht jeder seinen Weg. Ich arbeite oder hab Uni, sie schreibt. Oft sehen wir uns nachmittags in der Mensa, meistens ist Domme noch dabei, und dann geh ich abends zum Schlafen wieder zu ihr. Wirklich viel qualitative Zeit bleibt da nicht, was aber ja nicht schlimm ist. Ist ja normal in der Lernzeit. Nun gut, aber Sonntag - dachte ich - Sonntag früh wird schön.
Tjaha. Leider hatte die Dame aber wiedermal so schlechte Laune aus den unbedeutendsten und bescheuertsten Gründen, dass es überhaupt gar nicht mehr zur Debatte stand, zu frühstücken oder sonst irgendwas Schönes zu machen. Wir schwiegen uns an. Ich war sauer, weil sie mir wieder meine Laune versaut hatte und sie war sauer, weil ich ihre Laune nicht nachvollziehen konnte. Alles endete damit, dass wir irgendwann an der Bushaltestelle standen, an der wir noch hätten 15 Minuten warten müssen, woraufhin ich sie dann gefragt habe, ob wir nicht das kleine Stück wenigstens zufuß gehen könnten, wenn ich ihren Beutel trüge. Ehm. Ein patziges Nein.
Die Sonne schien und mir war es dann auch irgendwie zu blöd. Ich bin einfach abgezischt und hab Madame ihre Viertelstunde allein dort warten lassen. Daraufhin bekam ich wirklich ein sehr wundervolles und einsichtiges Entschuldigungsgedicht.
Abends traf ich mich mit der schönen Julia in einer Bar. Wir redeten und redeten und unter anderem sprach ich mit ihr auch über mein Launen-Problemchen mit Dana. Es war wirklich ein sehr gutes Gespräch. Die schöne Julia sortierte ein Wenig meine Gedanken und ermunterte mich dazu, vielleicht mal offen und ehrlich mit der Dame zu sprechen.
Mir war schon länger bewusst, dass Danas Verhalten an vielen Ecken sehr zum Egoismus neigt, aber ich glaube ja an das Gute im Menschen und bin davon überzeugt, dass man Empathie vielleicht zumindest ein Stück weit erlernen kann. Schaut man sich Danas Mama an, weiß man, woher ihr Verhalten kommt. Sie ist kein schlechter Mensch. Sonst würde ich sie nicht lieben können. Ihr fehlt einfach manchmal die Gabe, sich mal von ihrer eigenen Perspektive zu trennen.
Abends im Bett sprach ich sie drauf an. Ich sagte ihr, dass mich das traurig mache, wenn sie morgens schon mit so schlimmer schlechter Laune aufstünde und es ihr egal sei, wie es mir dabei ginge. Ich sagte ihr, dass meine Gefühle auf diese Weise weniger würden und dass mein Herz sich nun schon ein Wenig wie ein Eisklotz anfühlen würde. Sie weinte, ich weinte. Das Gespräch verlief gut. Sie versprach mir auch, sich mehr Mühe zu geben und das hielt sie auch ein. Alles hätte so schön sein können daraufhin, aber leider bekam ich dann plötzlich einen emotionalen Rappel.
Die Vorstellung, dass die Dame im Frühjahr für 3 Monate (es können auch 5 werden) auf Reisen gehen wird ohne mich, hatte ich bis dato erfolgreich verdrängt. Auf einmal überrollte der Gedanke mich und ich war völlig fertig.
Weiß der Geier warum. Vielleicht lag es auch an meinen Hormonen.
Ich habe ein riesengroßes Problem damit, ihr diese Reise von Herzen zu gönnen. Und hier kommt MEIN Egoismus ins Spiel. Ich ertrage es nämlich anscheinend nicht, die "Zurückgelassene" zu sein. Ich möchte auch schöne Dinge erleben. Ich habe die letzte Zeit mit Selbstreflexion verbracht und bin zu diesem Schluss gekommen und ich ekel mich selber an.
Ich möchte auch eine Selbstfindungsreise machen und danach spannende Geschichten erzählen und ein Buch darüber schreiben und der Sonne entgegen gehen. Ich habe aber weder die Zeit noch das Geld dazu. Ich fühle mich so unbedeutend. Nur ich kann etwas daran ändern. Ich muss mit mir selbst zufrieden sein, dann kann ich der Dana ihr Glück auch gönnen. Sie braucht mich als ihren Hafen, ihre Sicherheit. Sie möchte mit mir darüber reden, mit mir planen, sie möchte ihr Leuchten in den Augen mit mir teilen. Sie möchte, dass ich ebenso begeistert von der ganzen Sache bin wie sie und sie unterstütze - aber ich schaffe es einfach nicht. Für mich bedeutet diese Reise kein Leuchten in den Augen. Für mich bedeutet sie nur Angst. Angst, sie zu verlieren. Angst, sie zu vermissen. Angst, mit mir allein zu sein. Angst, auf sie zu warten - umsonst, weil sie nicht zu mir zurückkehren wird. Wieso all diese Gedanken? Tja - kein Selbstbewusstsein.
Liebe und Sicherheit schließen sich aus, meinte die Julia. Ja ja, Frau Ratio. Schönen Dank auch. Ich weiß, verdammt.
Ich brauche Selbstbewusstsein. Wo bekomme ich das her?
Ich hatte gestern Abend Theater-Probe. Das ist schon mal ganz gut gewesen fürs Ego. Sich selbst vergessen, eine neue Rolle einnehmen. Meine neue Freundin heißt übrigens Louise und sie ist ein verruchtes Zimmermädchen in Mini-Rock. Eine ganz schöne Herausforderung für mich. Ganz abgesehen davon, dass ich bis zur Aufführung am besten noch so 100 kg abnehme. Wir freunden uns noch an, Louise und ich. Ich muss ihre Körperhaltung noch verstehen, ihre Sprache verfeinern. Aber das kommt. Nächste Woche beginnen wir mit Einzelproben.
Gestern gegen 22 Uhr bin ich noch zur Nadine gegangen. Wir haben was geraucht und Chai getrunken. Auch das war fein und ja, auch da vergesse ich meine Ängste. Aber so ganz verschwinden tun sie nicht. Vielleicht geh ich nochmal regelmäßig ins Buddhistische Zentrum und meditiere.
Immerhin ist mir schon mal bewusst, dass der Fehler weitestgehend bei MIR liegt. Jetzt muss ich ihn nur noch gerade biegen. Ich hab mich jedenfalls entschuldigt für all den Mist, den ich zwischen uns entstehen lassen hab in den letzten Tagen. Sie kann das auch echt nicht gebrauchen zur Zeit. Gestern war es wieder okay und heute auch. Diese Nacht, als ich von Nadine kam und sie schon längst in ihr Hochbett eingemummelt war, hat sie sich so extrem gefreut, als ich unter die Bettdecke gekrabbelt kam. Ein Lächeln, ein Leuchten, ein Umarmen und dann war sie sofort wieder eingeschlafen und wir haben auch die ganze Nacht lang so Arm in Arm gelegen. Schön war das.
Ich will sie nicht verlieren durch meine inneren Probleme.
 

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"you see love liberates. it

"you see love liberates. it doesn't bind, love says i love you. i love you if you're in china, i love you if you're across town, i love you if you're in harlem, i love you. i would like to be near you, i would like to have your arms around me i would like to have your voice in my ear but thats not possible now, i love you. So go." ― Maya Angelou <3

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Kleiner blöder EintragWonapaleia15/09/2015 - 12:511678
UpdatedatedateWonapaleia10/09/2015 - 07:342665
ReflexionsbedarfWonapaleia31/05/2015 - 11:351895
LizWonapaleia14/05/2015 - 01:081988
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